Als den Main das Eis fest im Griff hatte

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Ehrungen bildeten einen Schwerpunkt beim Schiffertag in Mainflingen. Das Bild zeigt von links: Erster Vorsitzender Gerhard Stegmann, Oswald Löser, Mainhausens Bürgermeisterin Ruth Disser, Paul Heng, André Stegmann, Josef Wißler, Kurt Gast sowie den Ersten Beigeordneter der Gemeinde Mainhausen, Hans-Joachim Funkert.

Mainflingen (tku) ‐ Ein Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Kilian bildete am Samstag den Auftakt des Mainflingener Schiffertags. Pfarrer Bernhard Gugerel zelebrierte ihn zum Ehrentag der Schifferzunft, und hob deren Bedeutung hervor, in dem er einen Blick in die Historie wagte und den Bogen bis zur Gegenwart schlug.

Im Anschluss zogen die Mitglieder des Schiffervereins, begleitet von den Klängen des Orchesters des Katholischen Musikvereins Zellhausen ins Bürgerhaus, wo die Feierstunde auf dem Programm stand.

Wie sehr sich Anforderungen, Technik und Strukturen in der Binnenschifferei in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben, wurde bei Gesprächen deutlich.

Wenn auch nur noch wenige Mitglieder in Mainflingen in diesem Berufszweig ihr tägliches Brot verdienen, so sind doch alle dem Main und der Schifferei verbunden. So sind einige Aktive sind nach wie vor als Freizeitkapitäne auf dem Fluss unterwegs.

Im Verlauf der Feierstunde Tages ehrte Vorsitzender Gerhard Stegmann im mit Flaggen geschmückten Bürgerhaus verdiente Mitglieder. Für 75 Jahre währende Vereinstreue ehrte er Hermann Stegmann, der jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte. 50 Jahre Mitglied beim Schifferverein sind Paul Heng und Oswald Löser, seit 25 Jahren sind Kurt Gast, Josef Wißler, Dieter Gröning und Fritz Nehl dabei.

Schifferverein der einzige seiner Art in Stadt und Landkreis Offenbach

Am Abend ging es dann mit dem traditionellen Schifferball weiter, Alleinunterhalter Robert Hösbacher lockte mit seinen Melodien viele Gäste auf die Tanzfläche.

Der 102 Jahre alte Schifferverein ist nach wie vor der einzige seiner Art in Stadt und Landkreis Offenbach. Die Tradition des Schiffertages geht auf die Anfänge der organisierten Schifferzunft in Mainflingen zurück. Damals verbrachten Mainflingener Schiffseigner und deren Beschäftigte, nach einem harten Arbeitsjahr in der Frachtschifffahrt unterwegs auf Deutschlands Wasserstraßen, die Weihnachtstage zu Hause bei ihren Familien. Die deutlichen Minusgrade damals bescherten in der Regel einen zugefrorenen Main, dessen Eisdecke meist auch über den Jahreswechsel noch länger Bestand hatte.

Diese Zwangspause für die Schifferei nutzten die befreundeten Schifferfamilien, die sich übers Jahr auch gar zu selten sahen, für einen gemeinsamen Tag, bei dem die Männer ihre besten Anzüge trugen und die Frauen sich festlich elegant in schönen Kleidern präsentierten.

Den auf ein Datum um das Dreikönigsfest festgelegte Schiffertag nutzten alle Mitglieder zum gemeinsamen Frühstück, einem Kirchgang, einer Feierstunde und dem ungezwungenen Beisammensein.

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