Auch im Winter gemütlich

Seecamping Mainflingen: Glücksgefühl in Wohnoase

Wohnen und feiern am Badesee Mainflingen: Für viele der etwa 280 Dauergäste ist das ein Lebenselixier.
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Wohnen und feiern am Badesee Mainflingen: Für viele der etwa 280 Dauergäste ist das ein Lebenselixier.

Am Badesee Mainflingen wird ganzjährig gecampt. Jens Kretzschmar und sein Team sorgen dafür, dass das möglich ist.

Mainhausen – Camper haben das ganze Jahr über Saison. Damit die Bedingungen beim Seecamping Mainflingen am Badesee ganzjährig stimmen, sorgen Jens Kretzschmar (47), Leiter der Eigenbetriebe Campingplatz und Badesseen Mainhausen, der neue erste Platzwart Stefan Götze (48) und ihr Team für eine gepflegte Anlage. Keine leichte Aufgabe in dieser Saison, geprägt von Corona, Besitzerwechseln und Umbauten. „Der direkte Kontakt mit Menschen aus ganz Deutschland reizt uns am Job“, sagt Götze. Als Hausmeister, Rezeptionist, „Kummerkasten“ und Ansprechpartner sei er so etwas wie ein „Mädchen für alles“.

Wenn man sie „Hardcore-Camper“ nennt, tritt man ihnen ganz sicher nicht zu nahe: Die Eheleute Peter und Ulrike Lösch (62 und 57) aus Ilbenstadt in der Wetterau, aber auch Karlheinz Schneider (59) aus Edelbach bei Schöllkrippen im Spessart, sind Dauercamper. Sie haben ihr Domizil für die Winternutzung beheizbar und gemütlich ausgestattet, Grill- und Kochmöglichkeiten optimiert, ihren Platz ansprechend gestaltet.

Sichere und beliebte Wohnoase am Mainflinger Badesee: Zusammen werkeln, zusammen feiern, chillen, essen, reden und die Sonne genießen.

Schlaf-, Wasch-, Koch- und Wohnräume öffnet die Familie Schneider gern für die Kamera. Alles da, alles passt! Pflanzenwelt und Mini-Biotop mit lebendem Frosch inklusive.

Vor vier Jahren hat sich die Familie in Mainflingen häuslich niedergelassen. Löschs verbringen seit 13 Jahren viel Zeit auf ihrem Platz. Jürgen Schreiber (67) hat seinen Platz seit 20 Jahren dort. Weil jeder auf seine Art handwerklich begabt ist und Nachbarschaftshilfe groß geschrieben wird, erwuchs daraus eine fast familiäre Camperfreundschaft mit den Löschs und mit Schneider.

Zusammen werkeln, zusammen feiern, chillen, essen, reden und die Sonne genießen. „Wir haben uns sofort in den See mit den Bäumen und den Campingplatz verliebt, es hat für uns als Neucamper ein Glücksgefühl ausgelöst“, beschreibt Ulrike Lösch, die neben ihrem komfortablen Neun-Meter-Wohnwagen sitzt. „Für unser Leben hier haben wir einiges aufgegeben. Es gefällt uns auch, weil es nicht so überlaufen ist. Wir kommen uns vor wie an einem See in Mecklenburg-Vorpommern.“

„Schade ums Geld für Auslandsurlaube, wenn wir in Mainflingen auf hohem Freizeitniveau leben können“, ergänzt Schneider. Seecamping als Lebenselixier.

Erster Platzwart Stefan Götze (rechts) am E-Wagen mit Mitarbeiter Marco Randon.

Marco Randon und Kevin Gilmer stehen als weitere Platzwarte bereit, zählen zum knapp zehn Personen umfassenden Eigenbetriebsteam, das im Sommer durch Mitarbeiter an der Kasse oder Reinigungskräfte in Teilzeit zeitweise auf 20 wächst. Stefan Götze, geborener Mainflinger, ist seit 25 Jahren für die Gemeinde tätig, zunächst als Bademeister. Als Platzwart kümmert er sich auch um Pflegearbeiten an Pflanzen, Gebäuden und Wegen.

Die Sicherung übernimmt die DLRG-Gruppe mit Wachdiensten und Rettungsschwimmern; dazu kommen Taucher. In Nachtzeiten koordiniert ein externer Wachdienst die Sicherheit des Geländes.

Etwa 280 Dauerplätze bietet die Anlage. Die Nachfrage ist höher als das Angebot, eine länger werdende Warteliste die Folge. Die Dauerplätze sind nummeriert, Straßennamen helfen bei der Orientierung. Die Adresse gilt allerdings nicht als fester Wohnsitz, da es sich beim Campingplatz um eine Freizeitanlage handelt.

Alle Dauercamper verfügen über Strom aus erneuerbaren Energiequellen, die meisten auch über einen eigenen Wasser- und Abwasseranschluss. Weiter gibt es etwa 50 Stellplätze für Zelte und etwa 25 für Wohnwagen oder Caravans.

Die eine Hälfte der Bewohner kommt aus einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern, die andere Hälfte reist aus ganz Deutschland an. Für viele ist Mainflingen eine nette Rast auf der Durchreise, die durchaus mehrere Tage dauern kann. Wegen der verkehrsgünstigen Lage haben viele Niederländer die Vorzüge des Campingplatzes schätzen gelernt.

Doch da kam Corona: Von Mitte März bis Mitte April blieb der Platz vorsorglich geschlossen. Es folgte eine hohe Auslastung der Tagesplätze für drei bis vier Monate. „Für den Rest des Sommers bestand wegen des guten Wetters hohe Nachfrage. Auch die coronabedingt wegbrechenden Campingplatzangebote aus Südeuropa bescherten uns zusätzliche Gäste“, bilanziert Kretzschmar.

Camping-Original Karlheinz Schneider in seinem Reich und seinem Platzgarten auf dem Mainflinger Platz.

Indes galt es, ein Corona-System zu installieren, mit Abstandserhöhungen bei mobilen Zeltplätzen, Desinfektionsmitteln im Sicherheitssektor sowie Kontrollen der Maskenpflicht. Bei den normalen Badegästen, deren Zahl begrenzt war, gab es eine vergleichsweise gute, wiewohl nicht rekordverdächtige Besucherzahl.

Jens Kretzschmar, der zunächst die Badeaufsicht am Zellhäuser Königsee übernommen hatte, wechselte mit Gründung des Eigenbetriebs zum Januar 2006 wie Stefan Götze dorthin. Nach Ausbildung zum Meister für Bäderbetriebe wurde er 2017 Betriebsleiter, bis dahin angeleitet von Jörg Nachtigall, der Anfang Juni seinen Ruhestand angetreten hat.

Das 35 Jahre alte Eingangsgebäude soll noch in diesem Jahr umgebaut und aufgestockt werden. Platzwartbüros und Rezeption sowie wie neue Toiletten sollen integriert werden. Weitere Informationen im Internet. (Thilo Kuhn)

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