Krieg, Pest und Hunger

Mainflingen vor 1240 Jahren erstmals urkundlich erwähnt

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Mainflingen aus luftiger Höhe: So idyllisch, wie es die Aufnahme vermittelt, war es allerdings nicht. Viele hundert Jahre litten die Menschen unter Krankheiten, Krieg und Hungersnöten.  

Mainflingen - Während Seligenstadt mit großem Bahnhof sein 1200-jähriges Bestehen feiert, gerät vollkommen in Vergessenheit, dass es eine Kommune in direkter Nachbarschaft gibt, die auf eine noch etwas längere Geschichte zurück blicken kann. Von Oliver Signus 

Die Rede ist von Mainflingen, das in diesem Jahr 1240 Jahre besteht. Umfangreich Auskunft dazu gibt eine 1975 zum 1200. Geburtstag erschienene Festschrift. Im Urkundenbuch des im Jahre 764 gegründeten Klosters Lorsch findet sich die erste Erwähnung Mainflingens. Der erste von vier Eintragungen auf Grund von Schenkungen stammt aus dem Jahr 775. „Im 7. Jahre der Regierung Karls des Großen schenkte ein gewisser Gerhard dem Kloster Lorsch zu Ehren des Heiligen Nazarius, dessen Reliquien daselbst aufbewahrt wurden, einen Leibeigenen in der Gemarktun Manolfingen im Maingau.“

793 schenken Irphink und Gernant elf Morgen Feld in der Nähe des Maines „in Manolvingen“ ans Kloster Lorsch „fürs Seelenheil Detberts“. Nur drei Jahre später folgen „ein Mansus und 40 Morgen Feld im Maingau in den Gemarkungen Manolfingen und Walinesheim (Welzheim) für das Seelheil des Suabulach“. Ein Mansus war die Bezeichnung für einen Bauer, der 30 Morgen zusammenhängendes Feld hatte, oder auch ein geschlossenes Gut, das ausreichend war, um eine Familie zu ernähren. 799 schenkte Otger dem Kloster Lorsch einen weiteren Mansus und 40 Morgen Feld nebst einer Wiese „in der Manolfinger Mark“.

Diesen Urkunden ist also zu entnehmen, dass Mainflingen im achten Jahrhundert als Ort und Mark vorhanden war. Forscher gehen zudem davon aus, dass im Namen „Mainflingen“ nicht der vorbeiströmende Fluss gemeint, ist, sondern dass er auf einen gewissen Manolf und seine Nachkommen zurück geht.

„Für das Seelheil“

In den kommenden drei Jahrhunderten gibt es keine Eintragungen. Um das Jahr 1200 gibt Gottfried II. von Eppstein an Gottfried von Hahenhusen (Hainhausen) zu Lehen: „das gericht zu Menvlingen und Wellensheym und die fryguder (freien Güter) daz da gehort dem gericht.“ Winther von Wasen, der Burmann zu Babenhausen, stellte 1350 eine Urkunde aus. Darin ist von einem großen und kleinen Zehnten in Menfelingen (Mainflingen) die Rede.

Ende Mai 1405 verleihen Reinhard und Johann (Herren von Hanau) dem Heinrich von Wasen den Kirchplatz, also das Recht, eine Kirchenstelle zu besetzen. Außerdem erhält er „einen Teil des Zehnten zu Menflingen zu rechtem Mannlehen“. 1438 herrschten Krieg, Hunger und Pest, wie aus einer Inschrift am Chor der 1817 abgebrochenen Pfarrkirche in Seligenstadt hervor ging.

Auch die Hexenverfolgung forderte in der Region ihre Opfer. So geht aus einer amtlichen Originalrechnung von Seligenstadt aus dem Jahr 1611 wortgetreu hervor: „Des Schweinshirten Ulrich Schmittners Ehefrau zu Mainflingen wurde nebst anderen Weibern der Faut Seligenstadt (neun an der Zahl) zu Seligenstadt justificieret (mit dem Schwert hingerichtet), weil sie der Hexerei schuldig befunden wurden.“

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Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), Pest und Hunger trugen fast zur Entvölkerung der Region bei. In Mainflingen blieben von ehemals 36 Familien, die vor dem Krieg dort lebten, lediglich drei übrig. Fünf Familien lebten im halb abgebrannten Zellhausen, 44 waren es vor dem Krieg.

Auch Seligenstadt hatte schwer gelitten, die Zahl der dort lebenden Familien war von 350 auf 50 zurück gegangen. In Klein-Welzheim blieb nur eine von vormals 16 Familien übrig, in Froschhausen waren es zwei von 30, in Klein-Krotzenburg neun von ursprünglich 34 Familien.

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