Beschwerden und Sorgen kommen zur Sprache

Mainflingener Infoveranstaltung zum Thema Flüchtlinge

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Zweite Bürger-Informationsveranstaltung zum Thema Flüchtlinge in Mainflingen: „Wo hakt’s? Gibt es Vorfälle?“

Mainflingen - Welche Erfahrungen machen die Bürger, seitdem in die Überlaufeinrichtung des Landes Hessen in Mainflingen vor einigen Wochen die ersten Flüchtlinge eingezogen sind? Im voll besetzten Bürgerhaus kamen am Montagabend die Beschwerden und Sorgen zur Sprache. Von Sabine Müller

Bei der Infoveranstaltung wurden aber auch Lanzen für die Asylsuchenden gebrochen. Rund 400 Besucher verfolgten die zweite Bürgerversammlung zum Thema „Flüchtlinge in Mainhausen“, die anberaumt wurde, nachdem in der Nacht zum 22. November 2015 die Ersten in der Notunterkunft angekommen waren. Die umgerüsteten Gewerbehallen an der Mainflinger Dieselstraße bieten bis zu 300 Zuwanderern eine Bleibe, solange sie noch nicht registriert und auf Kommunen verteilt sind. Nach Auskunft von Podiumsteilnehmer Landrat Oliver Quilling sind dort derzeit 180 Männer, Frauen und Kinder aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Afghanistan untergebracht; 50 weitere werden zum Wochenende erwartet. Dazu addieren sich aktuell 69 Asylsuchende sowie 18 unbegleitete Minderjährige, die der Gemeinde vom Kreis direkt zugewiesen wurden. Die Stimmungslage im Kreis stellte der Landrat als „nach wie vor entspannt“ dar. Auch bezüglich Kriminalität gebe es in Mainflingen wie in den Notunterkünften in Langen und Neu-Isenburg „keine besonderen Auffälligkeiten“.

Dies bestätigte Seligenstadts Polizeichef Josef-Michael Rösch auf dem Podium. Der bisher größte Einsatz seiner Kollegen sei die Erstversorgung der 278 Ankömmlinge im November gewesen. Weitere nennenswerten Vorfälle: eine Körperverletzung durch Streit zwischen zwei Bewohnern, der mutmaßliche Diebstahl eines Mobiltelefons sowie eine Beschwerde aus der Geschäftswelt, die zur Anzeige eines jungen Asylsuchenden wegen Beleidigung auf sexueller Basis geführt habe. „Die Einsätze belasten uns jedoch personell stark, die Seligenstädter Polizei ist an ihre Belastungsgrenze gebracht.“ Ein dickes Lob zollte Rösch der „hervorragenden Arbeit“ des Sozialen Netzwerks sowie den Johannitern als Betreiber der Mainflinger Notunterkunft.

„Wo hakt’s? Gibt es Vorfälle?“

Dann lud Bürgermeisterin Ruth Disser die Bürgerinnen und Bürger ans Mikrofon: „Wo hakt’s? Gibt es Vorfälle?“ Ein Aspekt, der im Laufe der zweistündigen Veranstaltung immer wieder auftauchte, war die als bedroht empfundene Sicherheit von Frauen und Mädchen nach den Kölner Attacken in der Silvesternacht. Mehrmals wurde der örtliche Netto-Markt genannt, vor dem sich Flüchtlinge unangemessen verhalten hätten. Eine Bürgerin erklärte, sie schicke ihre Tochter jetzt nicht mehr allein einkaufen. „Wir erwarten als Gastgeber, dass sie sich anpassen und uns in Frieden lassen.“

Polizeichef Rösch verwahrte sich gegen den Vorwurf, er habe den sexuellen Übergriff auf eine Schülerin in Seligenstadt verschwiegen. Weder das Kind noch der potenzielle Täter stammten aus Mainflingen. Jetzt gelte es die Straftat aufzuklären, ohne das Opfer an die Öffentlichkeit zu zerren, was auch die Ermittlungen beeinträchtige. Auf die Frage, welche Sicherheitsmaßnahmen an den Badeseen vorgesehen seien, erläuterte Bürgermeisterin Disser, mit den Flüchtlingen werde über den Verhaltenskodex gesprochen. „Wir werden auch den FKK-Strand nicht schließen, er gehört zu unserem Leben.“

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Aber auch die Asylsuchenden selbst meldeten sich zu Wort. So verlas ein Mitarbeiter der Notunterkunft einen offenen Brief der Bewohner, die sich für die Vorfälle in Köln entschuldigten und Sanktionen forderten. „Wie können wir die Unterkunft und die Betreiber am besten unterstützen?“, fragte ein Bürger und bekam den Tipp, sich im Rathaus zu melden. Eine Rednerin lobte das Engagement der Helfer. Mehrere Wortmeldungen bezogen sich auf das Verkehrsverhalten der Zugewanderten. Sie liefen bevorzugt auf der Straße und seien auch schon nachts an der schnell befahrenen Strecke zwischen Seligenstadt und Mainhausen gesehen worden. Ruth Disser versprach, das Sicherheitsrisiko noch einmal anzusprechen, außerdem einen runden Tisch mit der Schule einzuberufen – ein Vater hatte sich beschwert, der Mainflinger Jugend sei der Bolzplatz verwehrt, seitdem dort regelmäßig Ausländer kickten.

Kommunikation wurde immer als probates Mittel genannt, um Probleme zu lösen: Bei lautstarken Telefonaten, die den Nachbarn der Notunterkunft den Schlaf rauben, oder mangelnder Mülltrennung, die den Anwohnern ein Dorn im Auge ist. Man wolle nichts herunterspielen, betonten Bürgermeisterin, Polizeichef und Landrat, sei aber auf die Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Oft aber ließen sich die Ängste vor den Fremden im persönlichen Kontakt abbauen.

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