Wohnbebauung auf Manroland-Areal

Attraktives und gutes Ergebnis

Mainhausen - Für Bürgermeisterin Ruth Disser ist es eine optimale Lösung, für die Opposition in der Gemeindevertretung eine verschenkte Chance: die Bebauung des Manroland-Geländes. Von Oliver Signus

Lesen Sie auch:

Ein Verlust- oder gar ein gutes Geschäft?

Es geht um Wohnbebauung

Die mit der Mehrheit der SPD-Fraktion beschlossene Bebauung des Manroland-Geländes in Mainflingen mit Wohnungen wurde kontrovers diskutiert. Die SPD-Mehrheit in der Gemeindevertretung hat den Weg frei gemacht für die Bebauung des Manroland-Areals in Mainflingen. Auf rund 8,6 Hektar soll nun ein Wohngebiet samt Nahversorger entstehen. Die Opposition aus CDU, UWG und FDP lehnte ab und kritisierte das Vorhaben scharf. Zu Grunde lag ein Antrag von Bürgermeisterin Ruth Disser, der eine Zustimmung des städtebaulichen Vertrages mit der Firma aurelis Asset GmbH vorsah. Der Gemeindevorstand soll zudem die Bauleitplanung mit dem Vertragspartner vorbereiten und die Gemeindevertretung regelmäßig über die Entwicklung informieren. In ihrer Antragsbegründung fasste Disser die Entwicklung der vergangenen Jahre kurz zusammen und verwies auf die ursprünglichen Pläne mit der Firma terramag, auf dem Gelände sowohl Wohnungen als auch Gewerbe anzusiedeln.

Die Ende 2010 aufgenommenen Verhandlungen seien allerdings durch die Insolvenz von Manroland ins Stocken geraten. „Mit neuer Zielsetzung des Unternehmens als Eigentümer des Grundstücks wurden die Verhandlungen vor einigen Monaten wieder aufgenommen“, erläuterte die Rathauschefin. Manroland habe die Fläche nun komplett an einen Investor verkaufen wollen und stieg in ein so genanntes Bieterverfahren ein.

Investor verpflichtet sich zu Ausgleichszahlungen an die Gemeinde

Dieses Vorhaben begleitete die Gemeinde Mainhausen, da die städtebauliche Planung eine „hoheitliche Aufgabe der Kommune“ ist. Es habe sich aber herausgestellt, dass die ursprünglich vorgesehene Einteilung in Wohn-, Misch- und Gewerbegebiet für einen Investor nicht interessant genug gewesen sei. Daher sei der Fokus auf reine Wohnbebauung gerichtet worden. „Forderungen der Gemeinde wurden in das Konzept eingearbeitet“, führte Disser weiter aus. Letzlich sei Manroland mit der Firma aurelis einig geworden.

Zu schließen seien nun mehrere Kontrakte. Während der Verkaufsvertrag zwischen Manroland und aurelis unterzeichnet wird, sind ein Erschließungsvertrag und ein städtebaulicher Vertrag zwischen aurelis und der Gemeinde unter Dach und Fach zu bringen.

Errichtet werden soll eine „attraktive, standortverträgliche Wohnbebauung“, die überwiegend aus freistehenden Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften, Reihenhäusern und in untergeordnetem Umfang auch Mehrfamilienhäusern bestehen soll.

Der Investor verpflichtet sich zu Ausgleichszahlungen an die Gemeinde in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro für die Schaffungen von Kinderbetreuungsplätzen (1,6 Millionen Euro), Umgestaltung der Bushaltestellen (300.000 Euro) und 50.000 Euro als Zuschuss für einen Kreisel. Die Ablösung des Abwasser- und Wasserversorgungsbeitrages wird auf knapp 340.000 Euro festgelegt.

Rückblick: Kofferpacken bei Manroland 2012

Koffer packen bei manroland in Mainflingen

Die Opposition kritisierte vor allem, dass die Gemeinde auf die weitere Ansiedlung von Gewerbe verzichte. Paul Schröder (FDP) sagte, ein Wohngebiet sei ein „Schnellläufer im Gegensatz zu einem Gewerbegebiet“, bei dem es schon mal zehn Jahre dauern könne, bis es sich etabliert habe. 2,3 Millionen Euro für die Gemeinde höre sich zwar gut an, „doch ist das Geld schnell weg, wenn wir dafür eine Kita bauen müssen“. Das Ergebnis sei für ihn daher nicht akzeptabel.

UWG-Fraktionschef Manfred Stolz bezeichnete Dissers Vorgehen als „Tagelöhner-Politik“, es werde nur „von heute auf morgen“ gedacht, ein Gewerbegebiet müsse aber erhalten bleiben.

„Wenn Mainflingen nur noch ein Schlafplatz ist, wirkt sich das auch auf die Vereine aus“, monierte CDU-Fraktionsvorsitzender Dietrich Egner. „Pendler sind nicht bei der Feuerwehr“, sagte der Christdemokrat. Kurze Wege zu Arbeitsplätzen - wie bei einem Mischgebiet möglich - hätte die CDU daher vorgezogen. Die Gemeinde sei nur „auf das schnelle Geld“ aus.

Egners Amtskollege Kai Gerfelder verteidigte das Vorhaben als attraktives und gutes Ergebnis für die Gemeinde. 2,3 Millionen Euro Einnahme könnten sich sehen lassen, und statt Gewerbesteuer fließe nun eben Einkommensteuer.

Rubriklistenbild: © paw

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare