Besteht seit 100 Jahren

Beim Mainhausener Familienunternehmen Gefinal ist die vierte Generation gesichert

Modernisierung von Maschinen und Hochregallagern, Prozessoptimierungen und einige weitere Veränderungen - bei dem in Mainhausen ansässigen Unternehmen Gefinal Blech- und Stahlbau GmbH stehen die Zeichen auf Zukunft. 

Mainhausen – Auch die Frage, ob das Familienunternehmen auf eine vierte Generation hoffen kann, beantwortet Geschäftsführer Ingo Hildebrandt positiv. Sein Neffe Andy Schreiner (26), Sohn seiner ebenfalls im Unternehmen tätigen Schwester Ines Schreiner, arbeitet dort seit Anfang des Jahres und soll einmal die Geschäfte leiten. Der Blick nach vorne ist also optimistisch ausgerichtet, der Rückblick auf 100 Jahre Firmenbestehen ein Kapitel deutscher Wirtschaftsgeschichte.

Über das Kopfsteinpflaster Berlins holpern noch vorwiegend Kutschen, und die Straßen werden nachts vom Licht der Gaslampen erhellt, als der Ingenieur Alfons Fischer sen. Gefinal 1919 in der damaligen Reichshauptstadt gründet. Zunächst fertigt die Firma Werkzeuge, bereits ein Jahr später steigt Fischer auf die Ausrüstung von Antennen um. Auch das Portfolio hatte Fischer erweitert. „Ein Verkaufsschlager wurde das sogenannte Torfstreu-Trockenklosett, das vor allem in Luftschutzbunkern eingebaut wurde“, erzählt Ingo Hildebrandt. Bis 1938 geht es stetig bergauf, die Zahl der Mitarbeiter wächst auf rund 200. Einer von ihnen ist seit 1936 Ernst Hildebrandt, der Großvater des heutigen Firmenchefs.

Im Krieg schwer beschädigt

Das Fabrikgebäude wurde während des Zweiten Weltkrieges bei mehreren Bombenangriffen schwer beschädigt. Ein Teil der Produktion lagerte Fischer ins heutige Tschechien aus. Dieser Teil des Unternehmens war nach Kriegsende verloren.

Fischer starb überraschend im Herbst 1945, kurz nachdem er begonnen hatte, das Unternehmen wieder aufzubauen. Eine Erbengemeinschaft übernahm es, scheiterte jedoch an „Blockadeeinwirkungen und Währungsumstellung“.

Wiederaufbau aus eigenen Mitteln

Ernst Hildebrandt startete mit dem Wiederaufbau 1950 und spezialisierte die Fertigung auf hochwertige und maßgenaue Blechbearbeitung. „Der gesamte Wiederaufbau erfolgte aus eignen Mitteln“, betont sein Enkel. Das Geschäft floriert, bis Anfang der 1960er Jahre neues Ungemach droht. Als deutlich wird, dass Berlin durch eine Mauer geteilt wird, entschließen sich Ernst Hildebrandt und einige Kunden der Firma, neue Standbeine in Westdeutschland aufzubauen. Gefinal hätte in einem von einer Mauer umgebenen Berlin nicht überleben können, sagt Ingo Hildebrandt. Die Wahl der Geschäftsleute fiel auf das Rhein-Main-Gebiet. Dass sich Gefinal im damals noch eigenständigen Zellhausen niederließ, begründet der 44-Jährige mit der damals schon guten Anbindung an die Autobahn und die zentrale Lage in Deutschland. Die Leitung des neuen Standortes übernahm Ernst Hildebrandts Sohn Gert, Vater des heutigen Geschäftsführers. Unter Gert Hildebrandt entwickelte sich das Unternehmen, 1967 wurde er Geschäftsführer, die Produktionshallen wurden drei Mal erweitert, mehr Platz für Mitarbeiter geschaffen. Von den Unternehmen, die 1960 Berlin verließen, ist nur noch Gefinal übrig geblieben, sagt Ingo Hildebrandt. Alle anderen Firmen mussten im Laufe der Jahre aufgeben. Ernst Hildebrandt ging erst im Oktober 1983 im Alter von 78 Jahren in den Ruhestand. Die Produktion in Berlin wurde eingestellt und das Industriegrundstück mit Aufbauten und Maschinen verpachtet. Hildebrandt starb im Januar 1985. Gert Hildebrandt zog sich 2004 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Arbeitsleben zurück, er starb im Jahr darauf im Alter von 70 Jahren.

Oliver Signus

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