Caritas darf, Wilma darf nicht

Entscheidungen zu Stellplätzen auf ehemaligem Manroland-Gelände

Mainhausen - Die Mainhausener Gemeindevertretung hat in ihrer jüngsten Sitzung einer Firma, die auf dem ehemaligen Manroland-Gelände ein Mehrfamilienhaus baut, den Wunsch auf Abweichung von der Stellplatzsatzung einstimmig abgeschlagen. Von Oliver Signus 

Keine Zustimmung gab es für das Anliegen der Firma Wilma Wohnen Süd RM GmbH (kurz Wilma), die bei der Realisierung eines Mehrfamilienwohnhauses auf dem ehemaligen Manroland-Gelände in Mainflingen von der Stellplatzsatzung abweichen wollte. Die Firma, so Bürgermeisterin Ruth Disser (SPD) bei der Einbringung ihres Antrags, baut neben Einfamilienhäusern auch Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen. Zu dem derzeit in der Planungsphase befindlichen Objekt mit elf Wohnungen stellte das Unternehmen einen Antrag auf teilweisen Erlass der Forderung nach Pkw-Stellplätzen.

In einem Schreiben an die Verwaltung bat das Unternehmen um eine Reduzierung von 17 (1,5 Stellplätze je Wohnung, aufgerundet 17) auf 14 Stellplätze. Begründet hat die Firma das mit Erfahrungswerten: „Es sind zu viele Stellplätze für die von uns geplante Bebauung.“ So würden bei kleinen Zweizimmerwohnungen von etwa 50 Quadratmetern Größe in der Regel keine zwei Stellplätze benötigt. Für die drei Wohnungen dieser Größenordnung sollte daher laut Drucksache nur je ein Parkplatz vorgesehen werden.

Das Unternehmen argumentierte, dass durch den Wegfall insbesondere die Eckwohnungen mit Gartennutzung an Qualität gewinnen würden. Auch würde sich „die Qualität des Entrees“ in das Baugebiet verbessern, weil keine „Stellplatzbatterien bei der Einfahrt sichtbar wären“. Weitere Argumente waren die Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr sowie das Vorhandensein eines Nahversorgers in unmittelbarer Nähe.

Parkplatzkampf im Großstadtdschungel

Die Gemeindevertreter ließen sich jedoch nicht von diesen Aspekten überzeugen und lehnten das Ansinnen einstimmig ab. Es sei nicht gesichert, dass die Anzahl auf ein Fahrzeug je Wohneinheit beschränkt wird. Die satzungsgemäße Forderung basiere auf einem Durchschnittswert, der die weiteren acht Wohnungen in dem Haus abdecke.

Anders verhalte es sich hingegen beim Betreuten Wohnen der Caritas Offenbach in dem Neubaugebiet. Diese Wohnungen seien vertraglich auf eine bestimmte Bewohnergruppe abgestellt. Daher habe die Caritas mündlich um eine Reduzierung auf einen Stellplatz je altengerechter Wohnung gebeten. Ein formeller Antrag stehe aufgrund des Planungsstandes noch aus.

„Bei diesem Vorhaben ist die Nutzergruppe dauerhaft definiert und somit einzuschätzen“, meinte Ruth Disser. Da die Caritas gegenüber des Betreuten Wohnens in der Ahornstraße die doppelte Anzahl an Stellplätzen errichten wolle, werde dies aus Sicht der Verwaltung als ausreichend angesehen. Der Ansicht folgten die Gemeindevertreter einstimmig.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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