Helga Scaratti-Girolla war VIP-Betreuerin der Lufthansa in New York

Plausch mit Jagger und der Lollo

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Lebte ihren großen Traum: Helga Scaratti-Girolla, geborene Stegmann, mit Tochter Claudia. 

Sie führte ein Berufsleben, wie es sich viele junge Frauen erträumen: Helga Scaratti-Girolla, geborene Stegmann, war lange VIP-Betreuerin der Lufthansa am JFK-Flughafen in New York.

Mainhausen – In ziviler Kleidung empfing und betreute sie Prominente aller Couleur. Darunter Politiker wie Willy Brandt, Helmut Schmidt, Walter Wallmann oder Margret Thatcher. Oder Weltstars aus Musik, Show und Schauspiel wie Sonja Ziemann, René Kollo, Richard Gere, Brad Pitt, Mick Jagger, Udo Lindenberg oder Gina Lollobrigida (Lollo).

Bei manchem lernte sie ein bisschen den Menschen hinter der Fassade kennen, was ihr noch heute sehr viel bedeutet. Auch ihr privates Lebensumfeld fiel aus dem Rahmen: Wer hat schon Jahrzehnte lang in einem eigenen New Yorker Apartment im 26. Stock mit Panoramablick auf die Skyline von Manhattan gewohnt?

Helga Stegmann, Jahrgang 1936, entstammt einer Mainflinger Schifferfamilie. „Ich war das erste Mainflinger Mädchen, das die Seligenstädter Einhardschule als weiterführende Schule nutzen konnte“, schwelgt sie in Erinnerung an ihre Schulzeit. Nach ihrem Schulabschluss, Mittlere Reife, wechselte sie mit 18 Jahren, sprachbegabt und höchst interessiert, an die Frankfurter Berlitzschule, absolvierte anschließend ihr Dolmetscher-Examen.

„Ein Stewardessenjob sollte es schon sein“

Freunde luden sie schließlich zu einer Besichtigung des Frankfurter Flughafens und eines amerikanischen TWA-Flugzeugs ein. „Spätestens da reifte mein Traum vom Fliegen“, erinnert sie sich. „Ein Stewardessenjob sollte es schon sein. Beruflicher Büroalltag von 8 bis 17 Uhr entsprach so gar nicht meinen Vorstellungen.“

Ihre Mutter hatte eine Familienfreundschaft in die USA gepflegt. Ein zusätzlicher Stenografie-Kurs lieferte weiteres Rüstzeug für berufliche Aufgaben im Ausland. Mit 20 Jahren reiste sie mit dem Schiff „SS United States“ in die USA. Anfangs lebte sie bei Freunden in Brooklyn, fand bald eine Stelle als Rezeptionistin bei einer Rechtsanwaltsfirma in Washington.

Am 9. April 1957 sprach Helga Stegmann auf eigene Faust im Stadtbüro New York der Lufthansa vor, die dringend junge Mitarbeiterinnen für das Bodenpersonal im Ticketbüro suchte. Und irgendwann sollte es mit der internationalen Stewardessenausbildung bei der Lufthansa klappen. Über ihre italienische Kollegin Mimma lernte Helga ihren späteren Mann Nico kennen. Der in New York und Jerusalem tätige UN-Mitarbeiter und Helga Stegmann wurden bald ein Paar. Auf die Verlobung 1960 folgte 1962 die Heirat in Rom. 1965 kam Tochter Claudia zur Welt.

Ehemann Nico verließ schließlich die UNO und wechselte zur Fluggesellschaft Alitalia als Akquisiteur für Firmenkunden. Die Familiengründung hatte große Auswirkung auf Helgas Berufsleben; der große Traum vom ständigen weltweiten Reisen als Stewardess sollte eine andere Richtung bekommen. Bodenständiger im wahrsten Wortsinn wurde Helga, als sie das Angebot der Lufthansa annahm. In einem Team mit zwei Männern und einer weiteren Frau konnte sie dauerhaft als „First Class Receptionist“ und VIP-Betreuerin der Fluggäste am John-F.-Kennedy-Flughafen in New York arbeiten.

Betreuung der UNO-Vollversammlung 

Schriftliches Prominentenlob und Referenzen an ihre Vorgesetzten bewahrt Helga zusammen mit einigen Fotoalben aus ihrer aktiven Karriere bis heute als wichtige persönliche Dokumente auf, die sie nicht jedem zugänglich macht. Helga Stegmann, als die sie bis heute im Ostkreis gilt, ist 2001 in den Ruhestand gegangen, wurde danach aber teilweise noch kurzzeitig sporadisch eingesetzt. 2004 betreute Helga Scaratti-Girolla Gäste der UNO-Vollversammlung in New York bei einer Jubiläumsveranstaltung der Organisation. Es war ihre Erfahrung, auf die man immer wieder gern zurückgriff. Ihr Name und das Siegel Lufthansa bürgten für Qualität.

Ehemann Nico starb 2005 nach schwerer Krankheit. Die Familie war bis zuletzt für ihn da. Helga hatte für seine Pflege den geliebten Beruf am Ende ganz aufgegeben, war nur noch Familienmensch. Das Apartment in New York hatte sie mittlerweile ebenfalls aufgegeben. Enge Kontakte zu vielen ehemaligen Kolleginnen und Vorgesetzten pflegt sie heute noch gern, verbindet dies mit Kurztrips und vergisst auch nicht, ihre alte Liebe New York City regelmäßig aufzusuchen.

Ruhe und Ausgleich findet sie wieder im vergleichsweise beschaulichen Offenbacher Ostkreis rund um Mainflingen. Tochter Claudia lebt in Frankfurt, besucht ihre Mutter aber gern an Wochenenden im Elternhaus der Stegmanns an der Mainflinger Hauptstraße. 

tku

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