Interview mit FDP-Fraktionsvorsitzendem

Paul Schröder: Aufgeben war keine Option

Paul Schröder führt die kleinste Fraktion im Parlament. (c)Foto: p

Mainhausen -  Mit zwei Gemeindevertretern stellt die FDP die kleinste Fraktion im Mainhausener Parlament. Fraktionschef Paul Schröder spricht im Interview über Aufgabenteilung, neue Baugebiete und Gewerbeansiedlung. Die Fragen stellte Oliver Signus.

Zwischen 2011 und 2016 haben Sie als einziger Gemeindevertreter für die FDP im Parlament gesessen. Haben Sie sich manchmal überfordert gefühlt und den Wunsch verspürt, aufzugeben?

Aufgeben war nie eine Option. Natürlich habe ich in den ersten Jahren viel über politische Strategien gelernt und mich oft gewundert. Zusätzlich hatte ich den zeitlichen Aufwand sowie die Dokumentenflut stark unterschätzt. Innerhalb eines Jahres musste ich jedes Jahr mehrere Aktenordner Papier durcharbeiten sowie zusätzlich in den Ausschüssen und Kommissionen mitarbeiten. Aber wie gesagt, aufgeben war nie eine Option.

Nun haben Sie mit Felix Walter seit fast zwei Jahren einen jungen Mitstreiter. Dennoch sind zwei Gemeindevertreter mit Blick auf die vielen Aufgaben nicht viel. Wie teilen Sie die Aufgaben auf? Wo setzen Sie Schwerpunkte, und was müssen sie vernachlässigen?

Zu zweit ist die Arbeit natürlich viel einfacher geworden. Felix Walter und ich haben uns die Schwerpunkte sowie die Kommissionsarbeit hälftig geteilt. Dabei konzentrieren wir uns auf die Fragestellungen: Wie können wir Mainhausen attraktiver gestalten? Wie können wir die Gewerbeansiedlung steigern? Wie können wir die finanzielle Situation Mainhausens nachhaltig stabilisieren?

In Mainhausen ist zurzeit einiges in Bewegung. Große Neubaugebiete entstehen, schnelles Internet ist in Aussicht, mehr Platz für Gewerbe ist da, ein neues Rathaus soll gebaut werden. Wie viel Entwicklung kann Mainhausen Ihrer Ansicht nach noch vertragen? Übernimmt sich eine so kleine Gemeinde nicht?

Der Investitionsplan ist schon sehr anspruchsvoll. Mit den derzeitigen Vorhaben sind wir die nächsten vier bis fünf Jahre gut beschäftigt. Zusätzlich müssen wir dann noch Investitionen in die Kindergärten und Infrastruktur tätigen. Das Land Hessen und der Kreis lassen uns leider nur dünne Luft zum Überleben. Wir haben notwendige Investitionen lange aufgeschoben und werden nun von der Realität eingeholt. Das Neubaugebiet Zellhausen müssen wir mit privater Unterstützung kostenneutral halten. Eine eigene Planung und Erschließung kann sich Mainhausen nicht leisten. Dies ist eigentlich ein unerträglicher Zustand.

Eigentlich müssten die Aussichten auf Wachstum ja ganz im Sinne der FDP sein. Dennoch kritisieren Sie Bürgermeisterin Ruth Disser mitunter für ihre Politik. Was müsste Ihrer Ansicht nach anders laufen?

Mit der Erweiterung des Baugebietes Mainflingen hat Mainhausen 813.000 Quadratmeter Gewerbefläche verloren. In der Vergangenheit wurden einige Entscheidungen im stillen Kämmerlein getroffen und dann die Opposition ohne viele Worte überrollt. Dies war weder transparent noch kultiviert. Ich denke nur an den Wald- und Spielplatzverkauf. Natürlich haben dies auch die Bürger bemerkt.

Die Ansiedlung von Gewerbe ist für die FDP ein zentrales Thema. Im Kreis Offenbach gibt es ein großes Angebot für Firmen. Warum sollten sich Unternehmen ausgerechnet in Mainhausen niederlassen?

Mainhausen hat eine der besten Anbindungen an das Autobahnnetz. Auch der Gewerbesteuersatz ist noch in einem guten Bereich, obwohl unsere schwarz-grüne hessische Landesregierung uns in den letzten Jahren zu investitionsfeindlichen Erhöhungen gezwungen hat. Für eine erfolgreiche Gewerbeansiedlung braucht Mainhausen das Glasfaserkabel dringender denn je. Notfalls muss die Gemeinde Geld in die Hand nehmen, damit eine investitionsfreundliche Infrastruktur geschaffen wird.

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