Informationen über Historie und aktuelle Entwicklungen

40 Jahre Mainhausen: Wanderung entlang der ehemaligen Gemarkungsgrenze

40-jähriges Bestehen der Gemeinde Mainhausen: Infos über Historie und aktuelle Entwicklungen vermittelte eine Wanderung entlang der ehemaligen Gemarkungsgrenze.
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40-jähriges Bestehen der Gemeinde Mainhausen: Infos über Historie und aktuelle Entwicklungen vermittelte eine Wanderung entlang der ehemaligen Gemarkungsgrenze.

Mainhausen - Mainhausen entstand erst 1977 durch den Zusammenschluss der selbstständigen Dörfer Mainflingen und Zellhausen. Zum 40. Jahrestag hatten Gemeindevorstand sowie Geschichts- und Heimatverein zu einer Wanderung entlang der ehemaligen Gemarkungsgrenze eingeladen. Von Sabine Müller

Dabei erhielten die Teilnehmer viele Informationen über Historie und aktuelle Entwicklungen. Vier Kilometer bewältigen auch untrainierte Wanderer in einer Stunde. Allerdings benötigten die rund 70 Teilnehmer des Mainhausener Grenzgangs zwischen den beiden Ortsteilen jetzt doppelt so lange, was nicht etwa an Fußlahmen lag, sondern an markanten Punkten in der Landschaft. Der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, Dr. Ludwig Stenger, Gemeindeförster Hans-Albert Kaspar sowie die Verwaltungsmitarbeiter Jörg Nachtigall und Alexander Albrecht hatten Erzählstoff im Rucksack.

Am bemoosten Grenzstein, wo Mainflingen, Zellhausen und Stockstadt aufeinandertreffen, begrüßt Waldvorstand Peter Hell die Gäste im 950 Hektar großen, nachhaltig bewirtschafteten Hübnerwald Stockstadt, dessen durchschnittlicher Hiebsatz 5500 Festmeter pro Jahr beträgt. Er erzählt die Geschichte der Genossenschaft Stockstädter Bürger, die bereits 1387 in einer Chronik erwähnt wird. Ursprünglich gehörte der Oberhübnerwald zum Stiftsamt Aschaffenburg, der Unterhübnerwald unterstand lange als Abtswald dem Seligenstädter Kloster, nach dessen Säkularisation die Hübner alleinige Eigentümer wurden. Als Streit ausbrach, übernahm der Gemeinderat die Verwaltung der Wälder, seit 1959 sind beide Hübnerschaften wieder selbstbestimmend. Mit allen Rechten und Pflichten: „Ich kann nicht mitlaufen, ich hab noch Frondienst“, bedauert Hell.

Jörg Nachtigall (Umweltamt, r.) und Revierleiter Hans-Albert Kaspar erläutern die Versorgungsleitung im Erdreich

Die Grenzgänger – darunter auch Gesichter aus Seligenstadt, Babenhausen und Hainburg sowie als prominente Teilnehmer Landrat Oliver Quilling und seine Frau Andrea - schlagen einen Hohlweg ein. Es war eine Bahntrasse, berichtet Dr. Ludwig Stenger. Für die Messerschmitt Me 262, den ersten strahlgetriebenen Jäger, musste Anfang der 1940er Jahre die Landebahn des Zellhäuser Einsatzflughafens verlängert werden; mit der Lorenbahn sollte das Material dafür herangeschafft werden.

Wie friedlich wirkt dagegen am Samstagvormittag das frühlingsfrische Grün in der Sonne - da werden selbst Fremde miteinander warm. Doch allmählich übertönt das Rauschen der A 45 das Rauschen der Wälder. An der Autobahnbrücke ist die Tonhalle auf dem Gelände der Basalt AG zu sehen. Jörg Nachtigall vom Umweltamt informiert durch die „Flüstertüte“ über den Stand der bergrechtliche Verfahren zur Rekultivierung der Tongrube sowie des Geländes der angrenzenden ehemaligen Hessischen Industriemüll GmbH (HIM). Der jahrelange und schließlich erfolgreiche Kampf der Bürger gegen Sonderabfall in der Gemarkung „Speckwiese“ ist vielen noch in Erinnerung. „Er hat die Zellhäuser und die Mainflinger in den 80ern zusammengeschweißt“, meint ein Teilnehmer.

Gleich darauf gibt es an einer Wegkreuzung den nächsten Stopp: Hessen-Forst-Revierleiter Kaspar zeigt anhand einer Skizze, dass im Zellhäuser Wald eine Vielzahl von Versorgungsleitungen im Erdreich schlummern: zu AB-Notrufsäulen und WC-Anlagen, in Richtung Nato-Tanklager, zur Waldrandsiedlung „Schwalbennest“, zum Frankfurter Flughafen.

Auf befestigtem Forstweg erreicht die Gruppe offenes Grasgelände, das für die Erweiterung des Gewerbegebietes Ostring vorbereitet wird. Für den Bebauungsplan müssen jetzt Bodenproben entnommen und wasserrechtliche Gutachten erstellt werden, sagt Alexander Albrecht vom Bauamt. Am Waldrand wachsen statt Pilzen Betonfundamente aus dem braunen Blätterboden: die Reste einer Flakstellung zum Schutz des alten Militärflughafens. Die Flaktürme waren laut Ludwig Stenger mit 3,7-Zentimenter-Geschossen ausgerüstet, flogen 6,5 Kilometer weit und 4,8 Kilometer hoch.

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In der Sudetensiedlung steht noch die alte Kommandantur. „Als 1936 der Flughafenbau begann und für das Rollfeld 140 Hektar alter Kiefernbestand gerodet wurden, wusste der Bürgermeister von nix“, berichtet Vereinsvorsitzender Stenger. „Die Gemeinde musste den Erlös zwangsanlegen, nach der Währungsreform waren 550.000 Reichsmark futsch.“ Der Flugplatz lief unter dem Decknamen „Schafsweide“, heute gibt dort die Sendefunkstelle Mainflingen den Impuls für den Weckruf der Welt. An ihrer südwestlichen Ecke haben die Wanderer den physikalischen Mittelpunkt Mainhausens erreicht. Der Beweis sorgt für Erheiterung: An dieser Stelle hält die Karte der Gemarkungsfläche auf der Fingerspitze die Balance.

Letzter Halt des Grenzgangs ist der „Dreimärker“ direkt neben dem Fußballfeld des SV Zellhausen. Wo Zellhausen, Mainflingen und Klein-Welzheim zusammenstoßen, wurde der Wald einst gemeinsam als Geldquelle genutzt, was durch die zunehmende Bevölkerung zum Problem wurde. „Im Jahr 1784 beschlossen die Märker: Wir trennen uns“, weiß Ortshistoriker Stenger.

Mit „feierlichem Grenzumgang“ und 80 Maß Wein wurde das Gebiet nach Einwohnerzahl verteilt; böse Zungen kolportieren, die Mainflinger hätten auch ihre Toten mitgezählt. Zur erneuten Vereinigung von Zellhausen und Mainflingen hat Bürgermeisterin Ruth Disser zwar keine Weinfässer geordert, doch Erfrischungsgetränke, Würste und Wecken sind im Vereinsheim eine willkommene Alternative.

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