Mainhausen

Wegen Krankheit: Bürgermeisterin Disser (SPD) kehrt nicht ins Amt zurück

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So kennen die Mainhäuser ihre Bürgermeisterin Ruth Disser. Eine Depressionserkrankung zwingt die SPD-Politikerin nun zum Ausstieg aus dem Berufsleben.

Der Gemeindevorstand Mainhausen versetzt die SPD-Bürgermeisterin Ruth Disser in Ruhestand. Grund dafür ist eine schwere Erkrankung.

Mainhausen – Viele Mainhäuser Bürger haben das über Parteigrenzen hinweg längst befürchtet. Nun ist es Gewissheit und dennoch ein Schock für die kleinste Gemeinde im Kreis Offenbach: Nach einer schweren, fast ein Jahr andauernden Erkrankung kehrt Ruth Disser (55) nicht ins Bürgermeisterbüro zurück. Eine Überlastungsdepression, anfangs wohl als Burnout betrachtet, entfaltete ihre tückische, abgründige Wirkung, setzte der agilen, stets gut gelaunten SPD-Vorzeigefrau nie gekannte Grenzen: „Nach nunmehr elf Monaten im Krankenstand, regelmäßigen Arztbesuchen und mehreren Gutachten ist klar, dass sich mein Wunsch auf Rückkehr ins Amt der Bürgermeisterin nicht erfüllen wird“, schreibt Ruth Disser in einem phasenweise sehr emotionalen Brief an Bürger, Freunde und Mitarbeiter.

Der Gemeindevorstand, so Disser weiter, habe daher ihre Versetzung in den Ruhestand aufgrund von Dienstunfähigkeit beschlossen. „Ein Schritt, der notwendig ist, denn Mainhausen braucht eine Verwaltungsspitze, die für die Gemeinde da sein kann. Meine Amtszeit endet somit am 31. Juli nach etwas mehr als 16 Jahren.“

In diesen Jahren habe sich Mainhausen bewegt und sei für die Zukunft gut aufgestellt. „Für mich war die Zeit als Bürgermeisterin mehr als eine Berufung. Von den vielen tollen Begegnungen, Freundschaften und Erlebnissen kann ich sicher noch lange zehren.“ Sie habe viel gelernt und viel erreicht. Das ging aber „nur mit den Menschen in Mainhausen, die unserer Gemeinde ebenfalls sehr verbunden sind“. Dissers Dank gilt an erster Stelle dem Beigeordneten Torsten Reuter, der seit ihrer Erkrankung die Gemeinde souverän und unaufgeregt geführt habe. „Ich bedaure sehr, dass alles so schnell ging und ich ihm die ganze Last übergeben musste.“ Gemeindevorstand und politische Gremien lobt sie für konstruktive Zusammenarbeit. Die letzten Sätze des Briefs gelten ihren Mitarbeitern bei Bauhof, Eigenbetrieb, Feuerwehren, Kitas und Verwaltung. „Die Gemeinde kann sich glücklich schätzen, solch engagierte Beschäftigte zu haben.“

Anfang 2019 blickte Disser auf zwei Amtsperioden zurück (2004 bis 2010, 2010 bis 2016), die Aufschluss über engagiertes, zielgerichtetes Arbeiten geben. Auf ihrer Internetseite nennt sie im ersten Abschnitt ihrer Bilanz die Fertigstellung des Seniorenheims, die Ansiedlung von Einkaufsmärkten in Mainflingen, den Ausbau der Kinderbetreuung, den Schulneubau in Zellhausen, den Baubeginn des Zellhäuser Feuerwehrhauses oder die Gründung des Eigentriebs Badeseen und Campingplatz. Im zweiten Abschnitt finden sich Schuldenabbau, energetische Sanierung des Bürgerhauses Manflingen, Mehrgenerationenhaus, Einführung von gesplitteten Abwassergebühren und Biotonne, Sanierung von Kanal- und Wasserleitungen sowie Straßen und Strukturmaßnahmen auf dem Waldfriedhof (anonyme Grabstätten eingerichtet, Kindergrabfeld gestaltet).

Am 1. Februar 2016 begann Dissers dritte Amtszeit. Sie stellte der weiteren Zusammenarbeit mit ihrer SPD – typisch unkonventionell – ein Zitat Angela Merkels voran: „Politik heißt nicht, ständig nach dem Wetterhahn auf dem Dach zu schauen, sondern seine Überzeugungen umzusetzen.“ Dies, so Disser, machten die Handlungen der SPD deutlich: „Wir haben gehandelt, nicht ständig gejammert und geschimpft. So soll es bleiben.“

Ruth Disser, Jahrgang 1965, ist seit Februar 2004 Mainhausens Bürgermeisterin. Zuvor war sie Rechtsanwaltsgehilfin/Sachbearbeiterin in der Rechtsabteilung (1999 bis 2002), Sachbearbeiterin der SPD im Kreis Offenbach (1999 bis 2002) sowie Geschäftsführerin der SPD im Kreis Offenbach (2002 bis 2004). 1991 trat Disser in die SPD ein, war ab 1993 Gemeindevertreterin, ab 1995 Vorsitzende des Ortsvereins sowie in der Folgezeit Kreistagsabgeordnete, stellvertretende Vorsitzende der Kreis-SPD und stellvertretende Vorsitzende der Kreistagsfraktion. (Von Michael Hofmann)

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