AG Fledermaus- und Amphibienschutz kontrolliert

Mainhausen: Krötenzaun am Königsee steht

Arbeitseinsatz auf der L 3065: Bis gegen Ende April kontrollieren Helfer den Krötenzaun am Königssee zweimal täglich.
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Arbeitseinsatz auf der L 3065: Bis gegen Ende April kontrollieren Helfer den Krötenzaun am Königssee zweimal täglich.

Im Ortsteil Zellhausen wollte die Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen (AgFA) einen Krötenzaun aufstellen. Stattdessen mussten die mehr als 30 Helfer am Königsee aber erstmal Müll sammeln.

Auf der etwa 1000 Meter langen Strecke wurden mehrere Abfallsäcke gefüllt, die die Gemeinde Mainhausen nun abfährt. In etwa drei Stunden hatten die Helfer der Arbeitsgemeinschaft den Krötenzaun auf beiden Seiten der Straße gestellt. „Rechtzeitig hat die Straßenmeisterei die Beschilderung der erwarteten Krötenwanderung angepasst“, sagt Hartmut Müller von der AgFA. Die Geschwindigkeit im Abschnitt zwischen Umgehungsstraße Seligenstadt und der Käthe-Paulus-Schule ist nun auf 50 km/h beschränkt. Jeweils morgens und am späten Abend wird der Zaun kontrolliert, der voraussichtlich bis Ende April stehen bleibt. Autofahrer werden gebeten, Rücksicht auf die Helfer zu nehmen.

Im vergangenen Jahr begann die Krötenwanderung in der letzten Januarwoche. Steigen in feuchten Frühjahresnächten die Nachttemperaturen über 5 Grad, fällt der Startschuss für eine der beeindruckendsten Massenwanderungen unserer Amphibien. Zur gleichen Zeit tauchen sie aus dem Nichts auf, der Boden im Wald scheint zu leben. Einzeln oder im Huckepack streben sie dem Königsee entgegen. Im Gewässer hatten sie selbst das Licht der Welt erblickten. Alle scheinen sich zur gleichen Zeit am Laichgewässer einzufinden. Bereits im Herbst hatten sie sich auf den Weg gemacht. Aus teilweise mehr als drei Kilometern im Umkreis zogen sie sich rund um das Laichgewässer zusammen. Den Härten des Winters trotzten sie unterirdisch in Mauselöchern, unter Steinen und Totholz. Bei günstiger Witterung können in den ersten beiden Wandernächten bis zu 90 Prozent der Kröten das Laichgewässer erreichen.

„Ihre fünf Meter langen Laichschnüre mit 2 000 bis 6 000 Eiern verankern sie an Pflanzen, toten Ästen und anderen Strukturen am Gewässerboden. Nach der Eiablage, meist Anfang April, beginnt die Rückwanderung in die Sommerlebensräume. Abhängig von der Wassertemperatur schlüpfen die Kaulquappen nach zwei bis vier Wochen“, erläutert Müller. Im Juni/Juli, nach der Metamorphose, verlassen die jungen Kröten das Gewässer. Oft als „Froschregen“ wahrgenommen, machen sich abertausende von Kröten auf dem Weg in ihre neuen Lebensräume.

Erdkröten ernähren sich von Schnecken, Raupen, Regenwürmern, Tausendfüßern, Laufkäfern, Spinnen und nachtaktiven Insekten. Sie sind deshalb in Gärten gern gesehene Gäste. Erdkröten sind nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung „besonders geschützt“. Sie dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden.

Auf der Wanderung stellen Straßen oft ein kaum überwindbares Hindernis dar. Die wechselwarmen Tiere sind bei den niedrigen Temperaturen nicht in der Lage, diese Hindernisse zügig zu überqueren. Bereits bei einem Verkehrsaufkommen von neun Autos pro Stunde werden mehr als 80 Prozent der Tiere überfahren. Die Männchen werden nach drei Jahren geschlechtsreif, Weibchen ein bis zwei Jahre später. Trotz einer maximalen Lebenserwartung von zehn bis elf Jahren, laicht statistisch jedes Erdkrötenweibchen nur einmal ab.

Die erste Massenwanderung der Erdkröte an der Babenhäuser Straße (Landesstraße L 3065) wurde im Jahr 2010 registriert. Seitdem kümmern sich die Gemeindeverwaltung Mainhausen und die Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen alljährlich um den Aufbau und die Betreuung des Krötenschutzzaunes. Für dieses Projekt werden immer wieder Helfer gesucht. „Wir freuen sich über jede helfende Hand“, sagt Hartmut Müller.  

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