„Hoffe, sie reißen sich am Riemen“

Mainhausen: Wegstein legt Fraktionsvorsitz nieder, tritt aus der CDU aus

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Johannes Wegstein ist nach seinem Parteiaustritt nicht mehr Fraktionschef. 

„Die CDU ist eine Katastrophe, sie wird nur noch von der SPD übertroffen. “ Kurz und knapp begründet Johannes Wegstein, warum er nach Jahrzehnten als Mitglied der Christdemokraten nun aus der Partei ausgetreten ist.

Mainhausen – Für die Fraktion in der Mainhausener Gemeindevertretung hat das ebenfalls tiefgreifende Konsequenzen, denn weil er nach seinem Austritt nun nicht mehr „die Fahne hochhalten kann“, ist der 61-Jährige auch als Fraktionsvorsitzender zurückgetreten. Sein Mandat als - nun parteiloser Gemeindevertreter - will er aber bis zum Ende der Legislaturperiode erfüllen und nahm daher in der Sitzung des Gremiums am Montagabend im Zellhausener Bürgerhaus hinter der FDP-Fraktion Platz.

Zufrieden sei er weder mit der Arbeit der Bundes-CDU in der Großen Koalition noch mit dem Zustand der Mainhausener Union. Über den Austritt habe er seit Monaten nachgedacht. Statt Politik für die Menschen gehe es in Berlin nur noch um Postengeschacher. Er sei zwar überzeugt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel gute Arbeit geleistet habe, doch seit sie den Parteivorsitz an Annegret Kramp-Karrrenbauer abgegeben hat, sei sie kaum mehr präsent. Auch kritisierte er, dass keine konkreten Entscheidungen getroffen würden. Dies sei aber unabdingbar, auch wenn man am Ende mal daneben liege: „Lieber eine falsche Entscheidung, als keine“, nannte er sein Credo.

Ihm sei der Entschluss, seinen Vorsitz in der Fraktion niederzulegen schwerer gefallen, als der Entschluss zum Austritt. In Mainhausen habe er nach seiner kurzen politischen Auszeit - Wegstein ist seit 1985 Mitglied der Gemeindevertretung - viel Zeit und Arbeit verwendet, um „Ruhe in die Fraktion zu bringen“. Das sei ihm auch gelungen, er habe zu beiden Seiten der untereinander zerstrittenen Lager ein „gutes Verhältnis“. Insgesamt habe sich die Stimmung innerhalb der Fraktion auch verbessert. Schwieriger sei es nur wieder geworden, wenn er nicht da gewesen sei. Nun ist er kein Fraktionschef mehr und damit nicht mehr präsent für seine Parteikollegen. „Ich hoffe, sie reißen sich am Riemen.“

Die politische Arbeit in der CDU sei ebenfalls nicht zufriedenstellend gewesen. Die qualitative Verbesserung wäre nun eigentlich eine der nächsten Aufgaben gewesen. Die sollte nun seinem Nachfolger zufallen, doch wer das werden könnte, weiß Wegstein nicht: „Ich habe keine Ahnung, wie es weitergeht“, sagt er. Sein Mandat als Gemeindevertreter werde er jedenfalls erfüllen. „Mich haben vor der letzten Kommunalwahl viele Bürger bestärkt, mich politisch zu engagieren. Deren Interessen möchte ich auch weiter vertreten.“ Ansonsten wäre es an der Zeit, Jüngere ans Ruder zu lassen. Doch gibt es da Aspiranten? Mit Pascal Wunderlich ist derzeit ein junger Kommunalpolitiker Mitglied der Fraktion. Bei den Wahlen, so Wegstein, standen mit Sebastian Wurzel und Rüdiger Birk ebenfalls frische Gesichter weit oben auf der Liste. Doch seien sie durch den Wahlmodus (Kumulieren und Panaschieren) zu Gunsten bekannterer Kandidaten nach hinten gerutscht.

VON OLIVER SIGNUS

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