„Kein Druck auf Kunden“

Telekom begründet Kündigungen mit technischen Umstellungen

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Symbolbild

Mainhausen - Setzt die Telekom Kunden mit vorzeitigen Kündigungen unter Druck? Warum hat das Unternehmen möglicherweise das Rennen um die Ausstattung mit schnellerem Internet an die Deutsche Glasfaser verloren? Ein Gespräch mit Unternehmenssprecher George-Stephen McKinney beantwortet die Fragen. Von Oliver Signus

Anna I. (Name der Redaktion bekannt) ist sauer auf die Telekom. Das Unternehmen hatte ihr kürzlich eine Kündigung des noch bis Ende Juli gültigen Vertrages geschickt und ihr gleichzeitig einen neuen Kontrakt (ab 1. August) für zwei Jahre angeboten. Die Mainhausenerin fühlt sich unter Druck gesetzt und vermutet einen Zusammenhang mit dem Engagement der Deutschen Glasfaser, die derzeit in der Kommune um Kunden wirbt, um im Sommer mit dem Bau des Glasfasernetzes zu beginnen.

Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney weist diese Vorwürfe zurück. Das Vorgehen habe einzig etwas mit der Umstellung auf IP-Technik zu tun, erläutert er. „Seit eineinhalb Jahren sind wir dabei, stellen pro Woche etwa 75.000 Anschlüsse um.“ Kündigungen würden nur die Kunden bekommen, bei denen die Verträge in den kommenden Monaten auslaufen - so wie bei Anna I. Das, so McKinney, habe rechtliche Gründe. Der bestehende Vertrag sei nicht mehr gültig, weil er für eine andere Technik geschlossen sei, daher müsse er erneuert werden. „Das ist seit Jahren so abgestimmt“, betont er. Auch habe die Telekom ausführlich über ihr Vorgehen informiert, reagiert der Sprecher mit einem gewissen Unverständnis auf den Vorwurf, das Unternehmen setze seine Kunden nun unter Druck.

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Daher stehe dies auch nicht in Zusammenhang mit den Aktivitäten der Deutschen Glasfaser. „Das sind zwei paar verschiedene Schuhe“, sagt McKinney. Die Telekom könne derzeit in Mainhausen nicht aktiv werden, weil die Gemeinde vertraglich an den Konkurrenten OR Network gebunden sei. Erst wenn der Kontrakt beendet sei, könne die Telekom einen Antrag bei der Bundesnetzagentur stellen, um in Mainhausen auszubauen. Die Deutsche Glasfaser habe es da einfacher. Das Borkener Unternehmen errichtet eine komplett neue Infrastruktur, die parallel zu der bestehenden von OR Network läuft.

Im Übrigen wies McKinney auch die Behauptung von Bürgermeisterin Ruth Disser zurück, die Telekom habe seit Monaten keinen Kontakt mehr mit der Gemeinde. Dieser sei regelmäßig gewesen, letztmals habe es Ende Februar einen Austausch gegeben.

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