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Mainhausen: Uralter Bebauungsplan ermöglicht Sehring-Betonmischwerk in Nähe des Königsees

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Von: Michael Hofmann

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Vier Zementsilos ragen in den Zellhäuser Himmel: Die Firma Sehring investiert in der Nähe des Königsees zwei Millionen in ein mobiles Betonmischwerk.
Vier Zementsilos ragen in den Zellhäuser Himmel: Die Firma Sehring investiert in der Nähe des Königsees zwei Millionen in ein mobiles Betonmischwerk. © Wronski

Der Bau eines Betonmischwerks parallel zur Landesstraße L 3065 in der Nähe des Zellhausener Königsees wirft zahlreiche Fragen in der Bevölkerung auf. Die Gerüchteküche in den sozialen Netzwerken brodelt.

Mainhausen – Vier Zementsilos mit Emblem und dem Namenszug „Sehring“ ragen nicht weit vom Königsee wie Ausrufezeichen in den Zellhäuser Himmel - viele Bürger sind überrascht, fühlen sich überrumpelt, sind schockiert. Ohne eingreifen zu können blieb Mainhausens Bürgermeister Frank Simon (SPD) lediglich die Beobachterposition, nicht einmal zu Wort melden konnte er sich bislang.

Nachdem der Kreis Offenbach die Baugenehmigung erteilt hatte und nun auch formale Kriterien erfüllt sind, bemüht sich Simon in einer Stellungnahme der Gemeinde um Transparenz. Demnach handelt es sich beim Bau der mobilen Betonmischanlage der Firma Sehring (Langen) um ein privates Bauprojekt. Das im Bau befindliche Werk entsteht auf einem Privatgelände der Seligenstädter Firma HZ-Bau, das seit dem Jahr 1965 im Bebauungsplan als Gewerbegebiet ausgewiesen ist.

Der entsprechende Bebauungsplan aus der gleichen Zeit lässt eine Nutzung/Bebauung mit Gewerbe und Hotelbetrieben zu. HZ-Bau hat das Areal zum Teil an die Firma Sehring verpachtet, die wiederum einen Bauantrag zur Aufstellung eines mobilen Betonmischwerks eingereicht hatte.

„Sowohl die politischen Gremien der Gemeinde Mainhausen als auch ich als Bürgermeister sehen dieses Projekt sehr kritisch“, sagt Simon. Dies vor allem in Bezug auf die Verkehrssituation, den Naturschutz sowie „den Blick aus Richtung des Badestrandes“. Einen Handlungsspielraum für die Gemeinde gibt es nach Angaben des Bürgermeisters allerdings nicht.

Die Öffentlichkeit, so argumentiert der Rathauschef weiter, könne bei einem Bauantragsverfahren „immer erst informiert werden, wenn der offizielle Baustart erfolgt und ein entsprechendes Bauschild öffentlich ausgehängt wird. Davor sind Bauantragsverfahren nichtöffentlich. Dies gilt sowohl bei Privat- als auch bei Gewerbebauten.“ Kreisbauaufsicht und alle Behörden, die während des Verfahrens angehört werden, seien gesetzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet. „Lediglich bei der Erstellung von Bebauungsplänen wird die Öffentlichkeit gehört, und jeder kann seine Bedenken äußern. In diesem Fall also bereits im Jahr 1965.“

Nach Angaben von Diplom-Ingenieur Andreas Arbeiter, Geschäftsführer der Sehring Beton GmbH & Co. KG, hat sich das Unternehmen für Mainhausen entschieden, weil Gemeinde und der dortige Umkreis „eine hohe Bautätigkeit und entsprechenden Materialbedarf erleben, der durch den Standort am Königsee logistisch und gleichermaßen hierdurch auch nachhaltig optimal mit Transportbeton beliefert werden kann.“ Sein Unternehmen investiere am Standort Mainhausen zwei Millionen Euro. „Das Transportbetonwerk entspricht neuester Bauweise und effizientester Anlagentechnik, um auch anspruchsvolle Bauwerke mit entsprechenden qualitativ hochwertigen Betonsorten und Mengen versorgen zu können.“ Sowohl private als auch gewerbliche Kunden seien willkommen, so Andreas Arbeiter.

Die am meisten gestellten Bürgerfragen beantwortet Bürgermeister Simon so: Nein, die Gemeinde oder die Bevölkerung können eine solche Bebauung nicht stoppen. Ein Eingriff in den See werde nicht erfolgen, auch werde dort kein Kies abgebaut und kein Wasser entnommen, denn die Bebauung sei nur auf einer im Plan markierten Fläche zulässig. Eine Verbindung zum See bestehe nicht und sei rechtlich auch nicht möglich. Müssen die Bürger für den Straßenbau aufkommen oder für beschädigte Straßen durch den Lkw-Verkehr zahlen? Nein, bei den Zufahrtsstraßen und überörtlichen Straßen handele es sich ausschließlich um Kreis- und Landesstraßen, für die das Land und der Kreis zuständig seien. (Von Michael Hofmann)

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