18-Jähriger in Pizzeria „Italia“ erschossen

Mord an Fedele M.: Polizei ermittelt in 22 Jahre altem Fall

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Eine kleinkalibrige Kugel hat beim Eindringen in den Körper den Kratzer unter dem Auge verursacht und im Gehirn Verletzungen verursacht, an denen der Italiener Fedele M. drei Tage später verstirbt.

Mainflingen - Vor gut 22 Jahren wird der 18-jährige Fedele M. in einer Pizzeria erschossen. Die Ermittlungen der Polizei führen ins Leere. Nun liegt der mysteriöse Mordfall erneut auf dem Tisch der Beamten.

Ermittlungen laufen ins Leere, alte Fälle werden zu den Akten gelegt - kein unüblicher Vorgang bei der Polizei. Dies heißt aber nicht, dass die Ermittler die Akten Jahre später nicht noch einmal hervorholen können. Ein solcher sogenannter „Cold Case“ ist der bis heute nicht aufgeklärte Mordfall an dem damals gerade erst 18-jährigen Koch Fedele M.. Der junge Mann kam vor gut 22 Jahren in Mainflingen ums Leben kam. Nun liegt die Akte wieder auf dem Tisch der Kripo.

Rückblick: Es war am 8. November 1992 schon kurz vor Mitternacht, als der Wirt, der am Ende der Hauptstraße gelegenen Pizzeria „Italia“, in der Küche seinen Angestellten Fedele M. bewusstlos auf dem Boden liegend vorfand. Der junge Mann hatte an einem Auge eine kleine Schramme - sonst wies nichts darauf hin, warum der 18-Jährige zusammengebrochen war. Erst im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass der Eingelieferte offenbar angeschossen wurde.

Die kleinkalibrige Kugel hatte beim Eindringen in den Körper den Kratzer unter dem Auge verursacht und danach im Gehirn Verletzungen herbeigeführt, an denen der Italiener drei Tage später verstarb. Die sofort aufgenommenen Ermittlungen der Kripo führten zu keiner konkreten Spur. Zunächst nahmen die Ermittler an, dass der Schuss von außerhalb durch das offene Küchenfenster abgegeben wurde. Zum Tatzeitpunkt war es draußen stockdunkel, der junge Mann stand jedoch im hellen Licht und war somit als Ziel gut erkennbar.

Bald gab es an dieser Theorie erste Zweifel: Den Beamten stellte sich die Frage, ob der Getötete das eigentliche Ziel des Mordanschlags war oder ob er nur Opfer einer Verwechslung wurde. Vor allem wegen eines mögliches Motives standen die Ermittler vor einem Rätsel. Zwar hatten in der Bevölkerung schnell Gerüchte über Schutzgelderpressung die Runde gemacht, ein solcher Hintergrund wurde aber von Seiten der Polizei ausgeschlossen.

Die irrsten wahren Geschichten der Welt

Hintergrund des Opfers: Der junge Mann, den der Wirt seinerzeit direkt aus Italien mitgebracht hatte, wohnte und arbeitete als Koch in der Pizzeria. Ansonsten hatte Fedele M. offenbar kaum soziale Kontakte, so dass sich keine Ansatzpunkte für einen möglichen Täter ergaben. Auch der Wirt der Pizzeria, der damals in Hanau wohnte, konnte nicht weiterhelfen. Gleiches gilt für Ermittlungen in Italien, von denen sich die Kripo brauchbare Ansätze versprach. Nachdem die spärlich eingegangenen Hinweise zu keinem Ergebnis führten, legten die Beamten den Fall erst einmal zu den Akten.

In diesen Tagen haben die Kripobeamten die alten Akten wieder herausgekramt: Dabei stießen sie auf verschiedene Umstände, die nun die Frage aufwerfen, ob damals der tödliche Schuss von außen durch das Fenster oder von einer anderen Stelle abgegeben wurde.

Da über den mysteriösen Mordfall auch einige Jahre nach der Tat in der Bevölkerung noch gesprochen wurde, hält es die Polizei für wahrscheinlich, dass es Mitbürger gibt, die etwas zu dem Opfer oder der Tat sagen können. Möglicherweise haben Zeugen zumindest in den Gesprächen etwas gehört, was in den wiederaufgenommenen Ermittlungen weiterhelfen könnte - dies gilt auch für Kleinigkeiten, die bislang als unwichtig angesehen wurden. Die Kripo bittet diese Augen- oder Ohrenzeugen sich entweder unter 069/8098-1234 in Offenbach oder unter 06181/100-123 in Hanau zu melden.

(dani)

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