Prozess abgebrochen

„Ich bring’ Deine Familie um“: 23-jähriger Mainhausener verprügelt zwei Frauen

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Wegen Anwendung körperlicher Gewalt muss sich ein 23-jähriger Mainhäuser vor dem Gericht in Offenbach verantworten.

Eine Frau hat das Handy ihres damaligen Freundes kontrolliert und Beweise gefunden, dass er sie betrügt. Er ist daraufhin völlig ausgerastet. Jetzt steht er vor Gericht.

Offenbach/Mainhausen – Sämtliche Prozessbeteiligen erschienen vor dem Schöffengericht in Offenbach, auch alle Zeugen und der Angeklagte. Ihm warf die Staatsanwältin vor, in Mainhausen zwei ihm vertraute Frauen körperlich attackiert und verletzt zu haben. Nach einer Stunde muss Richter Manfred Beck den Prozess jedoch abbrechen, weil einer schwangeren Schöffin übel geworden war.

Laut Staatsanwältin soll der Mainhausener am 22. Juli 2018 in seiner Wohnung erst seine damalige Freundin derart heftig geschlagen haben, dass sie mehrere Hämatome, Prellungen und anhaltende Schmerzen am Halswirbel davon trug, dann soll er eine weitere Frau im Treppenhaus ähnlich malträtiert haben, ihr unter anderem ins Gesicht getreten und versucht haben, sie die Treppe runter zu werfen. Rechtsanwalt Ahmed Arriouach erklärt, sein Mandant wolle erst mal schweigen, sich eventuell nach der Beweiserhebung zu den Vorwürfen äußern.

Ex-Freundin kontrolliert Handy von Angeklagtem – daraufhin rastet er aus

Die frühere Freundin des 23-Jährigen lässt sich in der Nebenklage von Rechtsanwalt Reiner Thiele vertreten. Die 27-jährige erzählt, in der Beziehung habe es nach drei Jahren erheblich gekriselt. Eigentlich habe sie ihn an dem Tag besucht, um sich auszusprechen. Abends sei man ausgegangen. Gegen drei Uhr soll der Angeklagte zu Hause eingeschlafen sein. Das nutzte die Freundin, um sich zu informieren. Schon geraume Zeit habe sie etwas geahnt. Deshalb habe sie die Einträge im Handy ihres Freundes kontrolliert, „vielleicht ist das moralisch verwerflich“. Sie sei auf etliche Kontakte gestoßen, von denen sie nichts wusste. Übel aufgestoßen seien ihr vor allem die Profile von Prostituierten, die „sexuelle Dienstleistungen mit Fetischcharakter“ anbieten. Länger habe sie jedoch mit einer Frau außerhalb des Gewerbes telefoniert, mit der ihr Freund offensichtlich eine Affäre pflegte. Was dann folgte, erinnert an eine Liedzeile von Wolf Biermann, „aus Liebe kommt, ach das tut weh, aus Liebe kommt so prompt das blinde Hassen“.

Affäre des Angeklagten kommt vorbei und will Ex-Freundin helfen – auch sie wird verprügelt

Sie habe ihren Freund geweckt. Die Gesprächspartnerin vom Telefon sei derweil am Apparat geblieben. Mit ihrem Erkenntnisstand konfrontiert, habe der Freund sie erst aufs Bett geworfen und gewürgt, dann an den Haaren vom Bett gezerrt und auf den Hinterkopf geschlagen. Büschelweise habe sie Haare verloren. Wissend, dass übers Telefon jemand zuhört, habe sie „Ruf die Polizei“ geschrien. Die Bekannte ihres Freundes sei stattdessen vorbei gekommen, „die wohnt ums Eck“. Der Angeklagte habe vor der Wohnung dann auch diese geschlagen. Sie selbst habe die Unbekannte durch einen Griff ans Textil schützen wollen, als ihr Freund die Frau die Treppe runter schubsen wollte. Sie habe sich derweil am Geländer festgehalten, so die Nebenklägerin, „er boxte mir dann auf den Oberarm“.

Die andere Frau habe entkommen können. Sie selbst habe der Angeklagte zurück in die Wohnung gezerrt und weiter geschlagen und bedroht: „Ich bring deine Familie um“. Schließlich sei auch ihr durch einen Kopfstoß auf dessen Nase die Flucht gelungen. Mittlerweile war auch die Polizei alarmiert.

Verteidiger legt Gericht Chatprotokoll vor – Prozess muss abgebrochen werden 

Verteidiger Arriouach zielt darauf, dass laut Polizeiprotokoll sein Mandant selbst schon vorher dort angerufen hatte und erklärt haben soll, seine Freundin halte sich gegen seinen Willen in seiner Wohnung auf. Die Polizei habe die Nebenklägerin am Telefon aufgeklärt, sie sei an der Adresse nicht gemeldet und habe die Wohnung zu verlassen.

Die Nebenklägerin kann sich an den Inhalt erinnern, terminiert das Telefonat jedoch auf den Tag zuvor. Arriouach fragt weiter, ob sie nach dem Vorfall noch Kontakt zum Angeklagten hatte. Die Nebenklägerin verneint, worauf der Verteidiger dem Gericht ein Chatprotokoll von 41 großgeschriebenen Seiten vorlegt, die das Gegenteil belegen sollen. Zur Verlesung kam es jedoch aus eingangs genanntem Grund nicht mehr. 

Von Stefan Mangold

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