Individuelle Kunst mit Pinstriping

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Pinstriper Neil Ammersbach bei derArbeit. Mit dem sogenannten „Schwertschlepper“ zeichnet er freihändig die grafischen Muster auf die glatte Oberfläche. Diese ursprünglich in Europa entwickelte grafische Technik setzte sich im Amerika der 50er und 60er Jahre durch. Zumeist zieren Autos und Motorräder diese Motive.

Mainhausen (th) - „Ich mache Pinstriping und Lettering“, sagt der 43-Jährige Mainflinger Neil Ammersbach. Aha. Und was bitte sind Pinstriping und Lettering? Eigentlich ganz einfach und doch wieder kompliziert:

Eine Kunstform der Malerei, die in den 50er und 60er Jahren in Amerika etabliert wurde, ihren Ursprung aber vor vielen hundert Jahren in Europa hatte. Beim Pinstriping werden mit einem feinen Pinsel Linien oder Buchstaben auf eine glatte Oberfläche gezogen, ergeben zusammen dann ein individuelles Muster, eine gestaltete Grafik. So schmückten schon die Römer ihre Streitwagen mit Linien und Formen. Zumeist sind Zeichnungen dieser Art heutzutage auf Motorrädern und Autos zu finden. „Aber es eignet sich jede Art von glatter Oberfläche für Pinstriping“, sagt Ammersbach, der auch schon Fässer, Helme, Bierflaschen oder aber eine Säge mit seiner Art der Malerei verziert hat. Oder Messergriffe und Gartenzwerge.

Neil Ammersbach ist in Aschaffenburg im Umfeld amerikanischer Soldaten großgeworden. Daher rührt auch seine große Affinität zu amerikanischer Lebensweise und zu amerikanischer Kunst. Schon früh entdeckte er seine persönliche künstlerische Ader. Er entdeckte Ausdrucksformen wie Airbrush und Graffiti für sich. Entschied sich aber für das Pinstriping. Dabei fasziniert ihn insbesondere das handwerkliche Geschick, die spezielle Technik – und natürlich der individuelle Ausdruck, allein durch Farbe und Linien dargestellt. Gearbeitet wird dabei mit einem sogenannten „Schwertschlepper“. Dieser kurze Pinsel aus Eichhörnchenhaar ermöglicht die Schaffung der Linien und Muster. Die von Ammersbach geschaffenen grafischen Designs sind immer individuell. „Natürlich bespreche ich mich mit Kunden, die Motorräder oder Helme gestaltet haben wollen“, so der Mainflinger. Aber den letzten künstlerischen Ausdruck behält er sich vor. „Das ist meine Entscheidung.“

Komplexe Muster und Grafiken, Rundungen und Bögen

Seit 2009 betreibt Ammersbach sein Pinstriping- und Lettering-Gewerbe. Nebenberuflich. Seine Brötchen verdient der verheiratete Mainflinger in einem anderen Job. Er ist Beamter und als solcher in einer bayerischen Vermessungsbehörde tätig.

In seinem Atelier in Mainflingen riecht es nach der speziellen Farbe. Die sei keineswegs herkömmlicher Lack, sondern eine Art Emaille. „Gestaltet werden kann damit eigentlich alles“, sagt Ammersbach. Oberfläche säubern, Farbe drauf, fertig. Klingt einfach, ist es aber nicht. Der Linkshänder zeigt die Technik: Der kurze Pinsel wird mit der einen Hand geführt, gestützt dabei von der anderen Hand. So entstehen komplexe Muster und Grafiken, Rundungen und Bögen „Um das Pinstriping hat sich in Deutschland eine ganze Szene entwickelt“, weiß Ammersbach. Liebhaber amerikanischer Autos und Motorräder zählt er beispielsweise zu seinen Kunden.

Es gibt keine festen Vorlagen für die künstlerische Individualisierung von diesen Alltagsgegenständen. „Das stammt alles aus meinem verbranntem Hirn“, lacht der Mainflinger. Er habe es auch schon mit Aquarell-Malerei versucht, dass Pinstriping faszinierte ihn aber mehr.

Ammersbach schwärmt von einem Besuch in Amerika, wo er den „Pinstriping-Papst“ Herb Martinez kennenlernte. Gemeinsam arbeiteten sie an verschiedenen Motiven. „Eines meiner Solo-Bilder habe ich dort an einen Amerikaner für 70 Dollar verkauft“, ist er stolz auf seinen Erfolg im Mutterland dieser Kunstart Pinstriping und Lettering.

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