Prozess um Unterschlagung

„Der stellte sich tot“

Mainhausen/Offenbach - Die Staatsanwältin zeichnet vom Angeklagten das Bild eines Charakters, dem man besser kein Bargeld anvertraut. Er soll 45.700 Euro unterschlagen haben. Von Stefan Mangold 

Am Ende kommt der Mainhausener mit acht Monaten Haft auf Bewährung plus 2000 Euro Geldauflage davon. Verteidiger Maximilian Baer will vor dem Schöffengericht in Offenbach erst die Nebengeschichten vom Tisch bekommen. Der Angeklagte soll bei Ebay Ware nicht geliefert haben. Ferner gehe der Defekt einer Supermarktparkplatzschranke auf sein Konto. Von Betrug bei Ebay könne keine Rede sein, sagt der Angeklagte: Er habe Autoeinzelteile verkauft; als etwas nicht ankam, sei postwendend eine Anzeige erfolgt, „weshalb ich nicht mehr an mein Ebay-Konto konnte, um die Daten einzusehen.“ Die Schäden von 50 und 111 Euro hat der 26-jährige beglichen, ebenso die 500 Euro für die Schranke, die er aus Übermut beschädigte. Richter Manfred Beck, die Schöffen und die Staatsanwältin erklären sich damit einverstanden die Anklagepunkte einzustellen.

Bleiben knapp 46.000 Euro. Dazu schweigt der Angeklagte. Dafür redet sein ehemaliger Chef, Gebrauchtwagenhändler in Seligenstadt, der ihn im Sommer 2014 eingestellt hatte. Sein gutes Gefühl habe einen raschen Dämpfer erlitten. Der Angeklagte habe 36.000 Euro entgegengenommen und einen Tag später behauptet, das Geld im Dunstkreis der elterlichen Wohnung verloren zu haben. Jedoch habe der Angeklagte den Betrag „bis auf 6000 bis 8000 Euro abgestottert“.

In den nächsten zehn Wochen, so der Händler, sei er selbst krankheitsbedingt weitgehend ausgefallen. Der Angestellte habe zwar den Laden alleine geschmissen, der Fahrzeugverkauf in bar sei aber über seine Mutter gelaufen. Die habe Kfz-Papiere übergeben und Bargeld empfangen. Wieder genesen, trat der Eigentümer einen Kurzurlaub an. In der Zwischenzeit sollten drei Autos den Eigentümer wechseln, weshalb er seinem Angestellten drei Fahrzeugpapiere gab. Zurück im Betrieb habe er ihn vermisst, samt der 45.700 Euro Verkaufssumme, einem teuren Handy und Autozubehör. Den Angestellten habe er nicht erreichen können: „Der stellte sich tot.“ Er habe später von einem Bekannten erfahren, er habe einen Spielsüchtigen engagiert.

Top 10 der Autodiebe

Dann sagen nacheinander zwei Autohändler aus Seligenstadt aus. Die hatten vom Angeklagten, einem Kumpel aus der Schulzeit, vier Winterreifen für einen Porsche für 850 Euro gekauft. Auf Nachfrage des Rechtsanwalts versichert der Ältere, gefragt zu haben („Sind die auch sauber?“). Die Brüder erklären außerdem, sie hätten von der Anzeige gegen den Kumpel Wind bekommen und den Mitbewerber zu den Autoreifen befragt. Letztlich hätten sie dem Geschädigten das Diebesgut zurückgegeben, zum eigenen Schaden. Das bestätigt der frühere Chef des Angeklagten.

Ob so viel Altruismus zeigt sich Verteidiger Maximilian Baer skeptisch, der mit seinem Verdacht, es handele sich um Gefälligkeitsaussagen, aber nicht weiter kommt. Ein Bruder erklärt, der Mitbewerber habe einen guten Leumund, „deshalb gaben wir ihm die Reifen zurück“. Es folgte ein Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten zur Strafmaßeinigung. Was herauskam, erklärt der Vorsitzende während der Urteilsbegründung. Der Schaden sei nicht auf Heller und Pfennig nachzuweisen, weil es sich beim Gebrauchtwagenhandel generell um ein Geschäft mit vielen Handschlagverträgen handele, „das hat wohl auch mit dem Finanzamt zu tun“. Der nicht vorbestrafte Angeklagte habe aber sicher Geld unterschlagen, „sonst hätten Sie sich nicht tot gestellt“.

Die Lieblinge der Autodiebe 2012

Die 2000 Euro für das Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum, die neben der Bewährungsstrafe für ihn anfallen, kommentiert der Angeklagte mit dem Satz: „Die zahle ich gerne.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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