Weitgehend entspannter Start

Wieder Regelunterricht an Grundschulen - Bildungsschere geht auseinander

An der Anna-Freud-Schule in Mainflingen (hier ein Blick in die Klasse 4b) ist das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes nicht verpflichtend. Foto: Hampe
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An der Anna-Freud-Schule in Mainflingen (hier ein Blick in die Klasse 4b) ist das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes nicht verpflichtend.

Der Wiedereinstieg für die meisten Grundschüler in den täglichen Unterricht scheint im Ostkreis weitgehend unproblematisch gelaufen zu sein. Von fröhlichen Mädchen und Jungen spricht etwa Ute Simon, Leiterin der Emmaschule in Seligenstadt.

Ostkreis - Probleme bereitet mitunter die Einhaltung des Hygieneplans, den das hessische Kultusministerium vorgegeben hat. Mangels ausreichenden Zahl an Waschbecken sei es schwierig, dass sich alle die Hände waschen. „Das dauert zu lange“, sagt Simon.

Auch die Vorstellung des Kultusministeriums, die ersten und zweiten Klassen vier, die dritten und vierten fünf Stunden täglich zu unterrichten, seien mangels Lehrkräften nicht ganz umzusetzen. Um den Kindern Pausen zu ermöglichen, könne man dreieinhalb beziehungsweise viereinhalb Stunden täglich organisieren. Der Plan sei aber „auf Kante genäht“, kein Lehrer dürfe krank werden, sonst funktioniere das sensible Konstrukt nicht mehr.

Ute Simon erlebt die Kinder nach der langen Pause generell als motiviert. Mit dem Abstand – für Kinder in diesem Alter unnatürlich – seien sie vernünftig umgegangen. Etwa zehn Mädchen und Jungen nähmen nicht am Präsenzunterricht teil: Entweder haben die Eltern Atteste vorgelegt oder sie bis Ende des Schuljahrs abgemeldet.

Den Umstieg auf täglichen Unterricht ist auch für die Hainburger Johannes-Gutenberg-Schule problemlos vonstatten gegangen, da sie seit Pfingsten zweimal pro Woche da waren, sagt Leiterin Susanne Heintz. Irritiert seien die Kinder von den ständig wechselnden Vorgaben der Maskenpflicht. Auch dass sie innerhalb ihrer Klassenverbände bleiben müssten und nicht mit anderen spielen dürften, verstünden sie nicht. Relativ hoch sei die Zahl derer, die dem Unterricht fernblieben; bis zu 25 Prozent der Klasse mache das aus.

Der „emotionale Schaden“ durch den Lockdown sei bei den Grundschülern geringer als gedacht, so Heintz weiter. Jedoch sei die Bildungsschere in den vergangenen drei Monaten weit auseinander gegangen. So hätten viele – der Anteil von Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund beträgt 54 Prozent bei 300 Kindern – wochenlang keinen Kontakt zur deutschen Sprache gehabt. „Da hat sich das Problem deutlich verschärft“, sagt die Leiterin.

„Ganz entspannt“ ist Gabriele Adam, Leiterin der Alfred-Delp-Schule in Froschhausen. „Wir sind froh, dass die Kinder wieder da sind“, sagt sie und freut sich, dass der Abstand in den Klassen nicht mehr eingehalten werden muss. Schutzmasken sind auch nicht mehr nötig, sie habe mit dem Kollegium die Abläufe so organisiert, dass darauf verzichtet werden könne. Auch mit den Eltern gebe es keine Probleme. Lediglich drei Kinder seien vom Unterricht abgemeldet, weil es in den Familien Vorerkrankungen gebe.

An der Anna-Freud-Schule in Mainhausen geht es ebenfalls eher beschaulich zu. Die 136 Kinder – zwei sind bis zu den Ferien vom Unterricht befreit – akzeptierten die Vorgaben problemlos, sagt Leiterin Jutta Schneider. Auf das Tragen von Masken habe man in Absprache mit Eltern und allen schulischen Gremien verzichtet und setze darauf, dass die Abstandsregeln eingehalten werden. Für die Lehrer sei die Aufsicht daher eine besondere Herausforderung, da die Kinder das beim Toben gern vergäßen.

Sorge bereitet Jutta Schneider die Aussicht, dass es nach den Ferien in der derzeitigen Form weitergeht. Dann fehle den Kindern Fachunterricht wie Sport, wenn in ihrem Team kein Lehrer mit entsprechender Ausbildung sei. Doch gerade Sport sei enorm wichtig für die Schüler.

Von Oliver Signus

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