Alte Tradition bewahrt

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Die Ehrung verdienter Mitglieder war ein Programmpunkt beim Schiffertag im Bürgerhaussaal.

Mainflingen - „Erde singe, dass es klinge, laut und stark dein Jubellied – was er schuf, was er gebaut , preis‘ ihn laut!“. Mit diesen mächtigen und zum Anlass passenden Klängen eröffneten Organist Fridolin Skrypzak und Pfarrer Bernhard Gugerel den alljährlichen Festgottesdienst zum Schiffertag in der Mainflingener Pfarrkirche Sankt Kilian.

Die Mitglieder des Schiffervereins Sankt Nikolaus, dem einzigen seiner Art in Stadt und Kreis Offenbach, begehen seit über 100 Jahren um den Dreikönigstag herum ihren Schiffertag. Mit den Klängen des Katholischen Musikvereins Zellhausen unter Leitung von Georg Braun zogen am Samstag zunächst die Mitglieder mit einem Festmarsch vom Bürgerhaus in die Pfarrkirche und anschließend an den Gottesdienst wieder zurück ins Bürgerhaus.

Pfarrer Gugerel ging in seiner Predigt ausführlich auf die Zeitprobleme der heutigen Gesellschaft bei der Strukturierung des Alltags ein. Er führte die Schifferzunft als Beispiel dafür an, durch Bewahrung von Traditionen die geschenkte Zeit nicht zu verschwenden, mutwillig „totzuschlagen oder zu vertreiben“. Dies könne durch Konzentration auf das Wesentliche in Verbindung mit Gott erfolgen. Die Fürbitten berücksichtigten zudem die häufige räumliche Trennung der Schifferfamilien durch den Beruf, bis hin zur Fremderziehung der Kinder in speziellen Einrichtungen. Ebenso die Einsatzkräfte und Wasserbauplaner, die für die Sicherheit auf den Binnenwasserwegen in Europa mit verantwortlich sind, sowie das Gedenken an schon verstorbene Schiffsleute.

Das Schiffergebet von Karl Steil

Das Schiffergebet im Text vom unvergessenen Karl Steil beschloss nach weiteren Orchesterbeiträgen einen würdigen Gottesdienst. Die etwa 125 Mitglieder des Vereins gedenken mit dem Schiffertag der Zeit, als für ihre Väter, Urgroßväter oder gar deren Väter vor bis zu etwa 100 Jahren der Main zugefroren war. Anfang Januar nutzten diese damals die witterungsbedingte Zwangspause der Binnenschifffahrt zur seltenen Freizeit mit ihren Familien.

Um den Dreikönigstag herum zogen die befreundeten Männer ihren besten Anzug an, die Frauen hatten sich liebevoll ein feines Kleid genäht und man beging gemeinsam mit den Kindern vom Frühstück an den Ehrentag der Schifferzunft. Dieser beinhaltete auch damals schon einen eigenen Gottesdienst, eine Feier danach und einen Ball als krönenden Abschluss.

Viele der Mitglieder heute sind Freizeitkapitäne

Viele der Mitglieder heute sind Freizeitkapitäne oder wohlverdiente Pensionäre, nur wenige verdienen ihr tägliches Brot noch auf dem Wasser. Aber auch ohne aktiven Beruf ist diesen die Binnenschifffahrt Berufung ein Leben lang. Im mit Flaggen herrlich dekorierten kleinen Bürgerhaussaal fand nun anno 2012 der traditionelle Schifferfrühschoppen zur leiblichen Stärkung statt. Im Rahmen dessen ließ es sich Bürgermeisterin Ruth Disser, wie in bisher jedem Jahr ihrer Amtszeit, nicht nehmen, mit dem Vorsitzenden Gerhard Stegmann die Ehrungen verdienter Mitglieder mit den obligaten Urkunden und Präsenten vorzunehmen.

In Anwesenheit des Gemeindevertretervorstehers Dieter Jahn wurden Kurt Laskowski und Johann Rickert (Froschhausen) für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Adolf May (Karlstein), ebenfalls seit einem Vierteljahrhundert im Verein tätig, konnte die Ehrung an diesem Tag nicht entgegen nehmen, er war entschuldigt. Beim alljährlichen Schifferball am gleichen Abend erfreute Robert Hößbacher als Alleinunterhalter die Besucher, die bei Barbetrieb, Tanz und Unterhaltung bis in den späten Abend hinein feierten.

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