Sendeanlage stillgelegt und abgebaut

Funkstille in Mainhausen

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Die unansehnlichen Bauwerke sollen nach dem Willen der Gemeinde bald verschwunden sein.

Mainhausen - Die Mittelwellensender waren lange ein Streitpunkt in der Gemeinde Mainhausen. 2001 gründete sich die Bürgerinitiative „Gegen den Radiosender Mainhausen“. Seit 2004 stand fest, dass die alten Sender stillgelegt werden. Seit kurzem ruht der Sendebetrieb komplett. Von Oliver Signus 

„Der Sendebetrieb ist endgültig eingestellt. Es wurden alle Sendeanlagen - mit Ausnahme der Gebäude und Teile der Zaunanlage - auf der Sendefunkstelle Zellhausen entfernt“, freut sich Ruth Disser über den Schlusspunkt eines jahrelangen Ärgernisses. Die Mittelwellensender sorgten über lange Zeit für Aufregung in Mainhausen. Erste Sondersitzungen, in denen auf eine mögliche Gefahr durch die Sendestrahlen hingewiesen wurde, gabe es bereits 1996, erinnert sich die Rathauschefin. Unter dem Tenor „Kirchenmusik aus der Heizung - Bürger klagen über Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen“ gründete sich im Spätherbst 2001 die Bürgerinitiative „Gegen den Radiosender Mainhausen“. Drei Jahre später stand dann fest, dass die alten Sender stillgelegt und einer neuen Technik weichen werden.

Deinstalliert sind mittlerweile auch alle Antennenmasten - sowohl der umstrittene und für große Probleme verantwortliche Rundstrahler als auch die noch relativ neue Steilstrahlantenne. Darüber hinaus wurden auch unterirdisch verlegte Kabelstränge sowie die Betonfundamente ehemaliger Sendemasten entfernt.

Pächter müssen Zäune entfernen

Die Pächterin des Areals, das Unternehmen „Media Broadcast“, sei gemäß Vertrag auch dazu verpflichtet, die Umzäunung vollständig zu entfernen. „Sicher wundern sich Spaziergänger über die teilweise erhaltene oder zu erneuernde Zaunanlage“, so Disser. Diese Teile - in Richtung Autobahn und im Zufahrtsbereich - bleiben auch beziehungsweise werden ersetzt. Die Naturschutzbehörde habe sich zum Schutz des Flora-Fauna-Habitat-Gebietes (FFH) für den Erhalt eines Teils des Zaunes ausgesprochen. „Dem haben wir unter der Voraussetzung zugestimmt, dass das Regierungspräsidium Darmstadt die Verantwortung hinsichtlich der Unterhaltung und einem möglichen späteren Rückbau des verbleibenden Zaunes übernimmt“, betont Disser. Eine Unterhaltsverpflichtung und künftige Kosten seien so für die Gemeinde Mainhausen ausgeschlossen.

Auf einem weiteren Teil der Gesamtfläche befinden sich nun noch Gebäude. Diese seien aber Teil eines Erbbaupachtvertrags aus dem Jahr 1962 mit der damaligen Deutschen Bundespost. „Dieser Kontrakt läuft noch bis 2065 und beinhaltet keine Rückbauverpflichtung für die Pächterin“, erläutert die Verwaltungschefin und stellt fest, dass zum Ende des Vertrages die Verpflichtung des Abbruchs der Gebäude, Leitungen und Schächte bei der Gemeinde liegen würde.

Zurzeit würden Gespräche geführt, mit dem Ziel, auch diese Gebäude vorzeitig abzureißen. „Damit wäre die Sache ,Sendefunkanlage’ vollständig abgeschlossen. Es würden keine Bauruinen in unserem Wald verbleiben, deren Rückbau die Gemeinde dann tragen müsste“, sagt sie. Erste Kostenschätzungen für den Abriss lägen derzeit schon bei rund 80.000 Euro -ohne eventuell weitere Auflagen der Naturschutzbehörden. Außerdem gingen von den leer stehenden Gebäude und den teilweise zugänglichen Schächte durchaus auch Gefahren aus.

„Den Rückbaukosten, dem Gefahrenpotenzial und dem künftigen Verwaltungsaufwand stehen Pachteinnahmen von rund 1100 Euro jährlich gegenüber“, sagt die Bürgermeisterin. Aus Sicht der Verwaltungschefin ist es der richtige Schritt, um die Angelegenheit zu einem endgültigen Abschluss zu bringen „und der Natur die Flächen wieder zurückzugeben“. Der Gemeindevorstand hatte sich zwischenzeitlich für einen Aufhebungsvertrag zum 31. Dezember 2016 ausgesprochen. Über den Sachstand und die Zukunft der Anlage will Ruth Disser bei einem Ortstermin samt Gemarkungsrundgang ebenso informieren wie über die Planungen zur Sandgrube Höfling. Vorgesehen ist dafür Samstag, 2. Mai.

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