Harmonie Zellhausen

Griff in schwarze Kasse

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Mainhausen - 125 Jahre wird sie alt in diesem Jahr, die Harmonie Zellhausen. Einer der traditionsreichen Gesangvereine der Region. 300 Mitglieder unterstützen den Verein, 70 davon sind Sänger in den verschiedenen Chören. Von Thomas Hanel

Doch hinter der Harmonie liegen schwere Jahre - es geht um veruntreute Vereinsgelder, um Vorstandsquerelen und Vorstände, die auf turnusmäßigen Sitzungen nicht entlastet wurden. Einem langjährigen Mitglied des Vereins, Walfried Kaiser aus Seligenstadt, wurde es Ende des vergangenen Jahres zu bunt mit dem Vereinsgebaren. Er trat aus. In einem Brief an unsere Zeitung schreibt Kaiser: „Vor zwei Jahren wurden finanzielle Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung des Vereinsvermögens aufgedeckt.“ Ein Vorstandsmitglied habe zugegeben, einen hohen Geldbetrag aus den Rücklagen für private Zwecke entnommen zu haben. Kaiser weiter: „Über den Umgang mit diesem Sachverhalt war man sich im Vorstand nicht einig, so dass einige Vorstandsmitglieder vorzeitig zurücktraten.“ Der Restvorstand sei in eine Art Schockstarre verfallen.

Zwei Jahre lang konnte, obwohl es die Satzung vorsieht, kein neuer Vorstand gewählt werden. Gründe sind laut Kaiser grob fahrlässige Versäumnisse der ehemaligen Vereinsführung. Dabei geht es um einen hohen fünfstelligen Betrag, der ungeahndet vom Harmonie-Vorstand aus der Kasse entnommen wurde. Pikant: Das Geld stammt wohl nicht aus der offiziellen Kasse des Vereins. Experten vermuten längst, dass zahlreiche Vereine eine weitere, eine „schwarze“ Kasse betreiben. Bei der Harmonie Zellhausen hat sich ein Mitglied aufgrund privater finanzieller Probleme mutmaßlich aus dieser bedient. Für den Verein bedeutete dies natürlich Probleme mit dem Finanzamt, Säumniszuschläge und weitere Zwangsgelder, als der Vorfall ruchbar wurde. Für Walfried Kaiser ist diese Situation ungeklärt und unbefriedigend und nicht hinnehmbar.

Einer hat geklaut, die anderen nicht aufgepasst

Offen geht indes die neue Vereinsführung der Harmonie Zellhausen um Vorsitzenden Udo Reuter und seinen Stellvertreter Eckhard Ulrich mit der Situation um: „Rein rechtlich sind diese Unterschlagungen verjährt. Dass es deshalb Streit im Vorstand gegeben hat, wie mit dieser Situation der Unterschlagung umgegangen werden soll, ist unstrittig.“ Die optimale Kontrolle der Vereinsfinanzen war zu dem Zeitpunkt Ende 1990er/Anfang 2000er nicht gegeben. Auf gut deutsch: Einer hat geklaut, die anderen nicht aufgepasst. Mittlerweile ist die Schattenkasse abgeschafft und reguliert.

Und die Harmonie will in die Zukunft schauen. Alle Fakten liegen mittlerweile vor. „Juristisch ist das Fehlverhalten geklärt, moralisch für einige Mitglieder und Ex-Mitglieder nicht“, zeigt sich Udo Reuter einsichtig. Auch dafür habe er Verständnis. Im Gegensatz zu Walfried Kaiser. Der vermutet auch im neuen Vorstand um Reuter und Ulrich „alte Seilschaften“, die dem Verein schaden.

Fragen und Antworten im Steuerfall Hoeneß

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Für Reuter und Ulrich zählt nach turbulenten Jahren jetzt nur noch eins: Das 125-jährige Bestehen der Harmonie Zellhausen gebührend zu würdigen. Dies sieht auch das langjährige Mitglied Walfried Kaiser so. „Der neuen Vereinsführung kann man (…) nur ein glückliches Händchen und viel Erfolg wünschen.“ Doch für ihn hat sich das Kapitel Harmonie Zellhausen erledigt.

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