Timo Krammig reist viel durch die Welt

Physiotherapeut betreut indische Fußballnationalelf der Junioren

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Timo Krammig in Aktion bei der Behandlung eines seiner Schützlinge.  

Zellhausen - Timo Krammig, Sportphysiotherapeut und Heilpraktiker mit Praxen in Mainhausen und Hainburg, reist in diesen Monaten viel durch die Welt. Von Sabine Müller 

Seine außergewöhnliche Aufgabe: Der 51-Jährige berät und betreut die indische Fußballnationalmannschaft, die sich auf die FIFA U17-WM im Oktober vorbereitet. Nach Goa ist er derzeit mit den Spielern in St. Petersburg. „Ab einem gewissen Alter reizen einen Herausforderungen“, meint Timo Krammig. Schon die Eltern betrieben eine Praxis für Krankengymnastik in Hainburg, seine beiden Kinder sind ebenfalls ausgebildete Physiotherapeuten. Er selbst ist Sportphysiotherapeut mit Lizenz des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), hat über 30-jährige Erfahrung in der Behandlung von Sport- und Unfallverletzten im Bereich Chirurgie und Orthopädie und kümmerte sich in den 80ern um Mitglieder der Fußball-Bundesliga, Spitzensportler der Bundeswehr sowie die Turner-Nationalmannschaft.

Mitte vergangenen Jahres wandte sich ein ehemaliger Mitarbeiter des Reha-Zentrums, das Timo Krammig zusammen mit Anja Zineker in Zellhausen führt, an ihn. Und da war sie, die Herausforderung: „Der Sportwissenschaftler war mittlerweile Headcoach der indischen U-17 und bat mich um fachliche Unterstützung.“ Die Junioren-Auswahl vertritt die All India Football Federation auf internationaler Ebene; größter Erfolg der Mannschaft war bisher das Erreichen des Viertelfinales bei der Asienmeisterschaft 2002.

Obwohl Krammig generell an der Verletzung und weniger an der Popularität eines Patienten interessiert und „nicht sehr Fußball-affin“ ist, reiste er im Oktober für zwei Wochen nach Goa. Dort stellte er fest: Die Spieler genießen in Indien eine hohe Wertigkeit, ein enger, professioneller Trainer-Zirkel kümmert sich um die Mannschaft. Die Verpflegung in den Hotels ist hervorragend und Leistungssportlern angemessen. Dieser positive Eindruck milderte auch die anfänglichen Gewissensbisse: „Ich dachte, Fußball gehört nicht dorthin, das Geld sollte in diesem armen Land anders verwendet werden.“

Indien organisiert die diesjährige Auflage der FIFA U-17-Weltmeisterschaft. Ein Novum, so wie die Teilnahme an einem Weltturnier überhaupt. Im Land wächst die Begeisterung fürs runde Leder, Fußball entwickelt sich nach Kricket zum zweitbeliebtesten Nationalsport. Timo Krammig beschreibt die Nachwuchsmannschaft als harmonisches Team aus 16-jährigen Moslems, Hindus und Christen, die zum Teil auf dem Bolzplatz entdeckt und mit dem Einverständnis der Eltern im Leistungszentrum aufgenommen wurden. Sie seien extrem engagiert, ihr Taschengeld ernähre manchmal die ganze Familie.

Fit machen für WM im Oktober

Der deutsche Spezialist soll die Kicker gemeinsam mit dem einheimischen Physiotherapeuten fit machen für Training und Spiel – letztlich für die WM im Oktober – und kleinere Verletzungen wie Zerrungen, Prellungen, Faserrisse und Bänderdehnungen behandeln. Sechs Monate lang ist er mit ihnen unterwegs, damit sie internationale Erfahrung sammeln: „Aktuell sind wir in St. Petersburg und haben sogar 1:0 gegen die U-18 aus Weißrussland gewonnen.“ Am 23. Januar fliegt die Mannschaft für ein paar Wochen zurück nach Indien, danach geht es nach Südafrika und Namibia. „Erst zwei Wochen vor der WM sind wir wieder in Goa.“

Dort gewann der Hainburger bereits erste Eindrücke von landestypischen Eigenheiten. Bei feucht-heißen 30 Grad kann nur abends gespielt werden, wobei die Distanz vom Hotel zum Trainingsplatz eineinhalb Fahrstunden beträgt, und sich allein die Fluchtlichtkosten auf 600 Euro pro Einheit belaufen. Zehn Minuten vor Anpfiff wird der Platz gedüngt – Hautausschläge sind programmiert.

Wenn Sport schmerzt: So fies kann Training sein

„Auch das ist Indien“: Timo Krammig zeigt Fotos mit Kickern, die sich vor dem Spiel betend am Platzrand verneigen, hinter dem Feld heilige Kühe. Man sieht bibbernde Sportler, die im Eisbad ihre Muskulatur regenerieren, und die veraltete Ausstattung eines Krankenhauses. „Der medizinische Standard ist dort aber nicht schlecht.“ Obwohl Timo Krammig für 2000 Euro Verbandsmaterial im Gepäck hatte, fehlte ab und zu etwas. Doch flugs wurden zwei Kochlöffel zu Hilfsmitteln für Tape-Verbände; die für einen Druckverband benötigten Schaumstoffkeile in der Bettenfabrik besorgt.

Neun Flugstunden trennen zwei Welten: In der einen gibt es das Improvisationsgeschick der Inder, in der anderen das komplexe Diagnostische Ultraschallgerät, das Krammig in seiner Zellhäuser Physiotherapiepraxis einsetzt.

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