Die Freunde singen für ihn

Trotz schwerer Erkrankung: Kult-Fastnachter Dieter Adam wieder da

Ostkreis - Mit seiner Tanzkapelle „Adam und die Micky’s“ war der Wahl-Mainflinger Dieter Adam einst Stammgast in den Fastnachtshochburgen der Region. Von Bernhard Koch

Die „Runkelroiweroppmaschin“ überdauert die Zeit. Jetzt hat Dieter Adam eine neue CD zusammengestellt.

Nach einer Kehlkopfkrebs-Erkrankung wird nun in der hr4-Sendung „Gude, Servus und Hallo“ seine neue CD „Nachschlag“ vorgestellt. Seine Freunde singen für ihn. Wer kennt ihn nicht, den Schlager „Die Runkelroiweroppmaschin“ (Runkelrübenrupfmaschine), anno 2008 von den Zuschauern des Hessischen Fernsehens zum beliebtesten hessischen Fastnachtslied gewählt, aber schon vor 27 Jahren in den Fastnachts-Hochburgen des Offenbacher Ostkreises begeistert geschmettert? „Adam und die Micky’s“ (mit irreführendem Apostroph), eine der damals bekanntesten Tanzkapellen, präsentierte Unterhaltungs- und Partymusik in hessischer Mundart und füllte hierzulande die Säle – nicht nur an Fastnacht. Und an vorderster Front dabei der Wahl-Mainflinger Dieter Adam, der auch schon mal aus Heintjes „Mama“ einen „Papa“ machte, der in Fernsehsendungen wie dem „Blauen Bock“, dem ZDF-Fernsehgarten oder bei Maria und Margot Hellwig zu Gast war und die Massen begeisterte.

Seit rund zwei Jahren kann der Autor dieser Zeilen, im benachbarten Zellhausen aufgewachsen, nur noch schriftlich mit dem heute 75-Jährigen in sozialen Netzwerken kontakten. Ein Tumor auf den Stimmbändern wurde 2012 bei Dieter Adam festgestellt, endgültig verlor er 2014 seine Stimme. Kehlkopfkrebs. Er ist seither stumm.

Also lässt er andere seine Lieder singen und präsentiert in diesen Tagen seine neue CD mit Songbuch unter dem Titel „Nachschlag“. Keine Geringeren zählen zu seinen Freunden als beispielsweise Thomas „Bäppi“ Bäppler-Wolf aus Frankfurt, Reinhard Paul aus Hanau, Holger M., Tom Jet aus Obertshausen, Gottfried „Geoff“ Frickel aus Klein-Krotzenburg oder Olga Orange aus Mühlheim, die mit anderen für den stummen Dieter Lieder wie den „Burka-Song“, die „Quellkartoffel un Dupp Dupp“, „De Schorsch aus Krotzeborsch“, „Ich bin die schennste Frau von Hessen“, das „Finale“ oder eben „Die Runkelroiweroppmaschin“ singen. Am Samstag, 14. Januar, soll die neue CD in hr4 offiziell vorgestellt werden.

Dann werden die Hainburger genau zuhören, wenn Gottfried „Geoff“ Frickel von seiner Geburt singt: „Als ich geboren wurde, hat mei Mutter mich betracht: Was hat mer da de Klapperstorch fern Ewweletsch gebracht?“ In der Klein-Krotzenburger Fastnacht gehört er zu den absoluten Größen und begeistert sowohl als Protokoller als auch musikalisch mit sener Gruppe „Korz-Lang-Fett-Quartett“ die Zuschauer und Zuhörer. Als Ur-Krotzeborjer ist er geradezu prädestiniert, eine Neufassung des Liedes vom „Schorsch“ zu singen. Allerdings hat Dieter Adam nie verraten, welches Krotzeborsch er meinte: Groß- oder Klein-?

Bilder: „Ufftakt“ zur Fastnacht in Rodgau

„Ufftakt“ zur Fastnacht in Rodgau: Bilder
„Ufftakt“ zur Fastnacht in Rodgau: Bilder
„Ufftakt“ zur Fastnacht in Rodgau: Bilder
„Ufftakt“ zur Fastnacht in Rodgau: Bilder
Bilder: „Ufftakt“ zur Fastnacht in Rodgau

Das „Finale“ im „Nachschlag“ hat der Hanauer Reinhard Paul für Dieter Adam gesanglich übernommen: „Ich wollt wie Mozart wärn, mit Melodien sei Mussig toppe. Was bleib, des war e Lied, in dem ging’s nur ums Roiweroppe. Ich blieb es ganz klaa Licht mit einem Kopp voll Ideale. Der Traum ist ängst geplatzt: Auf zum Finale!““ Und weil der gebürtige Hanauer Dieter Adam seine Stimme nicht mehr einsetzen kann, ist er im Laufe der Zeit auch unter die Autoren gegangen und schreibt ein Buch nach dem anderen. „Ottokar das Zauberpferd“ oder „En Haufe Texte“ sind nur zwei von vielen Exemplaren, die in den vergangenen Monaten erscheinen sind.

Nun sind die Menschen der Region, die Dieter Adam vielleicht nur aus dem Fernsehen oder Radio kannten, gespannt, welche Texte der ruhelose Zwangsrentner, der seit dem Jahr 2004 in Gemünden an der Wohra im Kreis Waldeck-Frankenberg lebt, in seinen 18 neuen und renovierten alten Liedern im „Nachschlag“ singen lässt. Und so ganz nebenbei veröffentlicht ein Verlag Dieter Adams Heftromane als E-Books.

Rubriklistenbild: © beko

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