Notizbuch der Woche

Kommentar: Update unter Demokraten

Kennen sie den Unterschied zwischen „gelebter Demokratie“ in Seligenstadt und Mainhausen? Nun, in Mainhausen frohlocken bürgerliche Initiativen, wenn's über eine qualifizierte Mehrheit in der Bevölkerung gelingt, einen Beschluss der Gemeindevertretung (hier: Anhebung des Gemeindevorstands) in doch recht imponierender Art und Weise zu kippen. Von Michael Hofmann

In Seligenstadt freuen sich die Basisdemokraten ein Loch in den Bauch, wenn die Stadtverordnetenversammlung mit Rücksicht auf die „Anwesenheitspflicht“ der beiden Rathauschefinnen Nonn-Adams und Bicherl bei der Kfd-Frauenfastnachtssitzung am Montagabend ohne Mord und Totschlag auf den Dienstagabend verlegt wird.

Jetzt soll die Einhardstadt doch tatsächlich aus ihrem Mittelzentrums-Schlummerdasein geweckt und in den Topf „Mittelzentrum mit Teilfunktion eines Oberzentrums“ bugsiert werden. Da werden sie aber staunen, die Mit-Mittelzentren Dreieich, Neu-Isenburg, Rödermark, Rodgau oder Mühlheim und Obertshausen, wenn sie erfahren, dass ausgerechnet wir Schlumber ein derartiges „Update“ anstreben. Genauer gesagt ist es die örtliche FDP-Fraktion, die ihrer Heimatstadt jetzt schon ein Image verpassen will, das unser Städtlein - bei guter Pflege und mit viel Kraftfutter - in vielleicht zehn oder 20 Jahren einlösen kann, wenn überhaupt. Immerhin sieht die Teilfunktion Oberzentrum nach den textlichen Regionalplan-Darstellungen „Standorte hochwertiger spezialisierter Einrichtungen im wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereich mit zum Teil landesweiter, nationaler oder internationaler Bedeutung“ vor. Weil wir Seligenstädter diesen Ansprüchen - zimtärä, zimtärä - höchstens als Fastnachts-, Vereins- oder Windpark-Oberzentrum gerecht werden können, sollten wir wie die berühmten Schuster bei ihren Leisten lieber beim Mittelmaßzentrum bleiben. Wir halten das für eine schonungslose, aber ehrliche Position, geben im gleichen Atemzug aber zu, dass uns die Großkotzigkeit der Stadt Langen bei diesem Thema nervt.

Besondere Form der Vereinssubventionierung

Zwar gibt's dort die Fachhochschule der Deutschen Flugsicherung, die Fachhochschule des Deutschen Wetterdienstes oder das Paul-Ehrlich-Institut, aber den Satz „Aus Sicht der Stadt Langen ist die Einstufung der Stadt im System der zentralen Orte als ,Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums' deshalb unumgänglich“ finden wir reichlich arrogant. Nachgerade sympathisch reagierte die Stadt Dreieich. Dort, so war aus dem Rathaus zuhören, denke man nicht daran, derartige Initiativen zu starten: „Wir sind doch nicht größenwahnsinnig.“ Damit wähnen sich die Dreieicher in guter Gesellschaft. Immerhin sei auch eine Stadt vom Kaliber Gelsenkirchens (210 000 Einwohner, Schalke-Arena) mit ihrem Mittelzentrum-Dasein hochzufrieden.

Auf eine besondere Form der Vereinssubventionierung, die so in keinen Büchern steht, machen die Experten im Rechnungsprüfungsamt des Kreises in ihrer Stellungnahme zur Seligenstädter Jahresrechnung 2007 aufmerksam. Demnach ist die Stadt zwar Eigentümerin von Jahnsportplatz, Stadion (Rasen und Kunstrasen), Klein-Welzheim, Froschhausen und Trainingsfeld Sportvereinigung. Aber: „Während Jahnsportplatz und Stadion von mehreren Vereinen genutzt werden, stehen die übrigen Plätze ausschließlich den jeweiligen örtlichen Fußballvereinen TuS Klein-Welzheim, TuS Froschhausen und Sportvereinigung Seligenstadt zur Verfügung.“ Bei den Überlassungsverhältnissen handele es sich um Rechtsverhältnisse, die vor Jahrzehnten aufgrund mündlicher Vereinbarungen begründet worden seien und aus denen sich die gängige Verwaltungspraxis gebildet habe, „dass die drei Vereine die Sportplätze nutzen, ohne eine Miete beziehungsweise Pacht entrichten zu müssen“. Nur die Betriebskosten ihrer Funktionsgebäude (Strom, Wasser) tragen die Vereine selbst, Strom (Flutlicht) und Platzpflege übernimmt die Stadt, also der Steuerzahler.

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