GRÜNPFLEGE Kommunale Betriebe kontern Grünen-Kritik / Weniger Geld bewilligt

„Von sterbenden Bäumen keine Rede“

Draht im Baum – das Motiv des Anstoßes... Foto: P

Langen – Die Pflege der städtischen Grünanlagen ist eine Mammutaufgabe, deren Bewertung regelmäßig die Geister scheidet. VON HOLGER BORCHARD

Immer wieder erhält unsere Redaktion Hinweise von Anrufern oder E-Mail-Schreibern, es werde zu wenig, zu viel, schlicht falsch oder gar nicht gegossen, geschnitten beziehungsweise gepflegt. Adressat aller Kritik sind die Kommunalen Betriebe Langen (KBL), denen die Grünpflege obliegt. Eben diesen hat die Langener Grünen-Fraktion im Stadtparlament vorige Woche so richtig eins vor den Latz geknallt: Die Ökopartei prangerte per Pressemitteilung – auch über unsere Zeitung – an, dass überall im Stadtgebiet „sterbende Bäume“ und „hausgemachte, vermeidbare Baumschäden“ zu entdecken seien.

Starker Tobak, der selbstredend in den KBL-Hallen für Echo gesorgt hat. Die Reposte des Betriebsleiters ließ nicht lange auf sich warten: „Von überall sterbenden Bäumen kann keine Rede sein“, widerspricht Manfred Pusdrowski. Zwar hinterlasse der Klimawandel seine Spuren wie überall auch in Langen und ziehe Bäume in Mitleidenschaft, aber: „Dass kaum noch ein Baum gesund sein soll, stimmt einfach nicht.“ Ebenso falsch und ärgerlich sei die Unterstellung, die KBL-Mitarbeiter vernachlässigten ihre Aufgaben. „Das ist ein Schlag ins Gesicht. Solch pauschale, auf Unkenntnis basierende Vorwürfe haben sie nicht verdient“, hält Manfred Pusdrowski dagegen.

Die sachliche Ebene bedient der KBL-Leiter mit folgenden Informationen: Alle Bäume an Straßen und in Parkanlagen im Stadtgebiet listen die KBL akribisch in einem Kataster auf. Dieses zählt aktuell exakt 2 577 Exemplare aller Art. „Einmal im Jahr prüft ein Sachverständigenbüro ihren Zustand; voriges Jahr wurden an knapp 120 Bäumen Beeinträchtigungen festgestellt“, so Pusdrowski. Nur 18 Bäume seien infolge von Sturmschäden, Trockenheit oder Schädlingsbefall nicht mehr zu retten gewesen.

Die von den Grünen als Negativbeispiel ins Feld geführten Bäume auf dem Park-and-ride-Platz westlich der Bahn sind laut Pusdrowski KBL bei der jährlichen Baumkontrolle „vom Sachverständigenbüro offenbar nicht berücksichtigt worden“. Dessen ungeachtet, vermittelten die Fotoaufnahmen der Grünen ein falsches und überflüssigerweise alarmierendes Bild. Pusdrowski: „Wir sprechen von maximal zehn Eichen und Ahornbäumen, an denen noch Schilfmatten als Wetterschutz mit Drahtschlingen befestigt sind. Diese werden umgehend entfernt. Wir haben uns das sofort angeschaut und festgestellt, dass die Bäume keine Schäden erlitten haben. Sie sind vital und werden überleben.“

Wieder in die regelmäßige Bewässerung aufgenommen worden seien dieses Jahr die Ahornbäume an der Mörfelder Landstraße und der Berliner Allee – „aufgrund der Trockenheit und zum Schutz vor der Rußrindenkrankheit“, erläutert der KBL-Chef. Er verweist obendrein auf aktuelle Tests mit nachhaltigen Bewässerungsmethoden im Freibad und am Waldsee. Dabei werden Wassersäcke an den Bäumen befestigt, die die Feuchtigkeit zeitversetzt abgeben und so die Verdunstung minimieren.

„Unter dem Strich betreiben die KBL eine engagierte Grünpflege“, ist Pusdrowski überzeugt, „allerdings immer innerhalb des finanziellen Rahmens, den die Stadtverordnetenversammlung vorgibt!“ Sein Zaunpfahl-Wink: „Bei den Haushaltsplanberatungen Ende 2018 wurde dieses Budget um 55 000 auf gut 700 000 Euro reduziert.“

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