INTERVIEW Simon zu Pandemie-Management, Campingplatz-Erweiterung und Internet-Auftritt

„Wir müssen die Ortskerne revitalisieren“

Ein gut ausgelasteter Campingplatz gleicht die Defizite der beiden Badeseen aus, sagt Simon.
+
Ein gut ausgelasteter Campingplatz gleicht die Defizite der beiden Badeseen aus, sagt Simon.

Mainhausen – Drei Kandidaten treten am Sonntag, 1. November, in Mainhausen zur Wahl des Bürgermeisters an. Wir stellen die Anwärter auf die Nachfolge Ruth Dissers (SPD) in Porträt und Interview vor; heute Frank Simon. Die Fragen stellte Michael Hofmann.

Die Erkrankung von Bürgermeisterin Ruth Disser führte zum Wechsel an der Spitze der Gemeinde. Zwar waren viele voll des Lobes für Ersten Beigeordneten Torsten Reuter, doch stellt sich die Frage, ob Sie seinen Führungsstil und seine Arbeitsschwerpunkte pflegen oder Korrekturbedarf sehen.

Zunächst danke ich Reuter für seine gute Arbeit! Er hat als ehrenamtlicher kommissarischer Bürgermeister Außergewöhnliches geleistet. Reuter hat eine intakte Verwaltung übernommen. Durch seine sehr strukturierte, besonnene Arbeit hat er Impulse gesetzt und ein solides Fundament geschaffen. Darauf kann ich ruhigen Gewissens aufbauen. Am Ende arbeitet jeder nach seinem Stil. Sicher gibt es Parallelen – so weiß ich, dass Reuter erst zuhört, abwägt und nicht im Affekt entscheidet. Sicher werde ich auch neue, andere Wege gehen. Wichtig ist mir, dass der Fokus stets auf dem Wohl der Gemeinde liegt und möglichst alle abgeholt und mitgenommen werden. Seien es die Bürgerinnen und Bürger oder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Verwaltungsintern möchte ich einen strukturierten Personalentwicklungsplan erarbeiten, aus dem für jeden klare Perspektiven hervorgehen. Dies hilft langfristig bei der Planung von Qualifizierung und Weiterbildung und zeigt Entwicklungsmöglichkeiten.

Stichwort Corona: Skizzieren Sie die ersten zwölf Monate Ihrer Amtszeit mit Blick auf politische, gesellschaftliche und sportliche Reglementierungen.

Corona wird uns vor Herausforderungen stellen, die noch gar nicht klar erkennbar sind. Sei es beim Krisenmanagement, dem Einfluss auf wichtige Projekte oder den finanziellen Folgen von Steuerausfällen. Politisch wird eine Steuerung der Maßnahmen im Dialog mit den Betroffenen notwendig sein. Mit Augenmaß gilt es, die Gemeinde sicher durch diese Zeit zu führen. In Bezug auf Reglementierungen für Wirtschaft, Sport und Gesellschaft gilt dies gleichermaßen. Nur wenn es gelingt, alle Gewerbetreibenden, Vereine, Gastronomen, Kulturschaffende und sonstige Institutionen bestmöglich Zeit zu unterstützen, können wir auch in Zukunft auf die Vielfalt unserer Gesellschaft bauen. Ich bitte alle Mainhäuser, ihren Beitrag zu leisten.

Was erwarten/erhoffen Sie sich von der geplanten Erweiterung des Camping-Areals um 85 Hektar?

Das ist so nicht richtig. Die Gemeinde hat zum Preis von 19 000 Euro etwa 85 Hektar von der Basalt AG – größtenteils Naturschutzgebiet – erworben. Nur 2500 m² werden zur Verlagerung des Caravan-Abstellplatzes verwendet. Nördlich der Natostraße am Campingplatz wird so eine Fläche für Tagescamper frei. Die Erweiterung begrüße ich sehr, denn die Nachfrage für Camping und Caravaning steigt kontinuierlich und wird durch Corona verstärkt. Der Campingplatz ist wichtiges Element des Eigenbetriebes. Ein gut ausgelasteter Campingplatz gleicht die Defizite der Badeseen aus und ermöglicht es, Naherholungseinrichtungen bereitzustellen. Nächstes Jahr folgt der Neubau des Eingangsgebäudes, der Landeszuschuss ist bereits eingegangen. 2022 soll ins Betriebsgebäude in Zellhausen investiert werden. Da läuft der Antrag auf Bezuschussung.

Nach Bekanntwerden des hohen Sanierungsbedarfs am Bürgerhaus Zellhausen hat die Gemeinde das Rathausprojekt „2 in 1“ vorläufig gestoppt. Wie soll´s weitergehen?

Das Projekt Rathauszusammenlegung läuft wie geplant, nur die energetische Sanierung im Bürgerhaus Zellhausen ist gestoppt. Untersuchungen der Bausubstanz haben ergeben, dass die Kosten einer Sanierung nahezu identisch mit denen eines Neubaus sind. Daher war es richtig, den Neubau separat zu betrachten. Das Bürgerbüro Mainflingen ist bereits in Betrieb und bietet eine neue Servicequalität. So können in beiden Ortsteilen alle Anliegen von Bürgerservice, Pass- und Meldewesen zu erweiterten Zeiten in Anspruch genommen werden.

Die Baugebiete Mainfächer (Mainflingen) und Zellhausen Süd werden die Einwohnerzahl deutlich anheben. Wo sehen Sie Mainhausens Grenze bei baulicher Erweiterung und Einwohnerzahl?

Über diese Baugebiete hinaus sehe ich derzeit keine Erweiterung. Erstens: Die verkehrliche und soziale Infrastruktur muss mitwachsen. Zweitens: Die Integration von Neubürgern ins soziale Gefüge braucht Zeit. Bei zu schnellem Wachstum werden neue Baugebiete zu autarken Siedlungen ohne Anschluss an Vereinsstruktur und Gemeindeleben. Wenn beide Gebiete bewohnt sind, kann man neu beurteilen, ob weiteres Wachstum verträglich ist. Klar ist, dass wir meiner Generation die Möglichkeit bieten müssen, sich niederzulassen. Nichts ist schlimmer als Überalterung aufgrund fehlender Entwicklungsperspektiven! Bereits jetzt verlieren wir Arbeitskräfte, Feuerwehrleute und Übungsleiter, weil kein Wohnraum zur Verfügung steht und kein Immobilienerwerb möglich ist. Ebenso sollten Ältere bleiben können, deshalb werde ich mich für seniorengerechtes Wohnen einsetzen. Ich glaube auch: Wir müssen uns um die Revitalisierung der Ortskerne kümmern.

Die vierte Änderung der Landesentwicklungsplanung dürfte erhebliche Auswirkungen auf Mainhausen haben. Wie beurteilen Sie einen Basisdichtewert von 40 Wohneinheiten/Hektar und die Reduzierung von Kleinzentren wie Mainflingen auf eine Grundversorgungsfunktion (Metzger, Bäcker, mobile Verkaufsstelle)?

Ich finde die Vorgaben für eine Gemeinde unserer Größe nicht gut. Selbstverständlich muss man einen Fokus auf Reduzierung des Flächenverbrauchs legen. Neue Wohngebiete müssen sich aber in die umliegende Bebauung einfügen. Man erkennt im Mainfächer, welche Auswirkungen verdichtetes Bauen hat. Jeder kann sich ausmalen, welche Auswirkungen 40 Wohneinheiten pro Hektar haben. Gleiches gilt bei der Grundversorgung. Natürlich muss ortsnahe Versorgung gewährleistet sein, zumal wenn man das Verkehrsaufkommen und demografischen Wandel betrachtet. Deshalb hat die Gemeindevertretung auf Initiative der SPD eine Stellungnahme zum Landesentwicklungsplan verabschiedet. Wir fordern das Land auf, im Ballungsraum Frankfurt die Dichtewerte nach Gemeindegröße zu differenzieren. Es ergibt keinen Sinn, Neu-Isenburg mit Mainhausen gleichzusetzen. Für Zellhausen Süd wollen wir auf einen guten, strukturierten Mix kleiner und größerer Wohnformen achten, um eine ans Ortsbild angepasste Struktur zu gewährleisten.

Die Internetseite der Gemeinde soll erweitert werden mit zusätzlichen Informationen und Angeboten. Für Sie ein absolutes Muss oder ein Service, der den Kontakt mit einem Rathausmitarbeiter noch lange nicht ersetzen kann?

Viel kann inzwischen online erledigt oder teilweise bearbeitet werden. Trotz allem wird der persönliche Kontakt weiter wichtig sein, werden Rathaus und Bürgerbüro mit ihren motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Ansprechpartner bleiben. Viele Themen kann man nicht ins Internet verschieben. Aber in Zukunft muss das Online-Angebot wachsen. Für den Informationstransfer müssen neue Kanäle bedient werden. Da sehe ich neben einer sinnvollen Funktionserweiterung von Internetseite und Mainhausen-App die Einbeziehung sozialer Netzwerke. Gleichwohl bleibt die Bedeutung der Tagespresse. Mainhausen muss auf allen Kanälen präsent und Vorreiter sein. Als erste komplett mit Glasfaser erschlossene Kommune Hessens sollte es unser Anspruch sein, den Wettbewerbsvorteil zu nutzen und die Digitalisierung voranzutreiben. Corona hat gezeigt, wie wichtig der von Disser und der SPD angekurbelte Glasfaserausbau ist.

Beschreiben Sie kurz Ihre Konkurrenten um den Chefsessel im Rathaus, deren mutmaßliche Stärken und Schwächen.

Ich möchte kein Urteil über meine Gegenkandidaten abgeben. Das sollte die Fairness gebieten. Die Bürgerinnen und Bürger konnten sich ein detailliertes Bild von allen Kandidaten machen.

Welche Schlagzeile würden Sie nach 100 Tagen im Bürgermeisteramt mit großer innerer Zufriedenheit erfüllen?

„Bürger mit den ersten Entscheidungen von Frank Simon sehr zufrieden.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare