Sandsäcke gegen Hochwasser: 10.000 Stück sind gefüllt

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Wie moderner Hochwasserschutz aussehen kann, darüber informierten sich Brandschützer von einem Dutzen Wehren aus Flussanlieger-Kommunen jüngst in Mühlheim. Das mobile System, bei dem einfach und schnell Wasser in Bottiche gefüllt wird, die dann in kürzester Zeit zu einem Schutzwall aufgestellt werden können, hat bereits 2011 eine Bewährungsprobe am Frankfurter Römer bestanden. Es sei schneller einsetzbar und effektiver als Sandsäcke, erläuterten Vertreter der Herstellerfirma.

Mühlheim (hov) - Anders als im Vorjahr, als zum für die Jahreszeit üblichen Regen und Schnee auch noch das Tauwetter hinzukam, sind die Mainanlieger in Sachen Hochwasser bislang ja sehr glimpflich davon gekommen.

Dennoch hat der Mainpegel der Mühlheimer Fähre auch gestern wieder eine Zwangspause eingebrockt. Fährmann Peter Spiegel sagte nachmittags auf Anfrage, dass die Verbindung zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim frühestens am morgigen Donnerstag wieder aufgenommen werden könne. Die Pegel des Mains fielen und stiegen abwechselnd leicht, so dass gestern keine eindeutige Entwicklung erkennbar gewesen sei, berichtet der Fährmann.

Heribert Hennig hingegen lassen die aktuellen Pegelstände des Mains kalt. „Am Montag kam vom Regierungspräsidium Darmstadt Entwarnung“, berichtet der Stadtbrandinspektor, und auch die Hochwassermeldestufe 1 sei nicht ausgerufen worden. Ab 3,50 Metern müssen Hennig und seine Leute Gewehr bei Fuß stehen, „daran sind wir mit 3,48 Metern knapp vorbeigeschrammt“. Doch weil das nächste Hochwasser bestimmt kommt, sei man „gut vorbereitet und daher entspannt“. 10 000 Sandsäcke sind gefüllt und auf Lager, auch sonst ist man gewappnet, um im Hochwasserfall 4,4 Kilometer Mainufer zu verteidigen, 5,5 Kilometer Rodau und 1,8 Kilometer entlang des Bieberbachs. Dafür stehen Hennig innerhalb kürzester Zeit die Mühlheimer Feuerwehren, Mitarbeiter von Bauhof und Verwaltung sowie des Roten Kreuzes und der DLRG zur Seite.

Allerdings: Ab einer gewissen Hochwasserlage stehen auch die Mühlheimer selbst in der Verantwortung, sich und ihr Eigentum zu schützen. So hatte das Stadtparlament vor fünf Jahren auf Empfehlung des Regierungspräsidiums eine Wasserwehrdienstsatzung beschlossen. Denn eine solche verlange das Wasserhaushaltsgesetz von allen Städten, die einen Deich haben, erklärt Hennig.

Hört sich nach jeder Menge Pflichten an

Hört sich nach jeder Menge Pflichten an. Heißt aber nicht, so erklärt Hennig, dass bei jedem Hochwasser Mühlheims Bürger an den Main abkommandiert werden. Grundsätzlich sei die Satzung als eine versicherungstechnische Absicherung für alle anzusehen, die helfen. Zwar besagt das Regelwerk sinngemäß, dass jeder Einwohner Mühlheims, der zwischen 18 und 28 Jahre alt sowie körperlich und geistig fit ist, dazu verpflichtet werden kann, bei Hochwasser auf dem Damm Streife zu laufen. Und wer zum Wasserwehrdienst nicht erscheint, dem kann sogar ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro aufgedrückt werden. Aber „in der Praxis wird das so ablaufen, dass die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Hilfsorganisationen den Dienst übernehmen“, erläutert Hennig, der auch Leiter der örtlichen Wasserwehr ist. „Erst wenn´s wie damals an der Elbe ganz schlimm kommen würde, weit also nach Meldestufe 3 über mehrere Tage“, könnte es ein, dass man Bürger dazuholen muss. Hennig: „Ich glaube aber, es wird nie der Fall sein, dass wir Leute verpflichten müssen, denn wenn eine echte Notlage eintritt, helfen ohnehin viele mit.“

Wer sich über Meldestufen informieren möchte, dem empfiehlt Hennig die Internetseiten des Hochwassernachrichtendienstes Bayern (www.hnd.bayern.de), „denn von dort kommt das Wasser nach Mühlheim“.

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