300 Liter heimische Spezialität

Ewald Ricker keltert in seinem Schuppen aus eigenen Äpfeln Saft

Die Presse holt aus den Äpfeln auch noch den letzten Tropfen heraus. Dann kann Ewald Ricker Saft von Äpfeln aus eigenem Anbau genießen.
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Die Presse holt aus den Äpfeln auch noch den letzten Tropfen heraus. Dann kann Ewald Ricker Saft von Äpfeln aus eigenem Anbau genießen.

Brettchen, Klötzchen, Brettchen, Klötzchen. Ewald Ricker macht Druck. Das heißt, eigentlich übt den Druck die Presse aus, die auf den Holzstapel in seinem Schuppen wirkt. Zwischen dem Holz hat er rechteckige Siebe mit der Maische eingeschoben, die er aus der kleinen Mühle nebenan gewonnen hat. Unten fließt köstlicher Süßer in einen Eimer, erst mit flottem Strahl, zum Schluss mit einem dünnen Rinnsal.

Mühlheim – Das ist die Grundlage für einen naturreinen Apfelsaft – oder einen spritzigen Äppler.

Ricker zählt zu den Gründern der Regionalschleife Stadt und Kreis Offenbach auf der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute. Betriebe mit großem Namen wie die Alte Wagnerei sind in Mühlheim dabei, aber auch Christen der evangelischen Friedensgemeinde bilden Posten auf dem Weg von Obstanbau und Verkostung. Ewald Ricker ist gewissermaßen berufen, die Kultur der Apfelverarbeitung fortzuführen.

Die Familie hegt eine Parzelle auf dem Gailenberg, dem Eldorado für hochstämmiges Obst. 60 Bäume Kelterobst nennt sie ihr eigen, Rheinischer Bohnenapfel, Trierischer Weinapfel, Schafsnase und Landsberger gedeihen über dem Wärme speichernden Basaltboden der eigenen Parzelle. Vor 25 Jahren haben sie ein Dutzend weiterer Stämme gesetzt, die grüne oder rote Boskop hervorbringen.

„2020 haben wir wieder nachgepflanzt, weil uns mehrere Bäume durch die enorme Hitze im Sommer der vergangenen Jahre eingegangen sind“, berichtet Ricker, „obwohl wir viel Wasser gegossen haben.“ Auf der höchsten Erhebung der Mühlenstadt fühlen sich allerdings auch Wühlmäuse und Wildschweine wohl, die wenig Rücksicht auf die Pläne der Dietesheimer nehmen.

Dennoch, mit der aktuellen Ernte ist Ricker ganz zufrieden. Etwa zehn bis 15 Zentner wird er mit seinem Nachbarn und Bruder Uli einfahren, schätzt er. „Das gibt rund 300 Liter Saft“, freut sich die Ältere auf die heimische Spezialität. Geld verdienen will er damit nicht, die Produktion bereitet ihm einfach „Spaß an der Freud´“. Gedanken macht er sich allerdings schon, wer den Brauch einmal weiterführt, wenn die eigenen Knochen nicht mehr so mitspielen und er nicht mehr auf die Leiter klettern sollte.

„Du tust was für die Umwelt, pflegst die Bäume, schneidest die Äste, mähst die Wiese“, zählt der Apfelfreund auf. „Das haben schon meine Großeltern gemacht“, beschreibt er die Familientradition, „der Natur zuliebe. Aber die jungen Leute lassen sich nicht für das Hobby im Herbst erwärmen.“ Sagt er und schaltet noch einmal die Maschine ein, die mit 100 Bar Druck auch den letzten Tropfen aus der Masse herauspresst. (Von Michael Prochnow)

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