Spaß trotz Einschränkungen

Abgespecktes Ferienprogramm im Mühlheimer Jugendzentrum kommt an

Improvisation bei den Ferienspielen: Im Jugendzentrum verbringt der Nachwuchs eine Woche gemeinsam.
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Improvisation bei den Ferienspielen: Im Jugendzentrum verbringt der Nachwuchs eine Woche gemeinsam.

18 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sind für fünf Tage zu den Herbst-Ferienspielen der städtischen Jugendförderung angemeldet.

Mühlheim – Ein kräftiger Schuss Holzleim, eine Wolke Rasierschaum, ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe und ein Spritzer Kontaktlinsenlösung und der Schleim hat die ideale Konsistenz. Victoria und Dalwin füllen die glibberige Masse in flache Plastikschalen. Am liebsten heben sie die Pampe wie warmen Käse auf der Pizza in die Höhe. Der selbst gemachte Schleim eignet sich aber auch, um Figuren zu formen, erläutert die Zehnjährige und zieht eine Fratze.

Im Foyer des Jugendzentrums verteilen sich Schüsseln, Flakons und ein aufgeschnittener Kürbis. Aus Kastanien, Eicheln und Farben sind Pilze und Eulen entstanden. 18 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sind für fünf Tage zu den Herbst-Ferienspielen der städtischen Jugendförderung angemeldet. Bis zu fünf Betreuer messen zweimal am Tag die Temperatur der Teilnehmer – der höchste Wert war 37,8 Grad Celsius, protokollierte Alexander Meister. Nur eine Maske brauchen die jungen Mühlheimer nicht.

Die Sozialpädagogen achten darauf, dass sich die Schüler nicht zu nahe kommen und sich regelmäßig an den Behältern mit flüssigem Desinfektionsmittel bedienen. Essen teilen ist nicht mehr, zubereiten schon gar nicht, gemeinsam aus ein- und derselben Tasse trinken geht auch nicht. Es gibt Apfelschorle aus der Flasche.

Nur wenige toben im Freien mit einem Fuß- oder Basketball. Im Tanzsaal bewegt sich ein Duo vor den Monitoren zu den Vorgaben aus der Konsole. Die beliebtesten Spiele seien die Fußballsimulation Fifa, Skispringen, Boxen und Tennis zum Mitmachen. Das ist den Betreuern lieber, als wenn ihre Schützlinge nur die Daumen über die Tasten flitzen lassen.

Viele treten nämlich den ganzen Vormittag über in Internet-Computerspielen gegeneinander an, berichtet Meister. „Das haben sie sich während des Lockdowns angewöhnt“, weiß er. Seit einigen Jahren verfügt das Juz über einen offenen Zugang zum Netz, was die Kommunikation erleichtert. Nach dem Mittagessen, das fix und fertig angeliefert wird, heiße es aber „Smartphones ausschalten“. Dann improvisieren einige Jungs mit Betreuerin Aris Dimitriou die Situation, wenn bei Turbulenzen im Flugzeug eine Mahlzeit serviert wird. Für die Spielszene genügen zwei Stühle auf der Bühne. Und eine Portion Fantasie. Wie für die Bastler im Foyer. „Ich bin zum ersten Mal da“, sagt der siebenjährige Darwin. Ihm gefällt es, mit anderen Kindern zu spielen, „vor allem mit den größeren“. Auch die zehnjährige Victoria findet das Angebot „schön, hier kann man Sachen ausprobieren“, sagt sie und öffnet wieder den Deckel, in dem das Glibberzeug wabert. „Zu Hause ist nie jemand da – außer meine Schwester.“

Ganz ohne Einschnitte funktioniert die Corona-Version der Ferienspiele freilich nicht. Die Gruppe ist kleiner, erläutert Sprecherin Klara Ammouchi. Es gibt diesmal keinen Ausflug, weder in ein Schwimmbad noch in einen Freizeitpark oder in ein Museum. Die strengen Regeln verhindern auch, dass sich das Jugendforum mit bis zu 70 Teenagern trifft. Das würde auch per Video nicht funktionieren, fürchtet Meister. „Vielleicht geht’s in kleinen Gruppen.“ (Michael Prochnow)

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