ADFC-Tag im Rathaus-Innenhof

Unzufrieden mit Radwegenetz

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Mit einem festgelegten Code erhalten Fahrräder beim ADFC eine Art Kennzeichen, das auch die Polizei später zuordnen kann.

Mühlheim - „Codieren geht immer“, Kaffee und Kuchen auch, hat Jürgen Mälzer gelernt. Die antike Karbidlampe des Vorsitzenden dagegen ist zwar interessant anzusehen, ein Monstrum, mit dem die Radler vor fast 100 Jahren ihren Weg beleuchtet haben. Von Michael Prochnow

Doch sie bleibt ein Ladenhüter beim Stahlross-Flohmarkt, Teil des kleinen Jubiläumsfestes im Rathaus-Innenhof. An seinem regelmäßigen Treffpunkt feiert der Ortsverband Mühlheim im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sein 20-jähriges Bestehen.

Von den Gründern des Ortsverbands wohnt keiner mehr in der Mühlenstadt. Sieben waren sie, als sie die Gruppe am 23. November 1993 bei einem von ihnen daheim aus der Taufe hoben, erzählt Mälzer von den Anfängen. Kreisvorsitzender Stefan Janke aus Rodgau stand Pate. Radler seines Verbands legen auf ihrer Rundtour durch den Kreis einen Stopp am Rathaus ein, genießen Gebäck und heißen Kaffee, deren Erlös dem Verein „Hilfe für krebskranke Kinder“ in Frankfurt zugute kommt. Daneben lassen die Kameraden aus Rodgau noch den einen oder anderen Drahtesel codieren.

Einmischen in die Verkehrspolitik

Gerald Klatt führt wieder die Maschine gemäß der Formen der Zahlen- und Buchstaben-Kombination am anderen Ende der Teleskop-Halterung. Das OF, das zuerst in den Rahmen gefräst wird, steht für den Namen der Region. Es folgen Ziffern, die für Wohnort, Straße und Hausnummer des Besitzers stehen, seine Initialen und das Prägejahr. Die Daten werden in ein Programm eingespeist, auf das auch die Polizei Zugriff hat. Damit kann ein aufgefundenes Rad rasch seinem Halter zugeordnet werden.

Geduldig stehen beim Jubiläumsfest Zweiradfahrer vor Registrierung und Markierung in der Schlange. Etwa 20 neuen und recht teuren Tourenrädern, Mountain- und Elektro-Bikes wird Gerald Klatt ein Kennzeichen geben.

Zu den weniger sichtbaren Aktivitäten des Verbands zählt seit Anbeginn, sich in die Verkehrspolitik vor Ort einzumischen. Die ADFCler der ersten Stunde haben eine Schwachstellen-Analyse für das Radeln in Mühlheim erarbeitet, die derzeit aktualisiert wird, erklärt der Vorsitzende. Nach Umfragen des Bundesverbands ist die Stadt deutschlandweit zwar auf dem 32. Platz der Fahrrad-Freundlichkeit gelandet und beste im Kreisgebiet, „aber nur mit der Note Befriedigend“, relativiert Mälzer den Erfolg.

Bilder vom Frühlingsfest des ADFC in Rodgau

Frühlingsfest des ADFC

Klar, der Mainuferweg sei überörtlich sehr beliebt. Auch andere Verbindungen in der Gemarkung seien in einem guten Zustand, doch es existiere kein zusammenhängendes Radwegenetz. Die Gruppe wünscht sich, die Einkaufsmeile Bahnhofstraße für den Autoverkehr zu sperren. Wer auf der überregionalen Verbindung R4 entlang der Rodau fahre und den Deich an der Brückenmühle verlasse, dem kommen werktags zahlreiche Pkw entgegen, monieren die ADFCler. Kritik hagelt es auch für jene Eltern, die den Fahrradweg an der Lämmerspieler Brüder-Grimm-Schule zuparken.

Nach wie vor kämpft der Verein dafür, „die Leute in den Sattel zu bekommen“. Der ADFC wirbt darum mit der Krankenkasse AOK dafür, mit dem Rad zur Arbeit und zum Einkaufen zu fahren. Am kommenden Samstag, 27. April, startet Mälzer um 13 Uhr im Rathaus-Innenhof eine erste „lockere Trainingsausfahrt“ mit dem Mountain-Bike. Sie habe einen sportiven Charakter im Vergleich zur eher gemütlichen 1.-Mai-Tour nach Dreieich, bei der auch eingekehrt werde. Seit der vergangenen Saison führt ein eigenes Team an jedem zweiten Mittwoch (18.30 Uhr) und dritten Freitag (18 Uhr) im Monat Feierabend-Touren über 20 bis 40 Kilometer.

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