„Ältere nicht diskriminieren“

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Eine interessante Podiumsdiskussion fand jetzt im Schanz statt - Thema: „Opa und sein Führerschein“. Das Publikum blieb beim Thema Pflichtkontrollen für autofahrende Senioren kritisch.

Mühlheim ‐ Wenn überhaupt, dann sollten Verkehrstüchtigkeitskontrollen bei autofahrenden Senioren freiwillig erfolgen. So könnte man die Mehrheit der Wortmeldungen bei der jüngsten Podiumsdiskussion der Gruppe „Mühlheimer Gespräche - kontrovers“ im Schanz zusammenfassen. Von Heiko Wiegand

„Opa und sein Führerschein“ lautete das eingängige Motto des Abends. In dessen Verlauf lieferten sich der Mediziner Dr. Siegmund Drexler sowie der Leiter des Friedrich-Ebert-Gymnasiums, Jürgen Hegener, einen Pro-Contra-Schlagabtausch zum Thema des Abends: Soll der Besitz des Führerscheins zeitlich limitiert sein oder nicht?

Drexler wies in seinem Statement auf die immer umfänglicheren Anforderungen im Verkehr hin. Dem gegenüber stünden bei älteren Autofahrern ein vermindertes Reaktionsvermögen, weniger Sehkraft und Ablenkungen im Auto selbst, auf die Ältere sensibler reagierten als Jüngere. Wie Piloten, Busfahrer und Lokführer, die sich einer permanenten, regelmäßig wiederkehrenden Kontrolle unterziehen müssten, könnte das auch für ältere Autofahrer gelten. „Das öffentliche Interesse an der Sicherheit muss Vorrang haben“, betonte der Mediziner.

Führerschein wichtiges Stück Lebensqualität

Der Direktor des Mühlheimer Gymnasiums, Jürgen Hegener, warnte indes davor, das Alter als pauschalen Hinweis für Fahruntüchtigkeit heranzuziehen. Ältere Menschen führen langsamer und defensiver, weniger in Stoßzeiten und bei Dunkelheit und verursachten vor allem aufgrund ihrer Erfahrung weniger Unfälle mit Schwerverletzten oder gar tödlichem Ausgang als jüngere Autofahrer. „Man darf Ältere nicht diskriminieren. Sie sind durchaus in der Lage, viele der altersbedingten Defizite durch Erfahrung auszugleichen“, so Hegener.

Die Breite der Diskussion reichte von der Forderung nach verschärften gesetzlichen Regelungen über freiwillige Tests bis hin zur Beibehaltung des jetzigen Zustandes. In seinem Schlusswort wies Moderator Karl-Heinz Stier darauf hin, dass für alle autofahrenden Senioren der Führerschein ein wichtiges Stück Lebensqualität darstelle und sein Verlust unbestritten zu einer Vereinsamung führe. Er regte an, statt staatlicher Reglementierungen den Senioren auf freiwilliger Basis Kurse anzubieten, die ihre Kenntnisse auffrischen.

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