274 Photovoltaikanlagen gibt es in Mühlheim – Tendenz „zufriedenstellend“

Aktiv für den Klimaschutz

Rund vier Millionen Kilowattstunden Strom wurden 2020 aus Solarenergie in Mühlheim gewonnen. Auch auf einem Teil des Rathausdaches sind Solarpanels installiert.
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Rund vier Millionen Kilowattstunden Strom wurden 2020 aus Solarenergie in Mühlheim gewonnen. Auch auf einem Teil des Rathausdaches sind Solarpanels installiert.

2022 wird in Deutschland das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet. Bis 2050 soll der Endenergieverbrauch von Strom und Wärme möglichst zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden, heißt es im Hessischen Energiegesetz.

Mühlheim – Der Weg dahin ist noch weit. In Mühlheim allerdings haben einige damit schon begonnen. 274 Photovoltaik-Anlagen gibt es in der Stadt. 27 davon haben die Stadtwerke als Contracting-Anlagen „m.solar“ errichtet. Dazu befinden sich vier Anlagen auf Stadtwerke-Gebäuden, wie etwa dem Hallenbad oder dem Wasserwerk. Auch auf dem Rathaus fangen Solarpanels Sonnenenergie ein. Die gesamte installierte Leistung der Anlagen beträgt 4 260 Kilowatt bei maximaler Sonneneinstrahlung. Zum Vergleich: Ein Elektroherd hat rund sechs Kilowatt Anschlussleistung, ein Supermarkt etwa 100 Kilowatt. „Die Höchstleistung, die ganz Mühlheim an einem Winterwerktag bezieht, beträgt rund 14 200 Kilowatt“, informiert Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Kressel. Nur ein wenig mehr als ein ICE-Zug, der bei voller Beschleunigung etwa 12 000 Kilowatt benötigt.

Vorreiter: Jürgen Ulmer hat im Jahr 2000 eine Photovoltaikanlage selbstständig auf seinem Dach installiert.

Rund 1900 Sonnenstunden gibt’s laut Deutschem Wetterdienst durchschnittlich im Jahr in Mühlheim. Damit gehört die Stadt gemessen an der Sonneneinstrahlung zu den besseren Lagen in Deutschland, meint Kressel. „Meiner Meinung nach ist Solarenergie in der Tat das, worauf man in den kommenden Jahren den Ausbaufokus legen müsste.“ Es gebe in Deutschland endlos viele Dachflächen, auf denen man Anlagen errichten könnte. Er halte Solarenergie auch für wesentlich ausbaufähiger als Windkraft. „Photovoltaikanlagen haben keinerlei negative Auswirkungen“, betont der Stadtwerke-Chef.

Bei Ulmer habe sich die Investition nach zwölf Jahren amortisiert

Einer, der es wissen muss, ist Jürgen Ulmer. Der Lämmerspieler war nach eigenem Bekunden im Jahr 2000 der erste in der Mühlenstadt, der auf dem Dach seines Hauses erzeugten Strom ins Netz einspeiste und den Stadtwerken über seine Photovoltaikanlage durchschnittlich 2400 Kilowattstunden pro Jahr zur Verfügung stellt. Als Spitzenleistung können seine Panels 2700 Watt produzieren, sagt Ulmer. Mehr als 30 000 D-Mark hat er damals investiert. Er hat die Anlage selbst aufgebaut und angeschlossen, informierte regelmäßig interessierte Bürger und Gruppen. „Heute sind die Anlagen günstiger“, weiß Ulmer, „dafür gibt’s kaum noch Geld fürs Einspeisen“. Zwischen 10 000 und 12 000 Euro kostet eine 10-Kilowatt-Anlage für ein Einfamilienhaus, informiert Kressel.

Eine Investition, die sich im Laufe der Zeit rentiert. Bei Ulmer habe sich die Investition nach zwölf Jahren amortisiert, „zwischen elf und 13 Jahren sind normal“, erläutert der Experte. 20 Jahre lang habe er Zuschüsse erhalten, jetzt werde die 21 Quadratmeter große Anlage umgebaut für den Eigenstromverbrauch.

Sechs Sonnenkollektoren dienen zusätzlich dazu, das Brauchwasser in Dusche, Waschmaschine und in der Fußbodenheizung zu erwärmen. Die Hochleistungskollektoren bedecken rund zwölf Quadratmeter des Satteldachs und haben rund 15 000 Mark gekostet. Die Solaranlage umfasst einen Pufferspeicher und die technische Steuerung im Keller. „Bis heute hat es keinen Ausfall und kein anderes Problem gegeben“, resümiert der gelernte Elektrotechniker. Nicht zuletzt für den Umweltschutz, findet Ulmer, „die Sonnenenergie lohnt sich auf jeden Fall“.

Vorreiter: Jürgen Ulmer hat im Jahr 2000 eine Photovoltaikanlage selbstständig auf seinem Dach installiert.

Der Meinung ist auch Kressel: „Solarpanels halten ewig, mindestens 30 Jahre.“ Man sollte kalkulieren, dass der Wechselrichter mal nach zehn bis 15 Jahren kaputt gehen könne. In aller Regel könne man den Bau einer Photovoltaikanlage wirtschaftlich darstellen. Allerdings gehe es den meisten darum, aktiv etwas für den Klimaschutz zu tun. Kaum einer baue eine Photovoltaikanlage aus wirtschaftlichen Erwägungen. Die Nachfrage sei trotz geringem Werbeaufwand seitens der Stadtwerke „zufriedenstellend“. Auch seien die Anlagen schnell installiert. „Wenn keine Hindernisse auf dem Dach sind, ist das eine Sache von vier Wochen“, sagt Kressel.

Die gesamte solare Erzeugung im vergangenen Jahr in Mühlheim lag bei rund vier Millionen Kilowattstunden, das entspreche dem Verbrauch von 1150 „Durchschnittshaushalten“, erläutert der Stadtwerke-Geschäftsführer. Der Verbrauch im gesamten Mühlheimer Netz lag 2020 bei 77 Millionen Kilowattstunden. (Michael Prochnow Und Ronny Paul)

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