„Projekt Festgarnitur“

Alles, was Schülern hilft

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Petra Müller ist Vorsitzende des Fördervereins des Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasiums.

Mühlheim - Die Vorstellung der Projekte, mit denen sich Mühlheimer Vereine um Geld aus den vom Holzland Becker und unserer Zeitung mit 7500 Euro gefüllten „Klingelnden Vereinskassen“ bewerben, geht mit dem Förderverein des Friedrich-Ebert-Gymnasiums weiter. Von Jessica Liederbach 

Er investiert in alles, was Schülern hilft. Auch beim Zusammensitzen – das Mobiliar dafür will bezahlt sein. Unabhängigkeit von Getränkehändlern erträumen viele Menschen. Die einen, um keine Kästen mehr schleppen zu müssen. Andere, weil sie alkoholischen Versuchungen nur schwer widerstehen. Der Grund, mit dem es der Förderverein des Friedrich-Ebert-Gymnasiums ins Finale der Aktion „Klingelnde Vereinskassen“ geschafft, hat, ist anders gelagert: Sein Projekt heißt „Festgarnitur“.

Es ist aus der Erfahrung geboren, dass der Verein bei Getränkebestellungen für von ihm unterstützte Projektwochen, Einschulungsfeiern, Schulfeste und Jubiläen zuvor quasi als Bonus kostenlos mitgelieferte Tische und Bänke für viel Geld mieten musste.

„Das entspricht natürlich nicht den Zielen und Aufgaben unseres Fördervereins“, sagt Petra Müller, die Vorsitzende. Mitgliedsbeiträge und Spenden sollen ja in erster Linie die Schule fördern und nicht die Wirtschaft. Logisches Fazit: Eigenes Mobiliar muss her. Klarerweise keins aus dem Designer-Katalog. Mit dem Vereinskassen-Geld könnten mehrere Festzeltgarnituren bezahlt werden.

Mühlheims seit Jahren mit beengten Verhältnissen kämpfendes Friedrich-Ebert-Gymnasium (FEG) – vom Kreis Offenbach kurz vor den Sommerferien mit der Zusage für einen Befreiungsschlag in Form eines Erweiterungsbaus erfreut – und sein Elternbeirat plus die Schülervertretung sind eng mit dem Förderverein (VFF) verzahnt. Aus seinen Reihen fließen Geld und vor allem ehrenamtliche Hilfe für Projekte, die sonst einfach nicht möglich wären.

Das reicht von der Schulhofbepflanzung, Musikinstrumenten und Infoabenden zu Elternthemen über den Kauf von Büchern, Sportgeräten, Bühnenausstattungen und Abiturauszeichnungen sowie der finanziellen Unterstützung von Klassenfahrten und Schüleraustauschen bis zur „pädagogischen Mittagspause“. Dazu gehören auch die Sitzinseln im Schulhof, der Kleinkunstabend „Förderstunde“ im Schanz, das digitale schwarze Brett im Forum, die Begrünung der Pausenhalle und die ebenfalls aus der Vereinkasse finanzierten Wasserspender als Kampfansage an flüssiges Zuckerzeug. Kurz: Fürs Lehren ist die Schule zuständig, für ein gutes Lernumfeld auch der Förderverein. Er greift überall dort ein, wo von öffentlichen Stellen nicht genug oder nichts zu holen ist. Bei der Renovierung der Schulbücherei etwa – „schöner lernen“.

Ohne Geld ist da wenig zu machen. Den Kosten gegenüber stehen Einnahmen beispielsweise aus Mitgliederbeiträge – Einzelne zahlen 30 Euro pro Jahr, Familien 36 Euro – und Spenden. Knapp ist’s eigentlich immer. Absprachen und Koordination sind da elementar.

In regelmäßige Vorstandssitzungen und andere Treffen, E-Mail-Kontakte, Telefonate und die unter Lehrern, Schülern und Eltern regelmäßig geschalteten Umfragen investieren Petra Müller und ihre Mitstreiter viel von ihrer Freizeit. Es gebe mittlerweile mehr als 350 Mitglieder. Aber natürlich, sagt die Vorsitzende, freue sich der Verein immer über Nachwuchs. So lasse sich die Arbeit auf weitere Schultern verteilen. Es gebe noch viel zu tun.

Einfach beitreten oder spenden geht natürlich auch. „Unsere Gesellschaft funktioniert nur, indem man in dieser freiheitlich demokratischen Gesellschaftsordnung etwas zurückgibt“, sagt die Diplom- Verwaltungswirtin Petra Müller. Der Förderverein praktiziere das ja auch. Vergangenes Jahr hat er für seine fleißigsten Schüler einen Ehrenamtspreis ins Leben gerufen. Er zeichnet außerschulisches Engagement und ehrliche Hilfsbereitschaft aus und wird zur akademischen Feier ausgehändigt, zusammen mit den Abiturgeschenken an die Jahrgänge. Das sei auch ein Motivator, um den Absolventen die Zukunft schmackhaft zu machen.

Das funktioniert nicht alleine am Ende der schulischen Laufbahn. Besagte „pädagogische Mittagspause“ etwa verhilft den Jugendlichen zu neuen Perspektiven. Dazu gehören Nähkurse, die Garten-AG oder Experimente. Im Idealfall entfacht das Angebot des Experimentierens das Interesse, Physik oder Chemie zu studieren. Oder die Garten-AG, sich in einem Biologie-Studium zu spezialisieren und die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Dann wäre ein Ziel des Fördervereins erreicht – bis zum nächsten Jahrgang.

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