Wo ein Alligator Barsche jagt

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Freuen sich über den fertiggestellten Aussichtssteg am Nachenhafen: Bauamt-Mitarbeiterin Anne Schleißner, Altbürgermeister Bernd Müller, Regionalverbandsdirektor Heiko Kasseckert, Statiker Reiner Schabel, Architekt Gerald Marx, Professor Georg-Christof Bertsch, Stadtverordnetenvorsteher Harald Winter und Bürgermeister Daniel Tybussek (von links.).

Mühlheim - Erstaunte Blicke erntet derzeit das Dietesheimer Mainufer in den Abendstunden. Wann immer Radfahrer oder Spaziergänger in der vergangenen Woche den alten Nachenhafen passierten, schauten sie überrascht noch einmal genauer hin. Von Simon Broll

Ihnen allen war das neu angebrachte Schild an der Spundwand aufgefallen, auf dem in großen Buchstaben „Willkommen am Amazonas“ steht.

Die Tafel ist Teil der neuen Klimaroute, die in Mühlheim beginnen und entlang des Flusses über Offenbach und Frankfurt bis nach Kelsterbach verlaufen soll. Neben den großen Lettern ziert auch ein Steg das alte Hafengelände und soll damit auf Fischarten der Region aufmerksam machen. Am Samstagabend wurde die Station mit einem kleinen Festakt feierlich eröffnet.

Mehr als 150 Interessierte waren der städtischen Einladung gefolgt und kamen ans Mainufer – eine Resonanz, die die Erwartungen der Veranstalter bei weitem überstieg. Dementsprechend mussten zahlreiche Besucher den Eröffnungsreden im hinteren Teil des Festzeltes lauschen, statt auf den vorbereiten Stühlen Platz zu nehmen. Die Laudatoren zeigten sich dem stehenden Publikum wohlgesonnen und hielten ihre Ansprachen dementsprechend kurz.

„Willkommen am Amazonas“ steht auf der 25 Meter langen Tafel, die des Abends mit leuchtender Farbe die Fischwelt des südamerikanischen Stroms an den Main bringen soll.

Bürgermeister Daniel Tybussek zeigte sich mit dem Ergebnis der Umbaumaßnahmen am Nachenhafen sichtlich zufrieden. „Mit dem Aussichtssteg haben wir einen weiteren Anziehungspunkt für unsere Stadt geschaffen“, freute sich der Rathauschef. Ein großer Dank ging an den Regionalverband Frankfurt Rhein-Main, der im Rahmen des EU-geförderten Projektes „C-Change“ die Klimaroute ins Leben gerufen hatte.

Ziel der Aktion sei es, die Bevölkerung mit den Auswirkungen des Klimawandels vertraut zu machen und sie für umweltbewusstes Handeln zu sensibilisieren, erklärte Heiko Kasseckert. „Jede der acht Stationen ist einem Partnerfluss zugeordnet und widmet sich einem speziellen Thema, anhand dessen die Veränderungen durch die Erderwärmung erläutert werden“, fasste der Verbandsdirektor das Konzept zusammen.

Weil Dietesheim als Mitglied der Steinheimer Fischerzunft zu einer der ältesten Zünfte dieser Art in der Region zähle, habe man sich hier dem Thema Flussfische genähert. In Zusammenarbeit mit der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) wurden verschiedene Designentwürfe erarbeitet, um die schwindende Fischartenvielfalt auf der Welt in Szene zu setzen.

Die Umsetzung der Ideen fiel Uwe Tischer und Till Hergenhahn zu. Die beiden Designer hatten auf ihrer 25 Meter langen Tafel in schwarzer Farbe die bedeutendsten Mainfische wie den Barsch und den Aal aufgemalt. Gleichzeitig wurden in heller Nachtleuchtfarbe Fischarten des Amazonas wie etwa der Piranha oder der Arapaima, aber auch ein Alligator aufgetragen. „In den Abend- und Nachtstunden fangen diese Tiere an zu strahlen und werden im Wasser reflektiert“, erklärte Tischer. „Auf diese Weise haben wir das Leben im Amazonas nach Dietesheim gebracht.“

Bereichert wird die Schautafel durch einen Aussichtssteg, der vom Mühlheimer Architekten Gerald Marx konzipiert wurde. „Die Besucher können sich also nicht nur über die vielfältige Fauna informieren, sie dürfen auch einen Blick direkt in den Main werfen und selbst nach lebenden Arten suchen“, meinte Georg-Christof Bertsch, der als Honorarprofessor der HfG für das Gesamtprojekt Klimaroute verantwortlich zeichnete.

100.000 Euro kostete die Neugestaltung des Nachenhafens. Die Hälfte wird durch EU-Fördermittel aufgebracht. Außerdem hat nach Angaben von Bauamts-Mitarbeiterin Anne Schleißner der Regionalpark seine finanzielle Hilfe für das Projekt zugesagt.

Die gesamte Klimaroute soll im Spätsommer 2012 fertiggestellt werden. Bis dahin wird auch in Dietesheim die offizielle Informationstafel zum Projekt errichtet sowie erneut ein Wasserpflanzengärtchen entstanden sein.

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