Geschichtsverein lädt zum Mühlenfest mit Führungen und mehr

Andrang auch ohne Steg

Klassiker im Veranstaltungskalender: Der ehemalige Müllerborsch Ludwig Neunobel (links) und der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Karl-Heinz Stier, beim Mühlenfest. Dass auch Kaninchen- und Geflügelzüchter dem Ruf folgten, freute gerade die kleinen Gäste. Fotos: M

Mühlheim – Manche hatten es nicht mitbekommen und standen verwundert am Stahlzaun: Diesmal konnte das Technische Hilfswerk aus Offenbach keinen Metallsteg über die Rodau schlagen, um so auch vom Brückenmühl-Parkplatz einen Zugang zum Wahrzeichen der Stadt zu eröffnen. VON MICHAEL PROCHNOW

Aus diesem Grund war auch der Drahtesel-Treffpunkt des Fahrradclubs überflüssig. Dafür hatte der Geschichtsverein zum Mühlenfest am Eingang aufgerüstet.

Christian Peter, amtierender Äppelwoi-König in Dreieich, bewirtschaftete zwei Wagen mit Weinen sowie mit Wildschwein-Bratwurst, Feuer- und Mühlenrädchen.

Im Hof bot der Dietesheimer Imker Bernd Müller interessante Spezialitäten aus Honig, fürs Kuchenbüfett stellte die Altstadt-Bäckerei Hoffmann ihren Verkaufswagen zur Verfügung, Aktive des Sängerkranzes Dietesheim bewirteten die Gäste. Kaninchen- und Geflügelzüchter vom Grünen See in Dietesheim stellten ihre Tiere auf der Insel zwischen den Rodau-Armen aus.

Peter Mayer führte Besuchergruppen im Wechsel mit Hans-Jürgen Mloschin durch die Brückenmühle. Sie erläuterten das Zuppinger Wasserrad von 1900, das dem Verlauf der Rodau gerecht wurde. Da der Bach ein Gefälle von nur einem Meter von Lämmerspiel her aufweist, wurde das fast sechs Meter große Rad mit gebogenen Schaufeln anstelle von kleinen Wannen wie bei schneller fließenden Gewässern ausgestattet. Das Gerät ist 80 Zentimeter breit, sechs Meter im Durchmesser und erzeugt drei PS.

Vor etwa hundert Jahren wurde die Konstruktion mit Metall ausgestattet. „Die Laufeigenschaften waren besser, es quietschte nicht mehr“, erfuhren die Zuhörer. Die Zähne der Kraftübertragung waren allerdings weiterhin aus dem Holz der Weißbuche. War das System durch Hochwasser überlastet oder etwa durch Geäst im Bach gestört, brachen lediglich einzelne Zähne, nicht das komplette Rad.

Nun hat eine Fachfirma aus Thüringen die sogenannten Kämme erneuert, zeigte Karl-Heinz Stier. Rund 500 Zähne wurden durch Teile aus Hainbuchenholz ersetzt, das besonders hart sei. Die Vorgänger waren von Wind und Wetter angegriffen. Noch nicht entschieden sind Fragen zur Sanierung der Mühle und zur künftigen Nutzung. Im Gespräch sind ein Café und eine Ausstattung als Ort für Trauungen.

Die Teilnehmer der Führung lernten auch, dass bereits im 19. Jahrhundert die Müller die Reinigung des Korns von Unkraut und Strohhalmen übernommen haben. Die sehr trockenen Lieferungen mussten benetzt werden, um besser gemahlen werden zu können. Zu feucht durften die Körner auch nicht sein, sonst gab’s Matsch. Der 16. Teil des Mehls, lehrte Mloschin, gehörte dem Müller.

Nach der Einführung der Kartoffel konnten die Müller kaum noch vom Mahlen allein leben. Viele betrieben nebenher eine Landwirtschaft. So waren um das Jahr 1860 bereits 16 Menschen in der Mühle gemeldet, darunter Knecht und Magd sowie Gesellen, die gleich hinter der Tür am Mahlstein untergebracht waren – damit sie sofort zur Stelle sein konnten, falls das Getriebe mal nicht rund lief. Die zwei Stunden Wartezeit, während ihr Korn gemahlen wurde, verbrachten die Bauern in einer Kammer, in der starke Tropfen gereicht und Müllerstöchter bewundert wurden.

Dank der Erfindung der Walzenstühle konnte weißes Mehl hergestellt werden. Es ist haltbarer und somit lagerfähig, hieß es. Ihm fehlen allerdings die Getreidekeimlinge. Rost von den Walzen sei heute nicht mehr im feinen Mehl zu finden, verdeutlichte Mloschin, alle Großmühlen arbeiten mit Porzellanwalzen.

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