„Angst vor einem Getto“

„Bürger für Mühlheim“ wandern durchs Augenwaldgebiet und warnen vor möglicher Bebauung

Die „Bürger für Mühlheim“ wandern durchs Augenwaldgebiet.
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Die „Bürger für Mühlheim“ wandern durchs Augenwaldgebiet.

Ein neuer Stadtteil, so groß wie Dietesheim und Lämmerspiel zusammen? Der Gedanke an eine Ausweitung der Mühlenstadt in diesen Dimensionen lässt viele Bürger erschaudern. Laut Regionalem Entwicklungskonzept Südhessen (REK Südhessen), das das Regierungspräsidium Darmstadt veröffentlicht hatte, gebe es im sogenannten Augenwald-Gebiet Raum für bis zu 4000 Wohneinheiten.

Mühlheim –Nun trafen sich auf Einladung der „Bürger für Mühlheim“ (BfM) rund 40 Interessierte am Zentrum der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde, die mit der Anton-Dey-Straße einen Eckpunkt des Augenwaldgebiets bildet. Es reicht außerdem an den Waldrand, bis zu den Kleingärten am Maienschein und an die S-Bahnlinie als nördliche Begrenzung. Die BfM stellten das „potenzielle Baugebiet“ vor.

„Als interkommunales Wohngebiet unter Offenbach zu finden“

„Der Augenwald ist immer mal wieder Thema in der Politik“, blickte Fraktionsvorsitzender Dr. Jürgen Ries auf 30 Jahre Parlamentsarbeit zurück. „Schon zu Zeiten von Bürgermeister Werner Grasmück wurde über eine Nutzung des Areals diskutiert, die Aufstellung eines Bebauungsplans jedoch Ende der 1980er Jahre verhindert.“ Als Bauerwartungsland sei lediglich das Gebiet um den Mainstweg im Osten ausgewiesen worden.

Jetzt seien die Flächen „als interkommunales Wohngebiet unter Offenbach zu finden“, berichtete Ries von politischen Planspielen. Die Lederstadt sei durch den Flughafenbetrieb „unbewohnbar“, es dürfen wegen des Lärmbeschränkungsgebots keine weiteren Baugebiete ausgewiesen werden. Dafür könnten auf jedem der 60 Hektar des Augenwalds 60 Wohneinheiten errichtet werden, soll, so Ries, der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir aus Offenbach gesagt haben.

Das bedeute eine Erweiterung von Mühlheims Einwohnerzahl um 10 000, neue Schulen, Kindertagesstätten und Straßen. Die Zufahrt würde über die Ulmenstraße geführt werden, dem Stadtteil Markwald die Frischluftschneise genommen. Auch Trinkwasserbrunnen liegen auf dem Landstrich. „Es ist zu diskutieren, was für ein Gebilde da entstehen könnte“, mahnte Ries.

Mit sozialem Wohnungsbau „Druck aus dem Kessel“ nehmen

Die BfM möchten das Territorium nicht bebauen lassen, die Große Koalition im Rathaus habe sich in dieser Frage noch nicht festgelegt, hieß es. Nach Meinung des politischen Vereins sollte jede Fraktion ihre Stellung klar darlegen. Vor der Informationstafel über die Flora und Fauna im Augenwald schilderte Ewald Renner, Vorsitzender der „Bürger“ und Anwohner des Bieberer Wegs, seine Beobachtungen während der Corona-Ausgangsbeschränkungen: „Viele Leute haben mit dem Joggen begonnen, viele haben die Pflanzen-Vielfalt bewundert.“ Die Wege und Pfade spielen also auch für die Naherholung eine wichtige Rolle.

Stefan Heberer, Mitglied der „Bürger“, äußerte „Angst vor einem Getto“ nach Dietzenbacher Vorbild. Eine solche Siedlung sei nicht „gewachsen“. Ein anderer Teilnehmer fragte, wo junge Eltern noch bauen können, ein Einfamilienhaus sei nicht mehr finanzierbar. Ries plädierte, ein Bauträger könne verpflichtet werden, einen Teil seines Projekts im sozialen Wohnungsbau hochzuziehen, das nähme „Druck aus dem Kessel“. (Michael Prochnow)

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