Politik soll Bürger-Alarm-System einführen

Anruf vorm Einbruch

Mühlheim - SPD und CDU wollen, dass die Stadt das Bürger-Alarm-System einführt, mit dem die Polizei schnell und gezielt etwa über Trickdiebe, Einbrecher und vermisste Kinder informiert. Den entsprechenden Antrag soll die Politik bei ihrem nächsten Treffen beschließen. Von Marcus Reinsch 

Mühlheim als Kriminalitätshochburg einzustufen, würde selbst Zeitgenossen schwerfallen, die gerne hinter allem und jedem Böses sehen. Andererseits haben die objektive Krimi-Statistik der Polizei und das berühmte subjektive Sicherheitsgefühl vieler Bürger nicht zwangsläufig viel miteinander zu tun – schon gar nicht für Menschen, die schon einmal Opfer einer Straftat geworden sind. Hier setzt das sogenannte Bürger-Alarm-System an, dessen Einführung in Mühlheim die Große Koalition im nächsten Stadtparlament (öffentliche Sitzung 29. Juni, 18 Uhr, Rathaus, Friedensstraße 20) fordert. Der Magistrat soll den Auftrag bekommen, dieses Ziel in Gesprächen mit dem Offenbacher Polizeipräsidium Südosthessen, dem Kreis und seinen Gemeinden zu verfolgen.

Ein Bürger-Alarm-System besteht im Grunde aus einem Telefoncomputer, der alle angeschlossenen oder auch nur in einem bestimmten Bereich wohnenden Teilnehmer anruft und ihnen von der Polizei hochaktuell aufgesprochene Meldungen über verdächtige Vorfälle und konkrete Gefahren vorliest. Natürlich nur dann, wenn sich der Bürger kostenlos bei dem System angemeldet und bei Bedarf auch die Zeitspanne angegeben hat, während der er überhaupt angerufen werden will. Das verhindert zum Beispiel, dass nachts das Telefon klingelt.

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Rosemarie Palm und Marius Schwabe, die Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU, haben erstmal drei Augen-Offenhalten-Beispiele herausgegriffen: In einem Stadtteil oder einem Straßenzug sind Trickdiebe unterwegs, in Apotheken wird versucht, gefälschte Rezepte einzulösen – oder ein Kind wird vermisst.

Wie die Polizei beim Einbruchschutz hilft

Viele Städte hatten sich diesem System schon vor Jahren angeschlossen, bevor die ganz ähnlich funktionierenden sozialen Netzwerke im längst nicht mehr auf den heimischen Computer beschränkten Internet ihre heutige Verbreitung fanden. Überholt hat sich die polizeiliche Telefon-Buschtrommel dennoch noch nicht. Eine Telefonnummer hat schließlich immer noch jeder, einen Internetanschluss samt passender Geräte nicht unbedingt.

„Sicherheit geht uns alle an“, befinden Palm und Schwabe im Antrag. Mit dem Bürger-Alarm-System solle Mühlheim „der Kriminalität entgegentreten, um eine höhere Sicherheit in der Stadt zu erreichen“. Es setze auf die Unterstützung und Mitarbeit der Bürger „zur aktiven Vorbeugung von Straftaten“. Deshalb sollten möglichst viele Mühlheimer kostenfrei teilnehmen und es aktiv unterstützen durch Aufmerksamkeit, Beobachtungen und Meldungen. Die Kosten für die Einrichtung selbst solle die Stadt tragen, sie seien ab nächstem Jahr im Haushalt zu reservieren.

Rubriklistenbild: © dpa

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