Auf den Mix kommt’s an beim Äppler

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Die Juroren tauschten sich gegenseitig über die verschiedenen Apfelwein-Proben aus.

Mühlheim - Mühlheims Apfelweinkönig - den wählte der Verein der Apfelfreunde Rhein-Main am Sonntagmittag zum fünften Mal. Traditionell trafen sich Mitglieder der Runde an der Alten Wagnerei, und die milde Witterung ließ es zu, den Wettbewerb unter der Pergola im Freien auszutragen. Von Michael Prochnow

Immer wieder steckt Kai Böhm die Nase tief ins Gerippte. Zwischendurch nippt er vorsichtig an dem Apfelweinglas, schlürft das „Stöffche“ unanständig laut und blickt unentschlossen in die Ferne. Der junge Maschinenbauer hat eine gute Nase für die hessische Spezialität, führt er doch mit seinem Bruder Frank die Landkelterei Dietesheim. Ideale Voraussetzungen für das Amt eines Jurors für die Wahl des Mühlheimer Apfelweinkönigs.

Den wählte der Verein der Apfelfreunde Rhein-Main am Sonntagmittag zum fünften Mal. Traditionell trafen sich Mitglieder der Runde an der Alten Wagnerei, und die milde Witterung ließ es zu, den Wettbewerb unter der Pergola im Freien auszutragen. Das zog freilich immer wieder neugierige Blicke der zahlreichen Ausflügler auf die Aktion mit den tönernen Krügen.

Jeder der zehn Bembel auf den Tischen vor der Gartenwirtschaft trug eine Nummer - und immer wieder griffen die Mitglieder der Jury zu einem bestimmten Gefäß, um einen Schluck seines Inhalts nachzugießen. Der unbedarfte Zuschauer staunte darüber, dass regelmäßig der Rest aus dem Glas in einem Blecheimer geschüttet wurde...

„Nicht jedes Jahr ist der eigene Äppelwoi trinkbar“, erläuterte der Mitbewerber und Besitzer der Wagnerei, Walter Kaiser. „Uns Hobbykelterern schmeckt manchmal das eigene Produkt nicht“. Das gestand der Vorjahres-König, Friedel Meiß aus Rodgau-Niederroden, ebenfalls Juror für die Wahl seines Nachfolgers. „Wenn man nicht die richtige Mischung Äpfel erwischt oder die Früchte nicht genügend Säure haben“, führt Kaiser aus. Die großen Kelterer haben angesichts der zu verarbeitenden Mengen mehr Möglichkeiten, zu mischen. „Es kommt auf ein ausgewogenes Verhältnis von Säure und Zucker an“, lehrt Kai Böhm. Tafelobst weise kaum noch Säure auf, es sei für den Supermarkt-Kunden gezüchtet und eigne sich nicht fürs Keltern. Die Hobbykelterer fördern daher die Pflege der „Wirtschaftsäpfel“, die früher zum Backen und Kochen benutzt wurden. Sie lassen sich auch lange lagern.

Neben einigen Apfelfreunden, dem Vorjahreskönig sowie den Jungs von der Landkelterei wertete diesmal auch Daniel Tybussek, der neue Bürgermeister der Mühlenstadt. Die Juroren vergaben zwischen einem und fünf Punkten für die bereitgestellten Kostproben. Dabei bewerteten sie nach den Kriterien Farbe, Geruch, Geschmack und Aussehen. Die Bewertungsstufen umschrieben die Organisatoren mit „Schmeckt nach Essisch“, „Na ja“, „Kann mer trinke’“, „Verschenke’ mer“ und als Bestnote die Auszeichnung „Trinke mer selbst“. Der König des Jahres 2010 präsentierte während der Auswertung auch einen aufgezuckerten und mit einer speziellen Gärhefe vergorenen, sehr süßen Apfelwein-Sherry. Die Schärpe der Dietesheimer Kelterei und den Titel „Apfelweinkönig 2011“ trägt nun Peter Mankel aus Rodenbach-Niederrodenbach. Platz zwei errang das Getränk von Walter Roth aus der Mühlheimer Bahnhofstraße, den dritten Rang teilten sich Arno Hofmann aus Frankfurt-Nieder-Erlenbach und der Gastgeber und Ex-Wagnerei-Wirt Walter Kaiser aus Limeshain.

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