Auch das Material kommt unter die Lupe

Fachleute aus Lübeck prüfen Standfestigkeit der Straßenbeleuchtung im Mühlheimer Stadtgebiet

Die Standfestigkeit der Straßenbeleuchtung wird derzeit von Mitarbeitern der Firma Roch Services aus Lübeck in der ganzen Stadt geprüft. Foto: m
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Die Standfestigkeit der Straßenbeleuchtung wird derzeit von Mitarbeitern der Firma Roch Services aus Lübeck in der ganzen Stadt geprüft.

Markwald, Tannenweg, Laterne Nummer 4. Ein langer Arm mit stählerner Hand nähert sich zielstrebig dem Mast, umfasst ihn und rüttelt fast unsichtbar an der grau-grünen Säule. Ganz kurz schwankt das Gehäuse in luftiger Höhe.

Mühlheim – „Das war’s schon!“, ruft der Fahrer und steuert mit seinem kleinen, wendigen Kettenfahrzeug auf Laterne 3 zu. Zwei Mitarbeiter der Firma Roch Services aus dem schleswig-holsteinischen Lübeck messen in diesen Wochen in der ganzen Stadt die Standfestigkeit der Straßenbeleuchtung.

Fünf Minuten haben sie pro Mast angesetzt, informiert Prüftechniker Michael Hirth, der den Bagger fährt und die Messergebnisse am Laptop vor ihm registriert. Sein „verlängertes Auge“ heißt Jürgen Heinenberg, stellt er den Kollegen vor.

Der Vollbartträger in der Warnweste kettet den Greifer ans Rohr und stellt eine Kamera mit Messapparatur auf einem Dreibein-Stativ an die Säule.

Jetzt simuliert Hirth einen Sturm, lässt die Maschine in 1,80 bis zwei Meter Höhe an dem Objekt drücken und ziehen. Die Kraft entspreche der doppelten Stärke der stärksten Winde, die aus der Region bekannt sind. Das Computerprogramm hält die Auslenkung jedes einzelnen Lichtträgers in einem Protokoll fest, in Zahlen und Kurven. Sind Schilder montiert, verstärken die freilich die Energie des Windes, „das muss dann einberechnet werden“, unterrichtet der Techniker. Wahlplakate hängen nur temporär, die werden nicht berücksichtigt.

Bei Gefahr im Verzug wird der Mast sofort gemeldet

„Für die Kommunen und für unser Unternehmen ist das eine Win-win-Situation“, jeder hat etwas davon: Die Mühlenstadt muss nicht blindlings nach 30 oder 40 Jahren straßenzügeweise die Beleuchtung austauschen, sondern nur jene Lampen, die auf kritischen Trägern ruhen. Das dürften auch in Mühlheim zwischen einem und drei Prozent der Masten sein, schätzt Hirth.

Die Stadtwerke erhalten jedenfalls einen Bericht über jeden einzelnen Test. Ist aktuell Gefahr im Verzug, ruft der Techniker sofort bei seiner Auftraggeberin an.

Neben der Standfestigkeit der Masten testen die Männer das Material. „Die Wandstärke der Pfähle liegt normalerweise bei fünfeinhalb bis sechs Millimetern. In den 70er Jahren hat man am teuren Stahl gespart, die Wandstärke vermindert und verzinkt“, schildert der Baggerfahrer. „Aber das Zink blättert ab, dann bilden sich oft Löcher.“

Rund 40 Masten schaffen sie pro Tag. Somit werde das Team aus Schleswig-Holstein zwei bis drei Monate in der Mühlenstadt bleiben, rütteln und messen. (Michael Prochnow)

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