Infoabend der Grünen

Mainfähre: „Aus Verantwortung zappeln“

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Die überwiegende Mehrheit der Bürger in Mühlheim und Maintal dürften für den Erhalt der Fähre sein. Die Akteure um Dr. Jan Winkelmann (am Computer) wollen den Druck auf Kreise und Städte zu beiden Flussseiten erhöhen.

Mühlheim - Dass Politiker das Thema Fähre nicht für sich alleine haben, ist klar. Das im Oktober vom Kreis mindestens vorübergehend stillgelegte Pendeln zwischen Mühlheim und Dörnigheim bewegt die Herzen vieler Bürger. Von Stefan Mangold 

Bei einem Infoabend haben die Grünen versucht, die Debatte aus den Parlamentssälen zu tragen. Die Fähre steht still, aber wo ein Wille ist, findet sich bekanntlich ein Weg. Beim zwangsläufig auch parteipolitisch befeuerten Informationsabend der Mühlheimer Grünen zur seit der Stillegung durch den Eigentümer Kreis ungewissen Zukunft des Gefährts wurde das sichtbarer als sonst.

Beispielsweise in Gestalt einiger Maintaler Volksvertreter, die den Fluss zwischen ihnen und dem Schanz-Wohnzimmer zwangsläufig im weiten asphaltierten Bogen überquerten. Ums Zusammenrücken drehte sich der Abend auch inhaltlich. Zwar hat bisher kein einziges politisches Lager offiziell ein anderes Ziel formuliert als die Wiederbelebung der Fähre. Streit um das Wie und Wann hat es indes schon viel gegeben. Im Kreistag ebenso wie im Mühlheimer Stadtparlament (wir berichteten). Denn das Oppositionslager, dem die Grünen hier wie dort angehören, unterstellt dem rot-schwarz regierten Kreis Offenbach, das Thema Fähre einschlafen lassen zu wollen.

Klaus Seibert, Vize-Fraktionschef der „Wahlalternative Maintal“ im Stadtparlament auf der anderen Flussseite, beschleicht das Gefühl, „die wollen sich aus der Verantwortung zappeln“. Seine Parlamentskollegin Angela Lochmann, Mitglied im Vorstand der Maintaler Grünen, erzählt, sie habe zwar erfahren, dass sich beim Kreis Interessenten für den künftigen Betrieb der Fähre gemeldet haben (Anm. d. Red.: Landrat Oliver Quilling hat das Interesse potenzieller Pächter bestätigt). Eine Ausschreibung für die Fähre habe sie aber nirgendwo finden können.

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Womit das zusammen hängen könnte, erklärte Petra Schneider als Stadtverordnete der ebenfalls oppositionellen „Bürger für Mühlheim“ in der Runde: Der Kreis liege als Eigentümer der Fähre noch im Rechtsstreit mit der früheren Pächterfamilie. Denn der gehöre der Motor des Vehikels. Sie habe aber läuten hören, „dass sich ein Vergleich zwischen den Parteien andeutet“. So oder so: Erst wenn dieser Zwist vom Tisch sei, könne der Kreis die Pacht ausschreiben.

Klaus Seibert erinnerte daran, dass der Main-Kinzig-Kreis 15 000 Euro für die technische Instandsetzung des Fährbetriebs angeboten hat. Für ihn höre sich das allerdings ähnlich abstrus an wie das Vorhaben, „mit zwei Euro schick essen zu gehen“. Die Fähre sei schon 50 Jahre in Betrieb, „welches Fahrzeug fährt seit einem halben Jahrhundert?“

Deshalb müsse man prüfen, ob der Kauf einer elektrisch betriebenen Fähre eines Produzenten in Stralsund in Frage komme. Die koste 1,1 Millionen Euro. Mit Zuschüssen der Europäischen Union und des Landes Hessen blieben „im Schnitt nur 100.000 Euro für jede der vier Gebietskörperschaften“ Maintal und Mühlheim, Kreis Offenbach und Main-Kinzig-Kreis.

Spätestens an diesem Punkt gehen die politischen Positionen in den Parlamenten bisher weit auseinander. Von SPD und CDU in der Mühlheimer Stadtverordnetenversammlung festgeklopftes Signal an den Kreis Offenbach ist bekanntlich, dass kein Geld aus Mühlheim zu erwarten ist. Auch wenn das mittlerweile nur noch als verhandlungstaktischer Winkelzug interpretiert wird, um nicht zu früh und zu teuer in die Pflicht des Mitbezahlens genommen zu werden.

Allgemein unterstellt Marlies Schefer – Mitglied der grünen Kreistagsfraktion und deren Vertreterin in der Kreisverkehrsgesellschaft – den beteiligten Städten und Kreisen ein Kommunikationsproblem untereinander. Sie sagte: „Der Kreis hat mit der Fähre nichts am Hut.“ Das merke man auch daran, dass Seligenstadt gerne zitiert werde, denn „die Fähre dort betreibt die Stadt“. Es klinge im Kreis außerdem nicht gut, wenn Mühlheims Bürgermeister Daniel Tybussek immer betone, seine Stadt werde für die Fähre keinen Euro an Steuergeldern ausgeben. „Das ergibt ein scheppes Bild, wo Mühlheim doch direkt betroffen ist.“

Nichts geht mehr: Mainfähre außer Betrieb

Wichtiger: Die Maintal-Grüne Angela Lochmann spricht von ihrem Eindruck, „dass in Maintal die Bereitschaft besteht, sich an Kosten zu beteiligen“.

Nicht nur für Handwerker, Ärzte und Geschäfte sorge der Ausfall auf beiden Seiten des Flusses für starke Irritationen, erklärte Waltraud Kaiser. Und Edwin Schneider, der stellvertretende Vorsitzende der Bürger für Mühlheim, sprach davon, dass „die Region wächst, sich aber die Infrastruktur verschlechtert und der Bürgerwille missachtet wird“.

Wie sehr die Fähre die Bürger beschäftigt, zeigt die Petition für den Erhalt, die Jan Winkelmann im Internetportal change.org gestartet hat. Rund 1500 Menschen haben sie bisher digital signiert. Seitens der Grünen gehen die Gedanken „zum weiteren Druckaufbau“ darüber hinaus. Gewollt sind etwa eine Postkartenaktion, offizielle Anfragen an politische Gremien und die Inanspruchnahme des Rederechts für fachkundige Bürger im Stadtparlament. Der Maintaler Klaus Seibert sieht als Ziel, „die beiden Kreise und beiden Städte dazu zu bringen, sich endlich an einen Tisch zu setzen“.

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