Bäuche, Bärte und behaarte Beine

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Einige Männerballett-Gruppen sorgten auch für nackte Tatsachen.

Mühlheim - Nach der Fastnacht ist vor der Fastnacht. Und wer ein rechter Narr ist, der hat sein Kostüm jederzeit griffbereit. Am Samstagabend brauchten Männer aus Hanau, Darmstadt, Höchst im Odenwald und aus der Mühlenstadt ihre Verkleidung. Von Michael Prochnow

Der Karnevalverein (MKV) hatte zum 1. Männerballett-Spaßturnier um den „Possmann-Cup“ in die Willy-Brandt-Halle eingeladen. Der große Saal war fast voll besetzt und mit Hilfe der mitgereisten Anhänger entwickelte sich rasch eine ähnlich brodelnde Atmosphäre wie bei den Premieren der Gruppen.

Viele von ihnen bilden die Höhepunkte der Sitzungen, bringen die Stimmung in den Häusern auf den Siedepunkt. Klar, meist stecken stadtbekannte Gesichter mit Schnauz- und Backenbärten in abgetragenen Frauenkleidern. Die Auftritte von neun Teams wiesen einen Trend zu anspruchsvollen Inszenierungen und sportlichen Leistungen aus.

Die „Geisterjäger“ von TuS Griesheim ließen mit Hebefiguren, Sprüngen, Rollen und Pyramiden keinen Zweifel, dass ihre Wurzeln in einem Turnverein liegen. Rasch legten sie die „Ghostbuster“-Uniformen ab und absolvierten in schwarzen Turnhosen und T-Shirts ihre Übungen im Raver-Rhythmus. Schnelle Schritte zu einem flotten Disco-Medley wählten auch die Jungs von SG Eiche Darmstadt, die als Popeyes mit dicken Armen und Gummipfeife zwischen den Lippen Olivia umschwärmten.

Bilder vom Männerballett-Turnier

Turnier der Männerballette

Die Formation der „Eiche“ wurde nach einem Besuch der MKVler gegründet unter dem Motto, „was die könne’, könne’ mer aach“, erzählte Moderator Thomas Lauf. Mit prächtigem Kopfschmuck auf dem Haupt und Steckenpferden zwischen den Beinen zeigten die Mühlheimer Schippendales eine Choreographie zum Titellied der Fußball-WM 2010, „Waka waka“. Die Squaw am Marterpfahl war erlaubt, wenngleich das Reglement eigentlich keine Frauen zuließ: „Die war ‘ne Requisite“, entschied Lauf karnevalistisch-frech.

Mit Dirndln und blonden, geflochtenen Zöpfen oder „DJ Ötzi“ in Krachledernen formierten sich die Herren der KGE Egelsbach. Viel Wert auf Requisite und Ausstattung legte auch die 1. KG Klein-Auheim, die als Schwarzwaldmädchen und Wettermänner mit Kuckucksuhren und zweibeinigen Tannen tanzte. „It’s Raining Men“ und „Walking On Sunshine“ sind sehr beliebte Titel für Choreographien. Sie passten auch zur Farben-Explosion, die Blau-Gelb Höchst zündete.

Über eine „Schmetterlingswiese“ und bunten „Blumen“ erhoben sich gestandene Männer als Falter und „Willi“ mit „Biene Maja“: So gewannen die Odenwälder das Turnier. Den fast schon obligatorischen Striptease entwickelten die Katholischen Karnevalisten Mühlheim (KaKaM) als „Nonnen“ im „Sister Act“-Gewand. Die Nachbarn hatten mit zahlreichen Fans, darunter dem Prinzenpaar Christian und Marie-Christin, einen klaren Heimvorteil.

Brustbehaarung und Äppler-Trinker waren gefragt

Das galt auch für die Dietesheimer Feuerwehrmänner. Sie bestachen als Schwimmer. Selbst als „Flipper“ tauchten sie auf, im „knallroten Gummiboot“, das vom weißen Hai verfolgt wurde, und als Wasserballett. Doch die Juroren, je einer aus jedem beteiligten Verein, hatten klare Vorgaben für die Bewertung: Gaudi und Witz wogen 40 Prozent, die tänzerische Ausführung 25, die Idee 20 und die Kostüme 15 Prozent.

Da die Gastgeber mit mehr Teilnehmern gerechnet hatten, füllten sie längere Pausen. Aus den eigenen Reihen wirbelten die Nonstopp Girls und das Duo Fantasy Girls übers Parkett, die Gaga-Ladys sowie Stressless räkelten sich um Stühle. Großen Respekt zollte das fachkundige Publikum der Garde-Truppe von Weiß-Roth Steinheim, die mit einem Jungen in ihren akuraten Reihen und einem akrobatischen Programm Hessen-, Deutscher und Europameister wurde.

Weniger Leistung war beim Wettstreit um die üppigste Brustbehaarung gefragt. Die größten „Wadenbeißer“ wurden per Maßband ermittelt, die eifrigsten Äppler-Trinker per Strichliste: Die KaKaM hatte bis zu ihrem Auftritt bereits 28 Körbchen bestellt. Wobei die Kelterei auch alkoholfreie Spezialitäten anbot.

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