Trotz Aufregung über die erste Riesenantenne

Bahnhofstraße bekommt einen zweiten Mobilfunkmast

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Vier Wochen nach dem ersten Mast: Ein Kran bereitet am Brückenmühlparkplatz den Standort für die zweite Riesenantenne vor.

Mühlheim - Noch‘n Mast: Klingt wie ein Witz, ist aber keiner. Und es wäre auch ein schlechter. Denn nach Lachen ist in Erwartung des zweiten Mobilfunkmasts an der Bahnhofstraße innerhalb von vier Wochen nur wenigen zumute. Nach Strahlen sowieso nicht. Von Marcus Reinsch 

Schon die erste der Riesenantennen hat Anwohner auf die Barrikaden getrieben. Die Situation in der Kernstadt darf Mühlheim momentan so vorkommen, als ob Außerirdische für eine Invasion ausgerechnet die Bahnhofstraße als Landeplatz gewählt haben. Nur dass die Raumschiffe menschengemacht sind. War die Aufregung schon groß, als Vodafone Mitte März einen fast zehn Meter hohen Mobilfunkmast aufs Flachdach der Bahnhofstraße 59 stellen ließ, herrscht jetzt neben der Angst vor der Strahlung Sprachlosigkeit vor. Fast jedenfalls - Hans Pollrich, einer der Hauptakteure der momentan mit Protestnoten von Tür zu Tür ziehenden Mast-Gegner, tippte vom Brückenmühlparkplatz eine fassungslose Mail: „Gerade wird noch ein neuer großer Mobilfunkmast aufgestellt. Natürlich wieder mitten in einem dicht besiedelten Wohngebiet. Es haben sich rund um den Kran einige aufgebrachte Anwohner versammelt.“

Bestätigt hat sich: Die Bahnhofstraße bekommt tatsächlich einen zweiten Mast. Diesmal nicht von Vodafone, sondern von der Telekom. Diesmal nicht knapp unter zehn Meter hoch und deshalb in Hessen ohne Baugenehmigung möglich wie auf der Hausnummer 58, sondern etwa 15 Meter hoch und genehmigungspflichtig. Und diesmal nicht aufs Dach, sondern auf Erdgeschosshöhe an die Fassade, sodass er das dreigeschossige Gebäude mit der Nummer 3 um rund vier Meter überragen wird.

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Die in einem solchen Fall um Erlaubnis zu fragende Bauaufsicht des Kreises Offenbach, sagten gestern auf Anfrage, Bürgermeister Daniel Tybussek, Erste Stadträtin Gudrun Monat und der städtische Liegenschaftsmann Till Böttcher, hätten im August 2014 von der Stadt eine bebauungsplanrechtliche Stellungnahme dazu bekommen. Die sei positiv ausgefallen, weil sich das Bauvorhaben mit dem für die Bahnhofstraße gültigen Bebauungsplan habe vereinbaren lassen. Monat: „Es war uns gar keine andere Antwort möglich.“

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Wäre es auch nicht, wenn heute wieder ein Mobilfunkkonzern bei der Bauaufsicht anklopfen würde. Denn solche Anlagen für eine „nicht störende gewerbliche Nutzung“, das ist die behördliche Sprachregelung, seien außer in Wohngebieten letztendlich überall zulässig. Und die Bahnhofstraße sei ein Mischgebiet, beherberge also Wohnungen und Geschäfte. Es sei natürlich verständlich, dass „niemand einen Mobilfunkmast in seiner Umgebung haben will“, erklärte Tybussek. Auch wenn gleichzeitig der Ruf nach einer guten Versorgungssicherheit laut sei. Aber solche Standorte könne die Stadt „aus bauplanungsrechtlichen Gründen nicht versagen.“ Das Okay von der Stadt sei „alles andere als leichtfertig erfolgt“.

Tybussek will das Thema Mobilfunkmasten Anfang Juni in die Ausschüsse des Stadtparlaments tragen. Allerdings sehe er „auch das politische Handlungsfeld nach der derzeitigen Gesetzeslage eher beschränkt.“

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