Neue Klassenzimmer auf Stelzen

Baubeginn für Erweiterung des Friedrich-Ebert-Gymnasiums

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So könnte Axel Häsler das Friedrich-Ebert-Gymnasium, unten mit rotem Sportgelände, nicht mehr einfangen. Der Nachbar der Friedrich-Ebert-Haupt- und Realschule bekommt einen Erweiterungsbau mit acht Klassenräumen zu jeweils rund 60 Quadratmeter Größe. Inzwischen haben die Bauarbeiten begonnen, die Weitsprunganlage muss vorerst weichen. Im Laufe des Schuljahrs 2019/20 soll alles fertig sein.

Mühlheim - Das Hochbett ist eine Variante, in einer Wohnung effizient den knappen Raum zu nutzen. Am Friedrich-Ebert-Gymnasium geht man ähnlich vor. Seit Jahren gibt es zu wenig Platz. Jüngst hob der Bagger ein Loch auf dem Gelände aus. Von Stefan Mangold 

Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger machte sich ein Bild von den Bauarbeiten. -  Foto: man

Auf Stelzen entsteht ein neuer Bau für 240 Schüler. Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger machte sich ein Bild vor Ort. Als die Behörden in den Sechzigerjahren das Friedrich-Ebert-Gymnasium (FEG) planten, hatte Mühlheim weniger Einwohner und vor allem die akademische Minderheit schickte ihre Kinder aufs Gymnasium, weit weniger die viel zitierten kleinen Leute.
Stefan Sturm büffelte in den 70er und 80er Jahren selbst binomische Formeln und den Zitronensäurezyklus auf dem FEG. Vor sechs Jahren kehrte er als Schulleiter zurück. „Die Raumnot besteht schon ewig“, meint Sturm. Bezweifelt habe das nie jemand, bestätigt die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. Seit fünf Jahren widme man sich dem Problem, das sich naturgemäß nicht von der Kostenfrage lösen lässt. Die Prognose liegt momentan bei 2,3 Millionen Euro. Der Neubau wird gegenüber der Friedrich-Ebert-Schule (FES) an der Heinestraße stehen. Die Baumaßnahme finanziert sich über das Kommunale-Investitions-Programm (KIP) des Bundes.

Es ist eines der Programme, die im Zuge der Kreditkrise von 2008 durch Ausgaben der öffentlichen Hand die Konjunktur ankurbeln sollten. Die brummt im Baugewerbe momentan so stark, dass der Kreis Offenbach Probleme hatte, bei der Ausschreibung Bieter zu finden. Für den Rohbau hatte sich nur einer gemeldet. Die Preisvorstellungen der beiden Parteien divergierten jedoch empfindlich, wie Peter Demuth – beim Kreis für die Gebäudewirtschaft zuständig – andeutet. Michael Kremer von den beauftragten „Pätzold-Kremer-Architekten“ aus Offenbach bemerkt, in der Branche seien die Kosten alleine von 2017 auf 2018 um bis zu 15 Prozent gestiegen.

Der bisherige Platzmangel habe weniger an fehlenden Klassenzimmern gelegen, sondern vor allem an zum Teil viel zu kleinen. Einer Klasse von 30 Schülern helfen auch drei Räume nichts, wenn in jedem nur 20 sinnvoll unterkommen. „Viele waren für kleine Oberstufenkurse konzipiert“, erklärt Stefan Sturm den Missstand, der nun behoben werden soll.

Die Stelzen-Bauweise kostet mehr als die konventionelle, wie Architekt Kremer betont. Das hängt mit der komplexen Statik zusammen. Der Energieverbrauch ist mit früheren Glasbaustein-Zeiten nicht mehr zu vergleichen. Das neue Gebäude sei mit einer Passivhaushülle ummantelt, sagt Peter Demuth. Eine extra Heizungsanlage brauche es nicht. Die im Hauptgebäude reiche. In den acht neuen Klassenzimmern zu je 60 Quadratmetern lassen sich dann in der 11,60 Meter hohen Immobilie 240 Schüler parallel unterrichten.

Wie die meisten Gymnasien in Hessen wechselte auch das FEG nach den Sommerferien 2014 von G8 auf G9. Schrittweise erhöht sich dadurch die Schülerzahl. Für weiteren Bedarf sorgt der Zuzug von jungen Familien nach Mühlheim. Im Moment unterrichtet das Lehrerkollegium 800 Schüler, womit das FEG das kleinste Gymnasium im Kreis ist. Die Zahl dürfte sich jedoch weiter erhöhen, zumal immer weniger Mülheimer ihre Kinder aufs Gymnasium nach Offenbach schicken. „Der Trend ist eher umgekehrt“, beobachtet Stefan Sturm. Vorrang hätten jedoch die Mühlheimer Grundschüler.

Akademische Feier des Friedrich-Ebert-Gymnasiums in Mühlheim

Wo die Bagger vor Kurzem ein Loch aushoben, liegt normalerweise eine Tartanbahn von hundert Metern. Wenn alles fertig ist, soll die an gleicher Stelle wieder hin, dann aber zumindest zum Teil überdacht. Für die Schüler wird es in Zukunft noch schwerer werden, Argumente zu finden, bei Regen die Pause lieber im Schulgebäude verbringen zu wollen. Schließlich bleibt es unter den Stelzen trocken. Durch den Neubau wird es weitere 200 Stellplätze für Fahrräder geben.

Architektonisch reizvoll wird das neue Gebäude natürlich nicht wirken, sondern sich ästhetisch nahtlos in die Umgebung einfügen. „Ein funktionales Schulhaus“, bemerkt Claudia Jäger, die sich freut, „dass wir mit dem Bau auf Stelzen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen“.

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