Begegnungen entgegengefiebert

85 Jahre Siedlergemeinschaft: Wiedersehensfest an der Roten Warte

Wiedersehen: Die Frauengruppe der Siedlergemeinschaft bewirtet die Gäste.
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Wiedersehen: Die Frauengruppe der Siedlergemeinschaft bewirtet die Gäste.

Besonders Senioren fehlen soziale Kontakte in den langen Phasen der Corona-Maßnahmen besonders schmerzhaft. Zurzeit können auch sie zusammenkommen, etwa bei der Siedlergemeinschaft Rote Warte. Vorstand und die Frauengruppe nutzen die Gunst der Stunde, lassen viele Angebote wieder aufleben und haben zum Wiedersehen Alt und Jung zu einem Waffelfest ans Gemeinschaftshaus eingeladen.

Mühlheim – Puderzucker, Nuss-Nugat-Creme oder heiße Kirschen mit Sahne? Das ist die am häufigsten gestellte Frage. Die Damen und ein Herr in den violetten Schürzen ihrer Abteilung haben sich am Eingang des Restaurants postiert. Vier Waffeleisen, Schüsseln voller Teig und die Zutaten für Obendrauf, dazu die großen Thermoskannen mit Kaffee bilden ihren Arbeitsplatz, den alle mit Wonne ausfüllen. „Seit dem Frühjahr 2020 konnten wir uns nicht mehr bei unseren monatlichen Terminen sehen“, erläutert Doris Meides die Bedeutung der Veranstaltung.

Die Treffen der Frauen haben eine lange Tradition, die Gruppe wurde bereits 1936 gegründet, informiert die Sprecherin. „Während der Lockdowns haben wir zwar viel telefoniert, aber jede hat der persönlichen Begegnung entgegengefiebert.“ Zahlreiche Nachbarn finden sich nach und nach im Regen auf dem Parkplatz ein, trotzen an Tischen unter Sonnenschirmen der Feuchtigkeit, manche zieht es ins Innere der Gaststätte.

Donnerstags ist der Siedler-Stammtisch wieder geöffnet, ergänzt Vereinsvorsitzender Franz-Dieter Buchheimer, gut besucht von Mitgliedern und Freunden aller Generationen. Das Engagement des Vorstands verfolgt noch ein weiteres gewichtiges Ziel. „Keine Veranstaltungen – keine Einnahmen“, bringt der Vorsitzende die fatale Situation auf den Punkt. Dem Verein fehlen die Erlöse von Wäldchestag, Oktoberfest und Vermietungen. Immerhin diente der Saal als Wahllokal, als Ersatz für die Grundschule des Viertels, die gerade neu errichtet wird.

„Auf die Stadt können wir uns verlassen“, lobt Buchheimer die stete Unterstützung aus dem Rathaus, „nicht nur in schweren Zeiten!“. Doch, „das Gemeinschaftshaus hat ein stattliches Alter“, lenkt er den Blick auf Notwendigkeiten, „da nutzt gutes Wirtschaften allein nichts“. Und gerade der Wirt leide unter den langen Schließungen.

Die Gemeinschaft sei mit 180 Mitgliedern zwar gut aufgestellt. Sie verlor durch mehrere Todesfälle Mitstreiter, während sich Zugezogene dem Verein angeschlossen haben. Ein Teil der Beiträge werde an den Verband Wohneigentum abgeführt, der wertvolle Hilfestellung biete. So gebe ein Experte demnächst als Gartenberater Tipps, zeige Optionen für einen altersgerechten Umbau auf und führe Schiedsverfahren bei Streitigkeiten zwischen Nachbarn, sagt Buchheimer. Das Führungsgremium der Roten Warte überlegt derzeit, ob die „Weiße Nacht“ mit Büfett in der Grünanlage und adventliche Feiern stattfinden können. (Von Michael Prochnow)

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