Unbekannte entfernen Schilder an Bahnhofstraße

Begegnungen mit Maske auf dem Wochenmarkt

Anstehen mit Maske: Trotz coronabedingter Einschränkungen ist der donnerstägliche Wochenmarkt gut besucht.
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Anstehen mit Maske: Trotz coronabedingter Einschränkungen ist der donnerstägliche Wochenmarkt gut besucht.

Verstärkte Kontrollen auf dem Wochenmarkt und Unbekannte die Hinweisschilder zum wiederholten Mal entfernt haben: Ein Streifzug über Mühlheims Bahnhofstraße.

Mühlheim – „Bei Regen wär’s ganz leer.“ Über der Bahnhofstraße klart es auf, die Sonne kriecht zwischen fetten, grauen Wolken hervor. Für Luis Soldevilla ist’s egal, er steht fast immer neben Rosenkohl, Eisbergsalat und rot glänzenden Äpfeln in den schräg aufgestellten Kästen. „Ich helfe einem Freund“, sagt er. Dieser Freund ist Obst- und Gemüsehändler Stelios Kostantinidis. Ganz Mühlheim kennt ihn als Kosta, und der ist, Corona hin, Pandemie her, beschäftigt, wie an jedem Werktag der vergangenen 38 Jahre.

Im Schnitt 10 bis 15 Verstöße gegen die Maskenpflicht auf dem Wochenmarkt

Seit vergangenem Donnerstag gilt nicht nur zu Marktzeiten absolute Maskenpflicht auf Mühlheims „Fressgass’“ zwischen Offenbacher und Mozartstraße sowie auf dem Brückenmühl-Parkplatz. Doch das scheint offenbar nicht jedem zu gefallen. „Es wurden schon mehrfach die Hinweisschilder abgerissen“, sagt Erster Stadtrat Dr. Alexander Krey auf Nachfrage. Gerade gestern sei das wieder passiert. Man habe nun schon neue nachbestellen müssen. Überhaupt sei die Ordnungspolizei aktuell zu 90 Prozent nur mit Corona-Kontrollen befasst. Auch auf dem Wochenmarkt gebe es pro Donnerstag im Schnitt 10 bis 15 Verstöße gegen die Maskenpflicht, sagt Krey.

Beim Streifzug über den Markt halten sich die Mühlenstädter anscheinend an die Maskenpflicht. Ausreißer sind nicht zu erkennen. Aber vielleicht traut sich nach der verstärkten Präsenz der Ordnungspolizei keiner mehr ohne. „Es geht ja nicht anders“, sagt Werner Kraus, lächelt erkennbar hinter dem Tuch vorm Gesicht und zuckt mit den Schultern. „Man trifft sich halt zum Schwätzchen“, pflichtet seine Ehefrau Barbara bei und argumentiert mit der Kommunikation zwischen Bekannten für den donnerstäglichen Besuch auf dem Markt.

Immer mehr Leute „genervt und geladen“

Das mit der Begegnung funktioniert auch mit Textilien über den Lippen. Gleich am Eingang hat sich ein Grüppchen Senioren versammelt, plaudert Belangloses.

„Ei, Gude, wie läuft’s?“ Bart und Brille des freundlichen Passanten spielen keine Rolle, seine Stimme identifiziert ihn eindeutig als Barde XXL. „So eine Wurst vom Metzger schmeckt doch viel besser“, begründet Rudi Eitel sein Erscheinen. Und das Treffen mit seiner Schwester, das ist Pflicht auf dem Markt.

„Ist hier das Ende der Schlange?“ Durch den geforderten Abstand erkennen Einkäufer nicht, ob die Schwätzenden in der Reihe stehen. Der Käsewagen fordert zwei Meter Distanz zum Vordermann, dem Fischstand genügen eineinhalb. Caglan Bozkurt hat seine Oliven schon für D-Mark am selben Platz angeboten. „Gleich beim ersten Lockdown kamen weniger Leute“, erinnert sich der Mann in einem der feuerwehrroten Hänger. Durch die Maskenpflicht habe sich für ihn die Situation erneut verschlechtert.

Dazu komme, dass er manche Kunden durch den Schutz vorm Mund und den aus Plexiglas auf der Theke nur schwer verstehe. Immer mehr Leute seien „genervt und geladen“, beobachtet der Kaufmann. „Aber Lebbe geht weider“, zitiert er den einstigen Fußballtrainer Stepanovic, „es ist halt so“. (Michael Prochnow Und Ronny Paul)

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