Begleitung in den letzten Stunden

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Mühlheim - Serie: „Glücksfälle für unsere Stadt“/ Die Hospizgemeinschaft Mühlheim leistet einen wichtigen DienstFreiwilliges Engagement von Bürgern für Bürger ist ein Glücksfall für eine Stadt. Was Bürgerinnen und Bürger selbst organisieren ist lebendig, menschlich und macht Spaß. In der Reihe „12 Glücksfälle für unsere Stadt“ stellt unsere Zeitung zusammen mit den Mühlheimer Engagement-Lotsen in loser Folge Menschen in ihrer ehrenamtlichen Arbeit vor und macht auf Ideen und Projekte aufmerksam. Heute: Bertha Herrera Gross und die Hospizgemeinschaft. Von Matthias Dahmer

„Vor elf Jahren ließ ich mich zur Hospizhelferin ausbilden und übernehme seither die Langzeitbegleitung von schwer erkrankten Menschen“, berichtet Bertha Herrera Gross. Sie ist eine von derzeit 16 Hospizhelferinnen in Mühlheim. Die Hospizgemeinschaft Mühlheim hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schwerkranke, Sterbende und deren Angehörige in der letzten Phase des Lebens eine psychosoziale Begleitung anzubieten, gleich an welchem Ort die Menschen leben.

Ziel der engagierten Frauen ist es, die Themen Tod und Sterben nicht zu verdrängen, sich damit auseinander zusetzen und den Sterbenden und Trauernden beizustehen. Die Arbeit ist rein ehrenamtlich. Die Hospizgemeinschaft finanziert sich durch Spenden, Fördergelder und Mitgliedsbeiträge. Derzeit hat der Verein 68 Mitglieder.

„Die Hospizbewegung ist eine Bewegung von unten“, meint Bertha Herrera Gross. Hier engagierten sich Menschen, die eine Veränderung im Umgang mit Sterbenden herbeiführen wollen. „Die meisten wünschen sich, zu Hause sterben zu dürfen“. Die Hospizgemeinschaft Mühlheim unterstütze die Bürger und Bürgerinnen der Stadt in diesem Anliegen. Dabei bräuchten aber sowohl die Sterbenden als auch die Angehörigen Unterstützung und eine liebevolle Begleitung, so Herrera Gross.

„Ich selbst bin gern mit Menschen zusammen und möchte dort, wo Hilfe nötig ist, diese auch geben, soweit ich dies kann. In der Hospizgemeinschaft ist dies möglich, und ich bekomme da, wo meine Fähigkeiten liegen, zum Beispiel beim Zuhören können, beim Ruhe ausstrahlen und ähnlichem noch besondere Unterstützung durch Schulungen und Fortbildungen, die auch mein eigenes Leben bereichern“.

Die Hospizgemeinschaft Mühlheim (hier bei einer Feier zum zehnjährigen Bestehen) wurde 1997 gegründet. Vorsitzende ist Renate Schnell (vorne, 2. von rechts). Zu den Helferinnen, die seit langen Jahren dabei sind, gehört auch Bertha Herrera Gross (vorne, rechts).

Seit Bertha Herrera Gross Hospizhelferin ist, lebe sie viel bewusster, was das Leben einfach reicher mache, sagt sie. Die Hospizhelferin gesteht: „Ich danke jeden Morgen und Abend Gott für meine Gesundheit. Wenn man rund zehn Stunden in der Woche bei kranken Menschen verbringt, die Sorgen und Nöten der Familien sieht, wird einem bewusst, was man hat, nimmt man kleine Sorgen nicht mehr so wichtig und wird dankbar.“

Die aus Mexiko stammende Mühlheimerin erläutert: „In meiner Tätigkeit in der ambulanten Krankenpflege erlebte ich wie viele einsame kranke Menschen es gibt, die in ihrem Sterben ganz allein gelassen werden. Diesen Menschen etwas von meiner freien Zeit zu schenken, war mein Wunsch. Dies lässt sich in der Hospizarbeit verwirklichen. Ich freue mich über die Dankbarkeit dieser Menschen, wenn sie mir die Hand drücken, dort wo sie keine Worte mehr haben, wenn sie mir sagen, es ist gut, dass es dich gibt. Eine alte Frau, die nicht mehr sprechen konnte, segnete mich, bevor ich mich verabschiedete. Bei jedem Abschied wird sofort ein neuer Besuchstermin vereinbart. Dies gibt den Menschen Hoffnung“.

Vereinbarungen sind verbindlich, sowie auch der Besuch der 14-tägigen Aktiventreffen und der Fortbildungen.

Ein ganz wichtiges Thema ist die Schweigepflicht. Diskretion wird von der Hospizgemeinschaft überzeugend vorgelebt. „Ich würde mich freuen, wenn noch viele Leute an unserer Arbeit Interesse finden würden. Sie treffen auf eine Gemeinschaft mit Erfahrung, mit Struktur, haben Begleitung, Supervision und finden eine schöne Gruppe Ehrenamtlicher“, wirbt Bertha Herrera Gross für die Hospizarbeit.

Wer Interesse hat, die Hospizgemeinschaft in ihrem Engagement zu unterstützen, kann sich wenden an den Engagement-Lotsen Dr. Josef Hahn, Stauffenbergstraße 8, 63165 Mühlheim, 06108 / 72520.

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