Im Rennsport zuhause

Bei Patrick Brenndörfer und seiner Firma Bremotion in Mühlheim dreht sich alles um Sportwagen

Seit 2019 ist Patrick Brenndörfer mit seiner Firma Bremotion in Mühlheim ansässig.
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Seit 2019 ist Patrick Brenndörfer mit seiner Firma Bremotion in Mühlheim ansässig.

Mühlheim – Sie nennt sich Mühlenstadt, doch eigentlich ist die Perle an Main und Rodau auch eine Autostadt. Neben den blitzenden Rolls Royce und der Entwicklung der Mobilität, die Zachs Museum dokumentiert, und den größten Fahrzeughändlern im Gewerbegebiet ist an der Borsigstraße der Rennsport zuhause. Patrick Brenndörfer bereitet dort mit seiner Firma Bremotion Rennen mit aufgemotzten Sportwagen in der Klasse GT4 vor.

Wie viele kleine Jungs wollte auch der gebürtige Darmstädter von Kindesbeinen an Rennfahrer werden. Später zog er nach Frankfurt, die Formel 1 im Visier. „Ich bin kein Schrauber“, sagt Brenndörfer. Er fühlte sich auf der Kart-Bahn heimisch, ist zehnmal ein 24-Stunden-Rennen gefahren. Mit seiner Ausbildung aber qualifizierte er sich zum Kaufmann, hat 15 Jahre für Heico Sportive in Darmstadt-Weiterstadt gearbeitet, in dem Volvos getuned werden.

2014 gründete er sein eigenes Unternehmen, die Bremotion Sport Marketing GmbH. In der Werkstatt werden Serien-Fahrzeuge aufgerüstet. „Wir erfüllen fast jeden Kundenwunsch, individualisieren straßenzugelassene Sportwagen“, skizziert der 44-Jährige das Geschäftsmodell. 2019 zog er nach Mühlheim, „weil’s ideal, zentral liegt“, sagt der Rödelheimer, nutzt „Synergien und ein freundschaftliches Verhältnis“ zu Auto Weiland. Die Firma, mit der er sich den Hof teilt, ist seit Jahrzehnten im Motorsport aktiv.

„Wir machen alles rund um die Fahrzeugveredlung“, konkretisiert Brenndörfer die Kernkompetenz der Kooperation, „legen Fahrzeuge tiefer, bauen ein strafferes, passendes Fahrwerk ein“. „Win on Sunday, sell on Monday“, so sollte es sein: am Wochenende Rennen gewinnen, montags bis freitags in der Werkstatt Service bieten. Corona sorge jedoch dafür, dass die Saison 2021 erst im Juni startet. Für die Wettbewerbe engagiert Brenndörfer freiberufliche „Schrauber“, die Fahrer und Gerät technisch betreuen. Die Spezialisten seien nicht für andere Rennställe tätig, „das ist unsere Stärke! Uns verbindet ein sehr starker Teamgeist“, sagt der Manager.

Zwei oder drei Autos, Tankanlage, vier Sätze Reifen für zwei Autos, also 32 Felgen, Bremsscheiben und Verschleißteile sind im Race Trailer verstaut. Der Tieflader im Hof sei randvoll, die Teams nutzen aber auch die Teile-Trucks des Autoherstellers. Per Quad ziehen sie ein Reifenregal und Werkzeug in die Boxenstraße, dazu bringen sie eine Küche, Cateringmöbel und ein Zelt mit, halten 100 Quadratmeter Platz für Gäste bereit.

„Der Motorsport lebt von Zuschauern, die Sponsoren wollen Gäste einladen“, erläutert der Leiter. Bremotion maß sich 2020 in der Trophy, bei der nur ein Fahrer 30 Minuten auf der Strecke ist. Bei der ADAC-GT4 Germany teilen sich zwei Piloten das einstündige Rennen. „Bei der Trophy bist du Einzelkämpfer, die ADAC-Termine fordern Teamarbeit.“

Der Platz in Überrollkäfig und Carbon-Block im AMG-Mercedes, zwischen Feuerlöschanlage und hohen Spoilern, ist eine Kostenfrage. „Der Fahrer verdient kein Geld, er muss erst mal ein Budget mitbringen, also Gönner oder Sponsoren gewinnen“, erläutert Brenndörfer. Eine fünf- bis sechsstellige Summe werde benötigt, „vier bis fünf Millionen kostet die Teilnahme an der Formel 1“.

Jan Philipp Springob, Bremotion-Talent am Lenker, war mit 18 Jahren 2019 zweifacher Kart-Meister und ist direkt ins Rennauto gestiegen. Am Simulator vorm Büro im ersten Stock flitzt er virtuell über jede Rennstrecke. Patrick Brenndörfer möchte sein Unternehmen vergrößern und sucht einen zweiten Fahrer. (Michael Prochnow)

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