Belastet das Biogas die Luft am Bad?

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Am Mühlheimer Hallenbad wird derzeit ein Blockheizkraftwerk gebaut. Es soll unter anderem Wärme für das Schwimmbad liefern. Die Grünen haben Bedenken, dass das Kraftwerk hohe Abgaswerte produzieren könnte.

Mühlheim ‐ Eine fundierte Untersuchung der Belastung durch Abgase aus der Biogasanlage haben die Mühlheimer Grünen gestern Abend während einer Info-Veranstaltung zum Thema „Energie für Mühlheim ohne Biogas“ gefordert. Von Claudia Bechthold

„Wir haben Grund zu der Annahme, dass die Belastungen durch Stickoxide für Anwohner unter bestimmten Umständen zu hoch werden könnten“, sagte Dr. Arne Schäfer von den Grünen.

Der Ingenieur erläuterte während der Veranstaltung in der Alten Wagnerei, wie es zu einer hohen Belastung der Luft kommen könne. Stickoxide entstünden bei Verbrennungsprozessen zum Beispiel in Automotoren, vor allem jenen, die mit Diesel betrieben werden. Daher bestehe zum Beispiel an Straßen trotz Katalysatoren immer noch eine relativ hohe Belastung der Umgebungsluft durch Stickoxide.

Die Biogaskraftwerk, das am Hallenbad in Mühlheim errichtet wird, sei vergleichbar mit einem sehr großen Lastwagen-Dieselmotor, der allerdings mit Biogas betrieben werde, erläuterte Schäfer weiter. Da bei der Verbrennung in dieser Art von Motoren eine sehr hohe Temperatur entstehe, oxidiere ein Teil des Stickstoffs, der in der zur Verbrennung zugeführten Luft ohnehin vorhanden ist, zu giftigen Stickoxiden.

Während man allerdings bei Automotoren den Ausstoß an Stickoxiden mit einem Katalysator senken könne, funktioniere dies bei einer Biogasanlage dieser Art nicht, ist Schäfer überzeugt. Andere Bestandteile des Biogases würden einen Katalysator schnell „verstopfen“.

Nun habe man errechnet, dass ein Biogas-Heizkraftwerk, wie es am Hallenbad geplant sei, etwa zehn Tonnen Stickoxide pro Jahr ausstoße. Mit entsprechenden Rechenmodellen habe man dann die Verteilung dieser zehn „Jahrestonnen“ simuliert. „Und dabei hat sich herausgestellt, dass die Kurzzeit-Belastung der Umgebungsluft allein durch das Heizkraftwerk fast den zulässigen Grenzwert erreichen könnte“, berichtete Schäfer weiter. Vor allem bei bestimmten Wetterlagen könnten Anwohner, darunter auch ein Kindergarten, deutlich belastet werden.

Auch um diese Zweifel auszuräumen sei eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Biogas-Heizkraftwerk am Hallenbad im Bürgerpark unerlässlich, forderte der Grüne Arne Schäfer.

Statt einer Biogasanlage plädieren die Grünen für eine energetische Sanierung des Hallenbades sowie weitere Maßnahmen, mit denen deutlich Energie eingespart werden könnte.

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